Unterbach: Bürger planen Breidenplatz-Umbau selbst

Unterbach: Bürger planen Breidenplatz-Umbau selbst

Unterbacher wollen Geschosshöhe kappen und haben auf eigene Initiative eine städtebauliche Planungswerkstatt durchgeführt.

Als die Stadt die Pläne für den Umbau des Breidenplatzes und angrenzender Flächen (rund 50 Hektar) Ende 2016 in einer Bürgeranhörung vorstellte, war der Protest groß. Und er ist bis heute nicht abgeebbt. Im Gegenteil: Da die Stadt bislang nicht auf die Forderung der Unterbacher, die Bürger an der Planung im Rahmen eines Werkstattverfahrens zu beteiligen, reagiert hat, hat die gegründete Interessengemeinschaft ihre eigene Planungswerkstatt durchgeführt. Und jetzt die Ergebnisse präsentiert.

Bis zu der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs in einem Jahr sei noch genügend Zeit, einen Konsens zu finden, betont Ingo Block. Auch stünden weitere Verkehrs- und Schallschutz-Gutachten sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung aus. Im Wesentlichen fordern die kritischen Unterbacher eine aufgelockertere Bebauung und eine Reduzierung der Geschosshöhen. "Eine Riegelbebauung mit vier Geschossen ist ausschließlich ökonomisch gedacht, passt so aber überhaupt nicht nach Unterbach", sagt Peter Rohland.

Rund 160 Wohnungen sind nach den Plänen der Investoren, zwei Unterbacher Familien, geplant. Würde man nur drei- oder gar zweigeschossig (mit Satteldach) bauen, wie es die Interessengemeinschaft bevorzugt, würde sich die Anzahl entsprechend verringern. "Unsere bereits nach der ersten Anhörung in 70 offiziellen Stellungnahmen eingebrachten Ideen finden sich in der Planung überhaupt nicht wieder. Die zwei in unserer Planungswerkstatt erarbeiteten neuen Entwürfe zeigen aber das Potenzial, das möglich ist, wenn die Bürger direkt beteiligt werden", sagt Block. Die sehen zum Beispiel auch vor, die (bedeutend niedrigeren) Riegel direkt am Breidenplatz anders zur positionieren, einen öffentlichen Platz zu schaffen oder eine freie Sicht nach Westen zu ermöglichen. Zumindest an der Planung für den Supermarkt werde nicht gerüttelt. "Den sehen wir als gesetzt an", sagt Block, der trotz der divergierenden Meinung hinsichtlich der Neubebauung eines ausschließt: "Es gibt hier keinen Dorfkrieg. Ich singe mit einem aus der Investorenfamilie im Kirchenchor, der Respekt ist geblieben." Allerdings sei man schon etwas reservierter im Umgang miteinander.

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Was Rohland ärgert: "Die Stadt kaspert seit acht Jahren mit dem Investor herum, den Bürgern wurde gerade einmal ein Zeitfenster von vier Wochen eingeräumt, um sich zu den Plänen zu äußern." Und statt die Unterbacher im Vorfeld einzubeziehen, hätte man mit dem Masterplan Fakten geschaffen, an denen sich die unmittelbar Beteiligten abarbeiten durften. "Das ist unbefriedigend", so Rohland, der überzeugt ist, dass die Stadt nur deswegen eine Bürgerwerkstatt ablehnt, weil sie Angst hat, die Investoren könnten abspringen.

Dennoch bleibt die Interessengemeinschaft gedämpft optimistisch. "Ein Gespräch mit der Beigeordneten für Stadtentwicklung steht noch aus, uns wurde jedenfalls signalisiert, dass zumindest Teile der Ergebnisse unserer Planungswerkstatt auch aufgegriffen werden sollen", sagt Rohland. Sollte dem Wunsch der Unterbacher, die bisherige Planung in ein städtebauliches Werkstattverfahren zu überführen, nicht nachgekommen werden, sei ein "Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht absehbar", heißt es in einem offiziellen Statement der Interessengemeinschaft zum Abschluss.

(arc)