Benrath : Schüler quälen Schüler

Zwei Polizisten befragten zu den Vorfällen gestern die siebten Klassen der Benrather Realschule.

Sie ähneln sich, die vermeintlichen Spiele, mit deren Hilfe Schüler Mitschüler quälen. Vergangene Woche erstattet die Mutter eines Zwölfjährigen bei der Polizei Anzeige wegen Körperverletzung gegen unbekannt. Eine Lehrerin der Benrather Realschule hatte die Eltern über einige Vorkommnisse in der Jahrgangsstufe sieben unterrichtet.

Die Kinder wählten per Liste einen von ihnen, der am betreffenden Tag "gespreizt" werden sollte. Darunter ist Folgendes zu verstehen: In der Pause soll der Schüler mit den meisten Stimmen gefangen und festgehalten werden. Anschließend soll das Opfer gegen einen Baum oder eine Metallstange geschleudert werden. Das Ganze wurde per Handyvideo aufgenommen und der Film bei Facebook eingestellt werden. Die Aufnahmen sollen nach Informationen unserer Zeitung bereits gelöscht sein, nachdem die Schulleitung von den Vorfällen erfuhr. "Es ist uns ganz wichtig, dass das alles geklärt wird", sagte Schulleiter Raimund Millard im RP-Gespräch.

Schule wird Konsequenzen ziehen

Gestern hielten sich den ganzen Schultag zwei Polizeibeamte in der Schule auf, eine Beamtin des Kommissariats Jugendkriminalität (KK 36) und ein Bezirksbeamter der Dienststelle Benrath, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Beide hätten die Kinder gestern angehört und deren Aussagen protokolliert. Das Verfahren gehe nun standardmäßig zur Staatsanwaltschaft, die das Verfahren einstellen werde, weil die Täter alle unter 14 und damit strafunmündig seien. Allerdings würden die Einträge registriert, für den Fall, dass die Jugendlichen später noch einmal auffällig werden. "Wir hoffen aber, dass das damit erledigt ist", unterstrich der Polizeisprecher.

Für die Schule sind diese Vorkommnisse damit aber bei weitem nicht erledigt, kündigte Millard Konsequenzen an. "Wer auf unsere Schule geht, muss eine Schulvereinbarung unterzeichnen. In dieser sind unsere Regeln aufgelistet, unter anderem diese, dass der Unterzeichner auf Gewalt verzichtet." Nun soll geprüft werden, wie die Schule mit dem Regelverstoß der betroffenen Schüler umgehen werde.

Antiaggressionstraining

Immerhin geht die Polizei davon aus, dass es sich bei den Taten um "nicht vollendete Körperverletzungsdelikte" gehandelt habe. Doch trotzdem ist bereits mit dem Versuch die Toleranzschwelle des Schulleiters überschritten: "Wir schreiben bei uns Gewaltprävention groß", verweist Millard darauf, dass in den Klassen fünf und sechs jede Woche eine Schulstunde das Unterrichtsfach "Soziales Lernen" auf dem Stundenplan stehe, in der Klasse 7 gehe es mit Präventionstrainings weiter. Erste Maßnahme: Die betroffenen Schüler der Jahrgangsstufe werden jetzt alle umgehend in ein Antiaggressionstraining geschickt. "Das Umgehen mit der Mobbingthematik ist uns als Schule ganz wichtig." Immerhin hat auch die Realschule Benrath – wie alle Realschulen in Düsseldorf – einen eigenen Schulsozialarbeiter.

(RP/ila)