Stadtmitte: Freundliche Übernahme

Stadtmitte: Freundliche Übernahme

Seit einem halben Jahr findet einmal im Monat der "Lesbian Takeover" statt - ein Treffen vor allem für Lesben.

Ein Stammtisch wollen sie nicht sein - wenn die acht Frauen an einen Stammtisch denken, sehen sie eine dunkle Kneipe vor sich, die ein bisschen antiquiert ist, in der die immer gleichen Menschen zusammenkommen. "Wir sind ein Takeover", sagt Leonie Jüngling und meint damit eine "freundliche Übernahme eines Lokals oder des öffentlichen Raums". Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung und Sexualität spielt für die acht Frauen keine Rolle, die das Konzept aber unter das Motto "Lesbian Takeover" stellen - ein Treffen also vor allem für Lesben aus der Stadt und drumherum, zu dem Schwule und Heteros eingeladen sind, "und wir schauen auch immer, dass das Lokal möglichst barrierefrei ist", erzählt Julia Tietz.

Entstanden ist die Idee im letzten Herbst, weil die Frauen enttäuscht waren, dass das Zakk die Lesben-Party-Reihe einstellte. "Es kamen wohl nicht genug Menschen", sagt Simona Sinescu, "vielleicht war das Konzept auch nicht mehr zeitgemäß." Jedenfalls machten sich Sinescu und Tietz und die anderen Gedanken über ein neues Event, das nicht Stammtisch sein soll und nicht Party, "ein Treffen zum Kennenlernen, für den Austausch", erzählt Louisa Voßen, das zum ersten Mal am 4. Oktober 2017 stattgefunden hat. 50 vorwiegend lesbische Frauen kamen damals in die Butze, spannend ist die Organisation gewesen, "weil wir nicht wussten, wie viele es wirklich werden", erinnert sich Tietz. 50 sind es nicht geblieben, schon bei der zweiten Ausgabe einen Monat später im Konvex waren es schon 90, im Januar wurde beim Takeover im Tigges die 100er-Marke geknackt. Inzwischen rufen die Planerinnen vorher in den Lokalen an, warnen schon mal vor, dass es voller werden könnte.

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Dass die Reihe so schnell so beliebt geworden ist, "liegt sicher auch daran, dass es sehr wenig Angebot gibt für Lesben", meint Jana Hansjürgen vom Puls, das Jugendzentrum für junge Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle bis 27 Jahre. "Schwul ist irgendwie sichtbarer, es gibt Partys, Zeitschriften", sagt Hansjürgen, die sich für mehr lesbische Sichtbarkeit einsetzt. Im Puls ist es auch gewesen, wo sich einige aus der Orga-Gruppe kennengelernt haben, wo sich die Planerinnen auch heute gerne noch treffen - auch wenn einige schon zu alt sind dafür -, wenn zum Beispiel das nächste Event im Kalender steht. Einmal im Monat wird der Lesbian Takeover gefeiert, immer an einem Mittwoch, aber an keinem festen, "es kann der erste sein oder der dritte", erzählt Leonie Jüngling.

Der nächste Termin ist ein ganz besonderer für das Team - weil er im Zakk sein wird, eben dort, wo es so viele Jahre eine Partyreihe gegeben hat, "vielleicht können wir sie ja wieder aufleben lassen", sagt Martina, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte - Familie, Beruf, Schule, Kirche, "es gibt immer noch Anfeindungen", sagt Louisa Voßen, die selbst schon beleidigt wurde, als sie mit ihrer Freundin Händchen gehalten hat. Und es werden sogar wieder mehr, "aus der rechten Ecke und religiös motivierte", sagt Jana Hansjürgen, die hofft, dass der Takeover eben auch jene Frauen anspricht, die ihre Sexualität heimlich leben. Einen Ort wollen die acht Frauen schaffen für Frauen, an dem sie sich zeigen können, vielleicht sogar ihr Coming-out haben.

(RP)