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Lichtenbroich: Tschernobyl-Projekt läuft aus

Lichtenbroich : Tschernobyl-Projekt läuft aus

Seit 21 Jahren lädt der Verein "Kinder von Tschernobyl" Mädchen und Jungen, die von den Folgen der Atomkatastrophe betroffen sind, zur Erholung nach Düsseldorf ein. Doch es gibt immer weniger Gasteltern.

Mehr als 960 Kinder aus der Region Bychow in Weißrussland haben seit 1991 an einem Erholungsurlaub in Düsseldorf teilgenommen, konnten hier drei unbeschwerte Wochen erleben und ihr geschwächtes Immunsystem stärken. Untergebracht waren die Jungen und Mädchen immer paarweise bei Gasteltern. Am Anfang war es so möglich, in einem Sommer bis zu 150 Kinder in die Landeshauptstadt zu holen. Doch in den letzten Jahren sind die Zusagen von Gastfamilien drastisch zurückgegangen, so dass 2011 nur noch elf Kinder zu einem Besuch eingeladen werden konnten.

"Mit dieser Entwicklung kämpfen auch andere Vereine mit ähnlichen Zielen. Wir haben deshalb rechtzeitig nach Alternativen gesucht, wie wir trotzdem etwas Sinnvolles für die Kinder tun können", sagt Vereinsvorsitzende Angela Nagel. In der Mitgliederversammlung wurden nun die neuen Ziele des Vereins verabschiedet. Das Konzept sieht vor, den Schwerpunkt der Arbeit von Kindern mit geschwächtem Immunsystem auf Kinder, die bereits erkrankt sind, zu verlagern.

Sanatorium finanzieren

"Zukünftig möchten wir kranken Kindern aus Bychow und Umgebung einen Sanatoriumsaufenthalt finanzieren. Aufgrund der katastrophalen finanziellen Situation, Weißrussland steht kurz vor der Staatspleite, erhalten erkrankte Kinder leider immer seltener eine kostenlose Heilbehandlung", sagt Nagel. Außerdem will der Verein Diabetes-Schulungen bezahlen, da infolge der Tschernobyl-Katastrophe immer mehr Kinder an dieser Krankheit erkranken. "Von staatlicher Seite werden solche Schulungen für Kinder nicht angeboten. Unsere Schulungsleiterin ist selbst Diabetikerin und aufgrund ihrer Auslandaufenthalte inzwischen hochqualifiziert", sagt Nagel. Darüber hinaus werden noch zwei Familien vom Verein unterstützt, die zahlreiche Waisenkinder aufgenommen haben. Bei der Organisation dieser Projekte kann der Verein auf langjährige Kontakte zurückgreifen und wird sich weiterhin immer wieder einen persönlichen Eindruck vor Ort machen. Finanziert werden die Hilfsmaßnahmen aus Spenden. "Wir haben zum Glück gut gewirtschaftet, denn wenn die Kinder nicht mehr vor Ort sichtbar sind, wird es schwieriger werden, Sponsoren zu finden." sagt die Vorsitzende.

Im Sommer werden nun zum letzen Mal 22 Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren aus Bychow nach Düsseldorf reisen und wieder tagsüber im Pfarrzentrum von St. Maria Königin betreut werden. "Es fällt uns schwer, diese Aufenthalte aufzugeben. Aber wir sind froh, weiterhin helfen zu können, zu wissen, es geht weiter. Denn die Kinder benötigen nach wie vor dringend unsere Unterstützung", sagt Nagel.

(RP)