Düsseldorf-Stadtmitte: Zwischen Schmuddelecken und Stadtbäumen

Rundgang durch Düsseldorf : Zwischen Schmuddelecken und Prachtbäumen

Kaum ein anderes Viertel ist so abwechslungsreich wie das Quartier rund um den Bahnhof. Die Bahnhofsmission lädt zu Rundgängen.

Rund um das Bahnhofsgelände herrscht Hochbetrieb. Mancher eilt nur schnell vorbei, andere verweilen. Reisende, Berufstätige, Ältere, Familien, Drogenkonsumenten, Menschen mit Behinderungen oder junge Leute. Ein lebendiges Viertel, findet Barbara Kempnich, Leiterin der Bahnhofsmission, die eingeladen hat zum Rundgang.

Sie ist bestens vertraut mit der so schnelllebigen, abwechslungsreichen, manchmal bunten, manchmal tristen Welt rund um den Düsseldorfer Bahnhof. „Wir machen diese Quartiersspaziergänge, um die verschiedenen Perspektiven zu zeigen, die es hier gibt. Denn in diesem rasanten, urbanen Gemisch treffen viele Perspektiven aufeinander“, sagt sie. Diesmal hat sie Dieter Sawalies von der Baumschutzgruppe Düsseldorf an ihrer Seite.

Tourstart ist am Worringer Platz, wo der Verkehr um die interessierte Gruppe herumbraust und das Blau des Himmels kaum zu sehen ist. Tarek nimmt teil, weil er Düsseldorf kennenlernen möchte: „Ich bin gerade erst hierher gezogen“, sagt er. Dieter Sawalies, Mitglied der Bezirksvertretung 3, zeigt auf den Platz, der manchmal auch als der „hässlichste Europas bezeichnet wird“. Die Anmutung des Platzes sei der einer Verkehrsinsel. Sawalies informiert über die Historie und die Versuche, mehr Aufenthaltsqualität unter anderem mit Kunst zu schaffen. Schnell lenkt er den Blick der Besucher auf die Bäume, die es hier und in den umgebenden Straßen gibt. „Ich werde die Leute überraschen, dass die Bäume, die sie jetzt noch für grün halten, eigentlich schon tot sind“, sagt er. Die Stadtbäume sind neben Plätzen und Straßen Thema des Rundgangs. „Es geht um die Verbindung von Bäumen, Menschen, Kunst und Literatur, also was Goethe oder andere große Dichter über die Bäume gesagt haben.“

Vom Worringer Platz geht es über die Karlstraße, Immermann-, Friedrich-Ebert- und die Bismarckstraße, den Mintropplatz und die Gustav-Poensgen-Straße bis zum Fürstenplatz. Die Gruppe passiert Schmuddelecken und blitzsaubere Schmuckplätze. „Ich finde, hier kommen alle aus der Bevölkerung mal her“, sagt Barbara Kempnich über das Bahnhofsgelände und sein angrenzendes Viertel. Zwei Frauen wohnen direkt in der Nähe: „Das interessiert uns natürlich, was hier los ist“, sagen sie. Auf der Karlstraße nehmen sie mit Dieter Sawalies die Bäume näher in Augenschein. Er zeigt den Teilnehmern, worauf sie achten müssen und dass ein Großteil der Bäume bereits tot sei. „Dann werde ich ihnen die Zukunftsbäume vorstellen, die die Stadt jetzt nach und nach pflanzt“, sagt er. Ein Beispiel dafür findet er am am Platz vor dem Immermannhof. Früher gab es dort Hochbeete und Bänke. Ein Platz, der Drogensüchtige anzog. Heute hat der Platz sein Aussehen verändert. Mit Wasserbeuteln versehen stehen dort Judasbäume, sie zählen zu den Zukunftsbäumen der Stadt. Die aktuelle Verteilung der Straßenbaumarten in Düsseldorf sei problematisch: „Es ist die Konzentration auf eine verengte Artenvielfalt“, sagt Sawalies den Teilnehmern. 67 Prozent aller Straßenbäume sind nur fünf Baumgattungen zuzuordnen.

Arten wie Linden, Kastanien oder Platanen sind am häufigsten vertreten. Den Blick der Teilnehmer auf die Stadtbäume und ihre Bedürfnisse schult Sawalies an verschiedenen Stationen seines Rundgangs. Die Rubinien, die wenig Platz zwischen einer Hauswand und einem Zaun haben, entdeckten viele der Teilnehmer erst durch seinen Hinweis.

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