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Düsseldorf: Viel Kokolores im ausverkauften Bürgerhaus Reisholz

Düsseldorf-Reisholz : Viel Kokolores im ausverkauften Bürgerhaus

Das MundArt Kabarett brachte Dönekes aus dem Alltag auf die Bühne. Monika Voss animierte das Publikum zum Singen.

Der Begriff  „Kokolores“ ist sicher selbst Zugezogenen im Rheinland geläufig als gleichbedeutend mit „Unsinn“ oder „Unfug“. In Kombination mit der Bezeichnung „Platt“ heißt es nichts anderes als „unverblümter Unsinn“. Nichts anderes verzapften Düsseldorfer Mundart-Künstler am Sonntagmittag im vollbesetzten Bürgerhaus Reisholz zur Freude zahlreicher Gäste. Seit 2006 steht das „Mundart-Festival em Börjerhus Reisholz“ regelmäßig im Kalender. Monika Voss, Mitwirkende des Schnibbeltheaters, Dat Düsseldorfer MundArt Kabarett mit Anne Wesendonk und Christine Schreiber und – nicht zuletzt – Thomas Mühlenbein brachten Dönekes aus ihrem eigenen und dem heimatlichen Leben auf die Bühne.

„Selbst de fiese Möpp kann en Sympathikum werde, wenn de singe tät“, verkündet Monika Voss bei ihrem „Verzällen“ über die positiven Seiten des Gesangs. Wenn sie in ihrem Düsseldorfer Rheinisch die Sonne bei Capri im Meer versinken lässt, klingt das unwiderstehlich. Kein Wunder, dass sich das Publikum spontan und begeistert zu einem Chor findet. Als nächstes nimmt sie Strunzköpp und das Parkdesaster auf der Kö samt Armani-Anzug und „Suff“ – gemeint ist die Fahrzeuggattung SUV – so lebendig ins Visier, dass die Szene zum Panoptikum wird. Hinter ihr, im Bühnenbild, hängt ein sinniges  Schild: „Keine Tasse, nur Kännchen“ – so viel zum Kaffee. Der Sketch des Schnibbeltehaters entwickelt sich  zum Kuriosum.  Kellner und Gast streiten  um eine Tasse, die es nicht gibt, obwohl sie auf dem Serviertablett steht. Der nächste Verzweiflungsakt spielt an einer „Theaterkasse“. „Gut, zwei Karten für Tristan und Isolde“, sagt der Verkäufer. „Wat, die solln  se sich selber kaufen“, entrüstet sich sein Gegenüber. Oder: „Die Plätze auf dem Parkett“. „Wat, wir solln auf de Ääd sitze.“ Die Situationskomik ist hanebüchen ebenso wie unsere Sprache, wenn sie wörtlich genommen wird.

Zwischendurch greift Thomas Mühlenbein zur Gitarre, er hat „De Rente durch“, schwärmt von Kappeshamm und nimmt die „Grafenberger Pängsion“ aufs Korn. Wenn Christine Schreiber in die Saiten greift und mit Anne Wesendonk „platt“ singt, erzählen sie  sympathische und persönliche Lebens- und Alltagsgeschichten. Von der Reise des Kirchenchores nach Padua zu „de Heelige Tünnemann“(Sankt Antonius), von de Düsseldorfer Ströpkes, de strunzende Mütter und von Möppie „de Hunk“. Dem Malheur „op de Kopp gefalle“ widmen sie mehrere Strophen. Ob Anne Wesendonk oder der Armani-Träger mit Laptop in die Pfütze fallen oder ein englischsprachiger Tourist „opp de Kopp fällt“ – das klingt jedes Mal anders – zumal auf „Platt“.

Ursula Schwenke und Ursula Klingsporn lassen sich regelmäßig von Kokolores verzaubern. „Wir verstehen alles, aber selber können wir nur ein bisschen Platt sprechen“, stellen sie unisono fest. Monika Sonnenberg kennt Mundart ansonsten nur von ihren Großeltern. „Ich bin heute zum ersten Mal hier und finde es toll, Mundart zu hören, auch wenn ich das nicht gewohnt bin“, erklärt die Hellerhoferin. „Gott sei Dank hört man so etwas noch“, freut sie sich über die zweistündige amüsante „Lehrstunde“ zur heimischen Mundart. Und die hatte wieder einmal alles parat, sie kam mal krachend deftig daher, mal leise und poetisch, mal musikalisch, mal wortreich.  Natürlich durfte eine Hommage an die Heimatstadt von Anne Wesendonk und Christine Schreiber nicht fehlen. Die Gäste danken für den facettenreichen Mundart-Ausflug in das Düsseldorfer Leben mit heftigem Applaus.