Pempelfort: Rundgang mit Überraschung

Pempelfort: Rundgang mit Überraschung

Die Kunsthistorikerin Inge Zacher führte eine Gruppe von Senioren zu den Gräbern der Mitglieder der Düsseldorfer Malerschule auf dem Golzheimer Friedhof. Und kam plötzlich mit einer Nachfahrin eines Künstlers ins Gespräch.

Was als Rundgang in Sachen Düsseldorfer Kunstgeschichte begann, entwickelte sich dieser Tage unversehens zu einer spontanen Begegnung – und lieferte zugleich den Beweis, dass diese Geschichte bis heute fortdauert. Eine Gruppe kunstinteressierter Besucher des Zentrums plus Derendorf-Golzheim machte sich unter Führung der Historikerin Inge Zacher auf, um die Gräber mehrerer Künstler der Düsseldorfer Malerschule auf dem Golzheimer Friedhof zu besuchen. Zacher ist Expertin, was das historische Gräberfeld in Pempelfort anbelangt, sie hat bereits mehrfach dazu veröffentlicht. Und die Grabmäler der Mitglieder der Düsseldorfer Malerschule sind bekannt für ihre eindrucksvolle Gestaltung.

Eine der weniger bekannten Persönlichkeiten dieser Künstlerrunde ist der junge Pole Ludvik Milewski, der in den 40er-Jahren des 19\. Jahrhunderts an die Düsseldorfer Kunstakademie kam und hier ein tragisches Ende nahm: Er wurde 1849 bei Barikkadenkämpfen in der Stadt von preußischen Militärs erschossen und anschließend von seiner begüterten polnischen Familie auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt.

"Der Maler Milewski ist ein unmittelbarer Vorfahre von mir", tönte es nach den Erläuterungen von Inge Zacher plötzlich aus der Runde. Eine ältere Passantin hatte sich der Gruppe angeschlossen und berichtete Verblüffendes: "Ich bin ebenfalls eine geborene Milewski und Nachkomme dieses Malers. Mein Vater sah ihm sogar sehr ähnlich, denn es gibt ja ein Gemälde von Milewski auf dem Totenbett. Aber mehr weiß ich auch nicht", berichtete Josephine Krüsselmann, geborene Milewski. Nähere Details über ihren Vorfahren konnte sie an diesem Nachmittag zwar auch nicht erfahren, doch will die 75-Jährige jetzt Rat beim Kunstmuseum und der Geschichtswerkstatt einholen. Dennoch war die Freude der Umstehenden groß, so plötzlich einen lebendigen Bezug zu ihrer historischen Führung zu erhalten.

Diese Führung hatte Inge Zacher zunächst beim Atelierhaus begonnen, der Weg führte dann entlang der Ruhe- beziehungsweise Gedenkstätten unter anderem des Malers August Weber zu Wilhelm von Schadow, Gründer der Düsseldorfer Malerschule, sowie seiner Frau Charlotte, bis zu Alfred Rethel, Johann Peter Hasenclever und Caspar Scheuren. Am Ende wurde noch Station bei dem Begründer der ehemaligen Bilker Sternwarte, Johann Friedrich Benzenberg, gemacht.

  • Mein Laden : Bombenstimmung bei der Zuckerschlacht
  • Holthausen : Die Weihnachtswichtel von Henkel

Freien Blick auf den Rhein

Der Golzheimer Friedhof, so erfuhren die Teilnehmer unter anderem, lag übrigens zu seiner Entstehung 1804 auf einer Art Halbinsel neben einem toten Rheinarm. Von dort hatte man damals freien Blick auf den Fluss. Nach und nach wurde die von dem Landschaftsarchitekten Maximilian F. Weyhe geschaffene Gräberstätte, die bereits 1897 wieder aufgegeben wurde, allerdings zugebaut, zuletzt von der Ergo-Versicherung auf der Seite zur Kaiserstraße hin. Der schlimmste Einschnitt für das Gelände war jedoch der Bau der Klever Straße 1905, was den Friedhof in zwei Teile zerschnitt. Eine Familie, deren Grabstätte inmitten der neuen Straße lag, weigerte sich, dieses aufzugeben und zog sogar vor Gericht – ohne Erfolg. Dass der Friedhof erhalten blieb und heute eine wichtige grüne Oase in der City ist, liegt an der Tatsache, dass die Grabstätten der begüterten Familien auf dem Gelände Erbbegräbnisse waren und nicht einfach überbaut werden durften. Dennoch gab es Eingriffe und Raubbau an etlichen Gräbern: Metallumzäunungen wurden abgetragen, viele Teile wie Marmorkreuze geraubt.

"Als Kind führte mich mein Schulweg immer über den Golzheimer Friedhof", berichtete eine Teilnehmerin des Rundgangs. "Da habe ich miterlebt, wie eines der Gräber geöffnet wurde. Warum, das weiß ich nicht. Aber damals habe ich das erste Mal einen menschlichen Schädel gesehen. Das hat mich tief beeindruckt."

(RP)
Mehr von RP ONLINE