Oberkassel Spiel mit der Räumlichkeit

Oberkassel · Gluckernde, knarrende, schnarchende Geräusche. Lichteffekte, die den abgedunkelten Raum durchschneiden. Obskure Gebilde, scheinbar wahllos auf dem braun-grauen Fußboden vor der weißen Wand angeordnet. Und ein Eingang so schmal, dass höchstens ein Kind durchpasst – das sind die ersten Eindrücke, die die Ausstellung "Facing in to out the Void" von Amit Goffer im Off-Ausstellungsraum "Raum" hinterlässt. Es ist keine Schau für Kunstinteressierte, die Plakativität oder gar Kommerz suchen. Denn erst auf den zweiten Blick lässt sich ein Konzept erkennen in dem, was der gebürtige Israeli mit derzeitigem Wohnsitz in Bilk, in Oberkassel geschaffen hat.

 Amit Goffer fordert die Betrachter mit seinen Arbeiten heraus.

Amit Goffer fordert die Betrachter mit seinen Arbeiten heraus.

Foto: Göttert

Es ist das Spannungsfeld dessen, wie Menschen Räumlichkeit erleben, das Amit Goffer thematisiert. Wie sie zwischen dem unterscheiden, was innen und was außen ist, beziehungsweise wie es fließend ineinander übergeht. "Es geht um den Raum, um Gefühle, das Seelenleben der Menschen", sagt der Künstler. "Man kann es fühlen, aber nicht berühren." Beklemmt, irritiert, neugierig – durchaus gewollt ist, dass jeder der Besucher anders reagiert. "Ich möchte, dass sie versuchen, eine individuelle Verbindung herzustellen." Spannend sei für ihn, diese unterschiedlichen Reaktionen zu beobachten. Der schmale Eingang etwa, verengt durch Pappmaché, sei für hagere Personen durchaus noch begehbar. Wegen der engen Optik traue sich aber kaum jemand, dort hineinzugehen – der richtige Eingang ist übrigens im Innenhof rechts um die Ecke. Oder die Installation, die aus einem grauen Kasten, montiert auf drei Holzbeinen besteht, mit einem kreisenden Objekt oben drauf: Die einen sehen darin ein Messer, die anderen einen Propeller.

Für Amit Goffer ist es interessant, darüber ins Gespräch zu kommen. Weil der 33-jährige Israeli bereits viel herumgekommen ist, entdeckt er immer wieder Unterschiede darin, wie Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen an die Kunst herangehen. Genau spezifizieren könne er die Szene der Kunstinteressierten nicht, aber: "Die Energie ist unterschiedlich. In Israel ist sie intensiver, in Europa hingegen lebendiger." Die Kunstschaffenden selbst wiederum seien sich auch in verschiedenen Ländern in ihrer Wesensart sehr ähnlich.

Seit einigen Monaten lebt Amit Goffer jetzt bereits in Düsseldorf. Die Liebe brachte ihn her, aber auch die Arbeit. So nahm er bereits an Ausstellungen im Kunstpalast teil sowie in Solingen und studierte an der Kunstakademie bei Rita McBride und Richard Deacon. Zurzeit hat er ein DAAD-Stipendium. Sein Deutsch ist zwar noch ausbaufähig, aber er arbeitet daran. Es gefalle ihm nämlich in Düsseldorf und er wolle jetzt hier bleiben, sagt er. Immerhin habe der Untertitel der Solinger Ausstellung "Künstler der Region" gelautet. Seine Schlussfolgerung: "Also bin ich jetzt ein Künstler der Region."

(jup)
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