Verbraucher : Stockumer hoffen auf neuen Supermarkt

Im April hat der einzige Supermarkt in Stockum geschlossen. Seitdem müssen die Bürger in andere Stadtteile fahren, da es vor Ort nur noch wenige kleine Geschäfte gibt. Drogerieartikel gibt es dort aber nicht zu kaufen.

Wer in Stockum wohnt und Dinge des alltäglichen Lebens benötigt, der hat es nicht leicht in diesen Tagen. Denn eine Nahversorgung, wie sie bis April noch der Supermarkt an der Kaiserswerther Straße 409 garantierte, gibt es in diesem Stadtteil nicht mehr. Statt gefüllt mit Regalen voller Lebens- und Hygieneartikel steht das große Gebäude, das anfangs von Kaisers und zuletzt von Edeka geführt wurde, leer. Dementsprechend mies ist die Stimmung derzeit unter den Stockumern. Doch nicht nur für die Anwohner stellt der fehlende Nahversorger ein Problem dar. Denn mit dem Wegfall des Magnetbetriebs kämpfen nun auch die Einzelhändler in der benachbarten Ladenpassage um ihre Existenz.

Wolfgang Starick ist so ein bisschen der Fixpunkt des Veedels. Von seinem Obst- und Gemüseladen aus hat er alles im Blick, mehrmals hat ihn schon die Polizei als Zeuge eines Verkehrsunfalls auf der Kaiserswerther Straße hinzu gebeten. „Ich werde gut dreißig Mal am Tag angesprochen, ob ich schon etwas über die Neueröffnung eines Supermarktes weiß“, erzählt Starick. Mit seinen Nachbarn, der Bäckerei Puppe und der Metzgerei Brosi, bietet er nun die letzte Möglichkeit zum Lebensmitteleinkauf in Stockum. „Ich habe schon überlegt, ein Schild aufzustellen, mit der Aufschrift: In Stockum gibt es kein Toilettenpapier“, sagt Starick. Ihm machen vor allem die älteren Kunden Sorgen, von denen es viele im Stadtteil gibt. Für eine 92-jährige Dame ist er letztens sogar in die Stadt gefahren, um ihr einen neuen Lippenstift zu besorgen. „Gerade die Senioren tun mir leid. Wo sollen die denn jetzt hin zum Einkaufen?“ Mittlerweile hat er sein Sortiment aufgrund der hohen Nachfrage erweitert und bietet jetzt in seiner kleinen Käsetheke auch andere Molkereiprodukte wie Joghurt oder Milch sowie andere Getränke an. Er profitiert zumindest davon, dass die Schüler des nahen Max-Planck-Gymnasiums in der Pause inzwischen zu ihm gehen, um sich für die Mittagspause einzudecken. Besonders ein Joghurt mit frischen Fruchtstücken aus Staricks Sortiment ist der Renner unter den Schulkindern. Doch auch für den Joghurt muss Starick nun extra nach Golzheim oder Lohausen fahren. „Wo man nie einen Parkplatz findet“, ruft Kundin Gabriele Köhler dazwischen.

Doch wenn die Schüler wieder in den Klassenräumen sitzen, wird es auf dem Platz vor der Ladenpassage deutlich leerer. „Nachmittags ist es ganz schön ruhig geworden hier“, erzählt Manuela Kulla hinter der Ladentheke der Metzgerei Brosi. Gerade um diese Tageszeit mache sich der fehlende Supermarkt als Kundenmagnet bemerkbar. Erst kurz vor Ladenschluss füllt sich der Laden noch einmal, wenn Leute wie Bianca Buchental den Feierabend nutzen wollen, um noch schnell etwas Aufschnitt für das Abendbrot zu kaufen. 2,8 Kilometer muss sie ansonsten bis zum nächstgelegenen Supermarkt fahren. „Es gibt ja noch nicht einmal ein Büdchen hier. Ich bin ja Gott sei Dank mobil. Aber gerade für die alten Leute, von denen es hier viele gibt, ist es wirklich schlimm. Die können das doch gar nicht so weit tragen.“ Dass so viel Potential ungenutzt bliebe, kann Buchental nicht verstehen. „Hier kommen Horden von Schulkindern oder Fortuna-Fans vorbei. Sogar Messegäste sprechen mich an, wo man hier etwas kaufen könnte“, sagt Buchental. Sie würde sich einen gut situierten Discounter, wie sie es von ihrer alten Wohnstätte an der Nordstraße kennt, auch für Stockum wünschen.

Immerhin scheinen ihre Wünsche nicht unerhört geblieben zu sein. Staricks Vermieter bestätigte ihm, dass im Herbst ein Discounter in die Leerstelle einziehen soll. Wann das im Herbst sein soll, ist aber noch unklar. „Die Immobilienanzeige ist zumindest schon nicht mehr im Internet zu finden“, sagt Starick.

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