Stockum : Der kurze Draht zu den Behörden

Der Welcome Point Düsseldorf Nord hilft Flüchtlingen dabei, sich einzuleben und sich Stück für Stück wieder ein eigenes Leben aufzubauen. Er ist aber auch Anlaufstelle für Bürger, die Fragen haben oder helfen wollen.

Neben der Haustür hängen eine Deutschland- und eine Europaflagge, beide sind vom Wind verdreht. "Welcome Point Düsseldorf Nord" steht auf einem Schild an der Wand. Die Erdgeschossfenster sind vergittert, ein laminiertes DIN-A4-Blatt am Grundstückseingang weist darauf hin, dass das freistehende Haus an der Niederrheinstraße videoüberwacht ist. Projektleiter Jürgen Gocht betont, dass die Sicherheitsvorkehrungen vor allem dem Schutz vor Einbrechern dienen würden. Und Uli Steller, Koordinator für das Ehrenamt, ergänzt: "Ärger mit Nazis gibt es hier nicht."

Die beiden sitzen in Gochts Arbeitszimmer an einer gedeckten Kaffeetafel. Auf dem Schreibtisch liegt ein Koran. "Die Bürger im Norden sind außergewöhnlich aufgeschlossen", sagt Steller. Natürlich seien einige von ihnen anfangs besorgt gewesen, sagt Gocht. Aber auf diese Sorgen einzugehen, sei schließlich auch eine der Aufgaben des Welcome Points: "Wir bieten Beratung für Geflüchtete und Anwohner."

Vor allem aber dient der Welcome Point als eine Anlaufstelle für die rund 600 Flüchtlinge, die im Düsseldorfer Norden wohnen. Gocht: "Wir sind der kurze Draht zu den Behörden. Wir helfen dabei, Jobs und Wohnungen zu vermitteln oder Ärger mit der Polizei zu klären." Außerdem verteile der Welcome Point die teilweise "sehr hochwertigen" Sachspenden der Anwohner, darunter Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Kleidung, Geschirr, Bettwäsche, Möbel, Spielzeug und Computer. Der Welcome Point wurde im August 2015 eröffnet und betreut mit insgesamt vier Mitarbeitern zwischen 15 und 20 Flüchtlinge im Monat.

"Die meisten bekommen das Komplettpaket - Sachspenden, Wohnungen, Jobs", sagt Gocht. Finanziert wird der Welcome Point über die Jugendberufshilfe durch die Stadt Düsseldorf. "Deshalb haben wir auch zu allen Ämtern unmittelbaren Zugang", sagt Steller. Probleme gebe es allerdings mit der Ausländerbehörde, sagt Gocht: "Die erteilen keine Ausbildungsduldungen, auch nicht für Geflüchtete, denen wir Ausbildungen in Mangelberufen vermittelt haben." Anne Braun, Pressesprecherin bei der Stadt Düsseldorf, äußert sich zu diesem konkreten Vorwurf nicht, kündigt aber einen "Fachaustausch" an, "bei dem unter anderem die Möglichkeiten und Grenzen zur Erteilung einer Ausbildungsduldung besprochen werden sollen". Dakhil Kamo hat als anerkannter Flüchtling eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Er hat auch schon Deutsch gelernt, 900 Stunden lang, und eine Wohnung in Angermund bezogen. Deutsch brachte ihm unter anderem Gertrud Robrecht, die Frau von Uli Steller, bei. Die Wohnung hat ihm Cornelia Kreidl, die sich beim Welcome Point um die Verwaltung kümmert, vermittelt. Kamo floh zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter aus dem Irak nach Deutschland, als Jesiden waren sie dort vom IS terrorisiert worden. Zurück in ihre alte Heimat wollen sie nicht: "Alle sind weg, alles ist kaputt. Da sieht es aus wie '45 in Deutschland." Für seine Zukunft in Düsseldorf hat Kamo schon konkrete Pläne: "Ich möchte eine Ausbildung machen und eine gute Arbeit bekommen." Kfz-Mechatroniker würde ihn interessieren. Zunächst werde er aber seinen Führerschein machen. "Ich habe zwar noch kein Auto, aber ich möchte eins", sagt er.

(bjn)
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