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Worringer Platz in Düsseldorf: Die Stadt will Street Art vermarkten

Worringer Platz in Düsseldorf : Die Stadt will Street Art vermarkten

Das Stadtmarketing will verstärkt Untergrundkunst nutzen, um Touristen anzulocken. Ein lohnendes Objekt wäre die Unterführung am Worringer Platz. Aber die bleibt - wie schon seit 20 Jahren - weiterhin fürs Publikum geschlossen.

Hier steht die Luft still. Seit 1994 etwa. Die Plakate an den Säulen weisen auf Veranstaltungen hin, an die sich schon lange keiner mehr erinnert. Der Staub hat sich zur Ruhe gesetzt. Die grellen Graffiti an den Wänden sind von Wind und Regen unberührt.

Als damals die Unterführung am Worringer Platz geschlossen wurde, war es noch nicht normal, Menschen zu applaudieren, die guerilla-mäßig den öffentlichen Raum verschönern. Dass die kryptischen Schriftzüge und Werbe-Persiflagen, die grinsenden Comic-Katzen und zähnefletschenden Donald Ducks, die vorlaut signierten Werke tatsächlich Kunst sind, wissen wir heute - aber früher hätte man darüber durchaus streiten können.

Vergessene Graffiti-Kunst unterm Worringer Platz

Heute ist Street Art wie diese etabliert. Was man daran erkennt, dass Düsseldorf Marketing & Tourismus (DMT) sie jetzt als lohnendes Vermarktungsobjekt entdeckt hat. Zusammen mit den Tourismus-Agenturen des Landes, der Stadt Köln und der Metropole Ruhr will die DMT bis 2019 dafür sorgen, dass Nordrhein-Westfalens Städte - allen voran Düsseldorf - in aller Welt bekanntwerden als "cooler, hotter Kunstpunkt". So sagt DMT-Chef Frank Schrader, der zur Pressekonferenz mit anschließender Unterführungs-Begehung in ein Design-Hotel am Worringer Platz geladen hatte. Das Projekt "Urbanana" - benannt nicht nach der Mutter aller Staudengewächse, sondern eine Zusammensetzung aus "urban" und "banana" - bekommt 1,2 Millionen Euro EU-Gelder. Damit und mit der "Verwegenheit der Banane" (Tourismus NRW-Geschäftsführerin Heike Döll-König) soll die Art Tourismus kopiert werden, wie sie besonders beliebt ist bei jungen, urbanen Reisenden: in Airbnb-Privatzimmern übernachten und sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad anhand von Online-Empfehlungen des Schwarms eine Stadt selbst erschließen. Die Ansprache soll locker sein, vorrangig auf Englisch. Und die Empfehlungen sollen so klingen, als hätte sie ein hipper, gut informierter Düsseldorfer formuliert.

Urgestein der Düsseldorfer Street Art: Klaus Klinger hat oberirdisch viele Häuser bemalt und dabei mit vielen Sprayern zusammengearbeitet, die unterirdisch den Worringer Platz verschönerten. Foto: Andreas Bretz

Denn, sagt Frank Schrader, Düsseldorf werde weiterhin als langweilig wahrgenommen: "Wir gelten als glatt, ohne Ecken und Kanten. Uns fehlen die schmutzigen Ecken."

So richtig schmutzig wird es auch mit den Urbanana-Aktionen nicht werden: Da geht es mehr um Empfehlungen durch Blogger, Instagram-Wettbewerben, die Zusammenarbeit mit Kunstmagazinen wie "Heimatdesign" oder "Monopol" oder Hotels, die nicht mehr alle gleich aussehen. Auch eine direkte Förderung der freien Kunstszene, die Street Art ja nun mal produziert, ist nicht geplant. Und wenn doch mal Dreck droht - wie bei der Besichtigung der Unterführung am Worringer Platz - werden vorsorglich schützende Overalls verteilt.

Seltener Anblick: Viel Verkehr in der Unterführung, die man erreicht, wenn man durch einen Metallkasten eine Leiter heruntersteigt. Foto: Bretz Andreas

Die künstlerischen Ecken und Kanten, die hier unten zu sehen sind, wären perfekt, um Düsseldorfs Image umzukrempeln. Bislang allerdings ist weiterhin nicht geplant, die Unterführung fürs Publikum zu öffnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Einblicke in die Unterführung am Worringer Platz

(hpaw)