Bilk: Satiren über Irrwitz des Alltags

Bilk : Satiren über Irrwitz des Alltags

Jan Cornelius ist ein aufmerksamer Beobachter seiner Umwelt und seiner Mitmenschen. Er amüsiert sich über mit Autos überfüllte Städte, ärgert sich über so genannte ewige Studenten, und ist fassungslos über die Jugend, die weder Bücher lesen könne noch in der Lage sei, eine Kurznachricht zu schreiben. "Das ist der alltägliche Wahnsinn des Lebens", sagt er. Der Düsseldorfer setzte sich in sein Arbeitszimmer seiner Bilker Wohnung, schaltete den Computer ein und schrieb seine Erlebnisse als Satiren nieder. Gut 50 Geschichten tippte er und fasste sie zu dem Buch "Über Google, Gott und die Welt" zusammen. Sein Werk stellt er demnächst im Theater an der Luegallee vor.

Wie der Buchtitel schon zeigt, hat sich Cornelius vor allem mit dem Internet beschäftigt. In seiner Geschichte "E-Mails nach dem Urlaub" etwa schreibt er, er bekäme etwa alle 30 Sekunden eine E-Mail. Alle habe er beantwortet, sogar die Spam-Mails. Damit sei ein ganzer Arbeitstag draufgegangen, und als er endlich Feierabend hatte, besuchte er seine Freunde – via Facebook. Spätestens seit diesem Tag weiß der Schriftsteller, dass dieses Medium mit Vorsicht zu genießen ist. "Der Mensch ist nicht dafür gemacht, ein Sklave der Technik zu werden", sagt er.

Probleme mit und ohne Internet

Andere Satiren seines Buches zeigen die Tücken des Lebens ganz ohne Laptop und Mobiltelefon. Cornelius, der in Rumänien mit Nobelpreisträgerin Hertha Müller studierte, berichtet von absurden Reklamationen nach Urlaubsreisen ("Am Strand lagen überall Kieselsteine herum!"), vom Älterwerden ("Bio-Nahrung muss ich vermeiden. Ich brauche jetzt alle Konservierungsstoffe, die ich kriegen kann") und Fitnesswahn ("Ich habe auch schon jetzt den Traumkörper eines Spitzenathleten, wenn man nur vom Wabbelspeck absieht").

Dass er solche kuriosen Alltagsgeschichten ebenfalls in seinem "Google"-Buch veröffentlicht, sei ihm wichtig, betont er. "Mein Buch ist keine Abrechnung mit Google, sondern mit uns selbst und die Art und Weise, wie wir uns manchmal behandeln lassen." Er wolle den Menschen einen Spiegel vorhalten, damit sie merken, dass sie nicht nur über die Geschichten anderer Leute lachen, sondern im Grunde über sich selbst. Ändern könne er die Menschen mit seinen Texten und Büchern sowieso nicht, räumt er ein. "Ich kann nur Denkanstöße geben."

Jan Cornelius schreibt seine Geschichten in seinem kleinen Büro seiner Wohnung an der Sternwartstraße. Oft besucht er Schulen und spricht mit Jugendlichen über seine Texte. Zurzeit bereitet er eine Buchvorstellung im Theater an der Luegallee vor. Wann diese Lesung genau sei, und ob die Teilnahme etwas kostet, das wisse er nicht auswendig. Aber es gibt ja Google. Der Schriftsteller tippt fix die Wörter "Luegallee" und "Jan Cornelius" in die Suchmaschine ein, und schon zeigt der Bildschirm die nötigen Informationen: Die Lesung ist am Mittwoch, 28. September. Wie gut, dass es die Internet-Suchmaschine gibt.

(lod)
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