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Düsseldorf: Was Stadtmitte-Bewohner zur Drogenszene sagen

Düsseldorf : Was Stadtmitte-Bewohner zur Drogenszene sagen

In einer außergewöhnlichen Veranstaltung der Bezirksvertretung machten sich die Bürger Luft: Sie fühlen sich von der Stadt mit den Problemen, die Straßenstrich, Drogenhandel und Kleinkriminalität mit sich bringen, im Stich gelassen.

Damit hatte Polizeihauptkommissar Olaf Krätzer nicht gerechnet: Kaum hatte er aufgezählt, was die Polizeiinspektion Mitte im Bereich rund um den Bahnhof so alles tut, fiel ihm ein aufgebrachter Bürger ins Wort: "Polizei und Ordnungsamt sind klasse." Schuld an der Misere, die seit gut zwei Jahren die Stimmung vor allem an der Friedrich-Ebert-Straße drückt, ist für Werner Schliepkorte die Kommunalpolitik. "Wir haben hier Problemhäuser, aus denen der Müll auf die Straße geworfen wird, wir haben Drogenhandel und Prostitution auf offener Straße. Wer genehmigt mitten in dieser Konstellation noch einen 24-Stunden-Kiosk?"

Die Politik saß in Gestalt von André Simon (CDU) und Sebastian Rehne (FDP) mit am Tisch und mühte sich redlich, zumindest darauf hinzuweisen, dass man sich der Probleme durchaus bewusst sei. Deswegen hatte ja die Bezirksvertretung gestern Abend eingeladen, zu einer Art Informations-Speed-Dating: Vertreter der Polizei (neben Olaf Krätzer der Leiter der Altstadtwache, Jürgen Bielor, und der Bezirksbeamte Wolfgang Seeliger) an einem Tisch, nebenan Peter Theisen vom Ordnungsamt und einen Tisch weiter Michael Harbaum vom Drogenhilfecentrum, der mit Trudpert Schoner vom Gesundheitsamt Bürgerfragen erwartete. 25 Minuten durften die Bürger an jedem Tisch ihre Anliegen vorbringen, Fragen stellen oder diskutieren, danach läutete Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner die nächste Runde ein. "Wir dachten, das ist ergiebiger als eine Podiumsdiskussion", sagte die SPD-Frau, enttäuscht, dass nur knapp 20 Bürger zur Informationsbörse gekommen waren.

Genug, um am vierten Tisch grundsätzliche Kritik zu äußern an der Arbeit von Birgit Schmitz vom SKFM - der die Drogenberatungsstelle Kompass und die Notschlafstelle für Mädchen unterhält - und Thomas Tackenberg vom Flingern Mobil: Süchtige machen Dreck und lassen Spritzen liegen, und sowieso seien sie selbst schuld an ihrem Elend, zeterten drei Senioren. Die Süchtigen wollten und brauchten keine Hilfe. Dabei hat sich vor allem im Bereich des Immermannhofs allein durch die Umgestaltung des Platzes die Lage entspannt. Beim Flinger Mobil etwa wollen aktuell nur noch halb so viele Klienten ihre Spritzen tauschen wie noch im Sommer. Aber: Die Junkies sind nur ein paar Meter weiter gezogen, lagern jetzt am Mintrop- und Worringer Platz.

Sie sind in den Augen von Maurice Waszkiewicz nur ein Teil des Problems im Stadtteil. Der stellvertretende Direktor des Nikko-Hotels klagt auch über die Prostituierten, die die Sperrbezirksgrenzen ignorierten und auch schon mal Gäste belästigten. Und über den Müll aus Gewerbebetrieben, der allabendlich illegal bei den Papiercontainern gelagert werde. Der sei nicht nur an sich schon eklig, sondern werde von den Junkies auch noch durchwühlt. Peter Theisen will sich darum kümmern. Und die Politiker notierten viele Wünsche und Anregungen: mehr Licht im Quartier, vielleicht eine Sperrstunde für den Kiosk. Und auch mit den Hausbesitzern soll geredet werden, die sich weder um ihre Wohnungen noch um die Mieter kümmerten und so zum Schmuddelimage des Viertels beitrügen.

(RP)