Urdenbach: Sport-Referate statt Körbe werfen

Urdenbach: Sport-Referate statt Körbe werfen

Weil die Turnhalle am Kobi-Gymnasium schon vor den Sommerferien für den Sportunterricht gesperrt wurde, gibt es am Gymnasium Koblenzer Straße jetzt Sport-Theorie. Die Schüler sorgen sich um ihre Noten.

Eigentlich hätte Susanne Mauersberger heute Sport, immer dienstags von 15 bis 17.30 Uhr. Sie könnte beim Basketball Körbe werfen oder in der neuen Trendsportart Parcouring über Kästen klettern. Das kann die 17-jährige Schülerin aber derzeit nicht. Die Turnhalle ihrer Schule, das Gymnasium Koblenzer Straße, wurde bereits vor den Sommerferien geschlossen. Der Grund: Die Lichtkuppeln in der etwa 50 Jahre alten Halle sind baufällig und könnten abstürzen. Deswegen haben Susanne Mauersberger und ihre Mitschüler statt Sport nun Theorie. "Das macht ja auch Spaß", pralt die Hellerhoferin, "aber davon lerne ich die Übungen nicht praktisch." Sie und einige andere fürchten: "Dass sich das auf unsere Abiturnoten auswirken könnte."

Nach mehr als zwei Monaten Stillstand, in denen weder die Kobi-Schüler noch Vereine, die die Halle mitbenutzen, das Gebäude betreten durften, ist gestern die Firma mit den neuen Lampen angerückt. Mit dem Kran hat das Unternehmen die Lampen aufs Dach der großen Dreifach-Sporthalle gehievt. 36 Lichtkuppeln wird sie installieren, jede etwa 1,50 Meter im Quadrat groß. Bis die Firma damit fertig ist, werden voraussichtlich noch mindestens zwei Wochen vergehen. "Bis zum 1. Oktober soll dann alles fertig sein", sagt Schulleiter Peter Labouvie. Er sieht die Situation noch immer gelassen, obwohl der TÜV die Halle bereits vier Wochen vor den Sommerferien dichtgemacht hatte. "Wir sind nicht glücklich, aber die Situation ist nicht dramatisch." Schneller habe das Amt für Gebäudemanagement, das für die Sanierung und Instandhaltung der Schulen zuständig ist, nicht handeln können, meint er.

Weil keine der Lampen den anderen exakt gleiche, müssten sie einzeln angepasst werden. Währenddessen falle der Sportunterricht schließlich nicht aus, er fände bei gutem Wetter im Freien statt – oder eben in der Theorie im Klassenraum. "Wie das gehandhabt wird, ist den Fachlehrern überlassen", sagt der Schulleiter. Die Schüler aber sind verwirrt. "Wir wissen nicht, ob ein Nachteil bei der Notengebung entsteht, wenn wir keine Leistungen zeigen können", sagt Susanne Mauersberger. Im vergangenen Schuljahr hatte sie eine glatte eins (14 Punkte) auf dem Zeugnis. "Ein oder zwei Punkte weniger in einem Fach machen beim Abi-Schnitt schon einen enormen Unterschied", sagt die Schülerin. "Ich möchte mir wegen so etwas ja nichts kaputtmachen." Der Schulleiter hält diese Sorgen für unbegründet. Sport sei nicht Teil des Zentralabiturs. Zwar werde es von den Lehrern objektiv nach Landesvorgaben benotet, aber sie könnten auch "die Besonderheiten der Situation bei der Notengebung berücksichtigen", sagt Labouvie. Er verspricht: "Ich werde die Fachkräfte entsprechend informieren, damit sich kein Schüler sorgen muss."

  • Urdenbach : Ein halbes Jahrhundert Kobi-Gymnasium
  • Langenfeld : Ein halbes Jahrhundert Kobi-Gymnasium

Susanne Mauersberger beklagt aber nicht nur die Notengebung: "Wir werden überhaupt nicht darüber informiert, wann wir die Halle wieder nutzen können." Irgendwo habe sie gehört, der Umbau solle bis nach den Herbstferien dauern. Dann aber beginnt bereits das zweite Quartal des ersten Halbjahres – und die Lehrer müssen die ersten Noten, aus denen sich die Abiturnote zusammensetzt, eintragen. Nach derzeitigem Informationsstand von Susanne Mauersberger will ihr Lehrer die anhand von Vorträgen ermitteln.

Vor den Ferien war das Wetter so gut gewesen, dass die Kobi-Schüler die unmittelbar angrenzende Bezirkssportanlage des Garather Sportvereins hatten nutzen können. Jetzt ist Herbst geworden, da geht das nicht mehr. In Gruppen bereiten die Schüler nun stattdessen Referate vor, die sie in dem Zeitraum, in dem sie eigentlich Sport hätten, der Klasse vortragen. Susanne Mauersberger wundert sich, dass sich kaum Eltern für eine schnellere Lösung der Situation einsetzen. "Ginge es um irgendein anderes Fach als Sport", sagt die Abiturientin, "hätten sich alle schon längst lautstark beschwert." Diese Kritik weist der Schulleiter zurück. "Wir sind bei jedem Fach gleich bemüht", sagt er.

(emy)
Mehr von RP ONLINE