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Lampengeschäft in Düsseldorf schließt nach mehr als 60 Jahren

Kommen und Gehen : Im Laden gehen die Lampen aus

Nach mehr als 60 Jahren schließt das Fachgeschäft „Form im Licht“ an der Bahnstraße Ende des Jahres.

Der Letzte macht bekanntlich immer das Licht aus. Das wird in diesem Fall Axel Nolte sein, wenn er Ende des Jahres in seinem Geschäft „Form im Licht“ an der Bahnstraße hinter sich die Ladentüre abschließt. 62 Jahre war das Fachgeschäft für Designerlampen, für moderne Beleuchtungskonzepte, die nicht zuletzt eine individuelle Beratung und dezidierte Planung beinhalten, eine Top-Adresse. „Aber das, was wir hier anbieten, ist anscheinend nicht mehr gefragt“, sagt Chef Axel Nolte.

Die lange Zurheide-Baustelle vor der Ladentüre (und dass es dort jetzt keinen Eingang mehr zur Bahnstraße gibt), sicher auch das Internet, mögen dazu beigetragen haben, dass die Umsätze dramatisch eingebrochen sind. Aber Nolte nennt noch einen weiteren, wohl entscheidenden Grund dafür, dass er jetzt einen Schlussstrich zieht: „Der Niveauverfall bei der Kundschaft, Qualität hat keinen hohen Stellenwert mehr, der Anspruch sinkt rapide. Wenn ich dem Kunde erzählen, eine Deckenleuchte kostet 580 Euro, fällt der um. Da hilft es auch nicht, wenn meine 20 statt nur zwei Jahre hält.“ Beratungsresistent nennt Nolte diese Einstellung.

Sein Vater hat das Geschäft im August 1956 gegründet, obwohl er ursprünglich Architekt war und zum Beispiel Tankstellen gebaut hat. „Aber das hat ihm keinen Spaß gemacht. Und er hatte dieses Gespür für Form und Gestaltung in Verbindung mit Licht, hat selbst Leuchten kreiert“, kramt Nolte in seinen Erinnerungen. Ein paar Mal wurde der Standort gewechselt, seit 1979 sitzt „Form im Licht“ an der Bahnstraße. Axel Nolte, der eigentlich gelernter Elektrotechniker ist, stieg mit Anfang 20 ins Geschäft ein, „wir haben uns gut ergänzt, ich der Techniker, er der Designer“.

Die Umsätze stimmten, über Jahrzehnte. Ob Beleuchtungskonzepte in Ergänzung zu exklusiven Büroeinrichtungen oder anspruchsvolle Ausstattungen für Privatwohnungen – das Know-how der Fachleute war stets gefragt. Wobei Nolte die Planung nicht einmal beim Kunden vor Ort durchführte, sondern seine Konzepte im Laden entwarf.

Die guten Zeiten sind jedoch vorbei. „Die Masse der Kunden fehlt einfach, wahrscheinlich bin ich auch zu ehrlich“, sagt Nolte, der niemandem etwas vormachen will. „Leuchten zu kreieren und auch zu verkaufen, hat mir immer Spaß gemacht. Aber anspruchsvolle Technik hat ebenso wie zeitlos schönes, schlichtes Design einen angemessenen Preis, ich verkaufe keinen China-Schrott. Nachhaltigkeit zählt halt nicht mehr“, klagt er.

64 Jahre alt ist Nolte jetzt, rund 40 Jahre hat er in das Geschäft investiert. „Ein paar Jährchen hätte ich schon noch weitermachen können, aber unter den Umständen macht es keinen Sinn.“ Auch „Form im Licht“ hat einen gut sortierten Online-Shop, „aber das Segment hat offenbar keine Zukunft mehr, die Leute kaufen sich ihre Lampen lieber im Baumarkt“. Es war für ihn eine rationale Entscheidung, „ich bin o.k. damit, nur um meine beiden Jungs, die ich entlassen muss, tut es mit leid. Aber das Leben geht weiter“, sagt der baldige Ex-Ladeninhaber, der sich noch nicht genau überlegt hat, was er in Zukunft machen soll. „Vielleicht entwickle ich weiter Leuchten, in kleiner Produktion, vielleicht heuere ich auch noch mal als Berater an, wer weiß.“ Wenn er einen Raum betritt, hat der 64-Jährige natürlich immer einen Blick für die Beleuchtung, seine Meinung behält er aber in der Regel für sich. Dennoch sagt er: „80 Prozent der Leuchten werden falsch gekauft. aber die Leute wissen es halt nicht besser, da kann ihnen keiner einen Vorwurf machen.“

Auch Nolte hat Ausschau nach einem Nachfolger gehalten – ohne Erfolg. Dass seine Stammkunden jetzt in Düsseldorf kaum noch einen Anlaufpunkt haben, stimmt ihn auch ein wenig traurig. „Aber ich bin ja nicht der einzige, in anderen Branchen ist die Entwicklung ähnlich. Fachgeschäfte haben es fast überall schwer. Die Guten sterben offenbar aus“, sagt Nolte.