Ausstellung in Düsseldorf Kunst zum Lachen und Nachdenken

Düsseldorf · Cartoons und andere Kunstwerke aus dem humoristischen Bereich findet man in Ausstellungen eher selten. Die Galereie Töchter & Söhne widmet dem Genre nun eine eigene Schau.

 Bettina Schipping, Thomas Couné und Karin Mihm (v.l.) zeigen in der Galerie Töchter & Söhne im Reisholzer Hafen komische Kunstwerke.

Bettina Schipping, Thomas Couné und Karin Mihm (v.l.) zeigen in der Galerie Töchter & Söhne im Reisholzer Hafen komische Kunstwerke.

Foto: Döring, Olaf (od)

Darf Kunst komisch sein, und wenn ja, geht die Komik dann zu Lasten ihrer Ernsthaftigkeit? Erhellendes zu dieser Frage liefert die Ausstellung „Komische Kunst“, die unter großer Publikumsresonanz in der Galerie „Töchter & Söhne“ im Reisholzer Hafen eröffnet wurde.

Noch ist die Komische Kunst primär in Printmedien, wo sie überwiegend als Comic Strip ihre Fans erheitert, zu finden, und weniger im klassischen Ausstellungskanon der bildenden Kunst, wo sie als Subgenre der Pop-Art mit satirischem Witz durchaus in philosophische Tiefen der Selbsterkenntnis
vordringt. Mit ausgewählten Arbeiten, die zugleich unterschiedliche Typologien der Komischen Kunst repräsentieren, demonstrieren Samy Challah, Thomas Couné, Karin Mihm, Bettina Schipping  und Birte Strohmeyer, wie Bilder als Spiegel einer verzerrten Gesellschaft funktionieren.

Als persönliche Ermutigung und als Zeichen für das gestiegene Interesse an Komischer Kunst empfindet Multitalent Samy Challah, der an der Kunsthochschule für Medien in Köln und am Binger Filminstitut in Amsterdam studiert hat, die Möglichkeit, neben Veröffentlichungen in der Titanic sowie in der Taz und in Büchern wie „Scenes From a Writer`s Life“, nunmehr vermehrt seine Arbeiten auch in Ausstellungen zeigen zu können. Seine Bilder, die schon mal entfernt an Zeichnungen von Otto Dix erinnern, wirken nachhaltig. So zeigt „Niemand spielt Zähne so gut wie Alfonso Dentale“, einen Vibraphonisten, der mit seinen Schlägeln eine protzig blinkende Reihe von Schneidezähnen bearbeitet. Ein anderes Bild zeigt die Uniformität des Arbeitslebens. „Wie früher in Westernduellen, mit dem starren Blick auf den Gegner, blicken wir heute auf Computer-Monitore“, sagt der 43-jährige Essener, der damit durchaus auch den eigenen Medienkonsum kritisch hinterfragt.

Bekannt für seine drastischen Ansichten, verpackt in tiefschwarzen Humor, ist Thomas Couné, der bereits mehrfach in der Galerie „Töchter & Söhne“, aber  auch bei der renommierten Caricatura Kassel ausgestellt hat. Auf „Deutschland trotzt der Dürre“ handelt er Klimakatastrophe, Wasserknappheit und die Problematik von Kunstdünger in kunstvollen Pinselstrichen ab. Auf einem sonnenbeschienenen Feld überlassen hockende Frauen, stehende Männer und ein Hund kollektiv ihren Urin der darbenden Ackerkrume. Dabei legt Couné besonderen Wert auf Atmosphärisches wie die Hitze, die förmlich spürbar wird, sowie malerische Details, etwa eine Handtasche, die als wichtiges Accessoire jeder modebewussten Frau im optimalen Abstand zu ihrer pinkelnden Besitzerin postiert ist.

Karin Mihm ist Spezialistin für klassische Comic Strips und Erfinderin des Wuschelhunds Motte, den es nach „Wolkendecke“ und „Schneedecke“ folgerichtig zur „Bettdecke“ zieht. „Hier könnte ihr Name stehen“, eine tätowierte Single Frau verweist bei Bettina Schipping auf eine freie Stelle auf ihrem Oberarm. Während Loriot für seine Knollennasen bekannt war, setzt Birte Strohmeyer auf Langnasen. „Ich ändere für dich nicht meine Gewohnheiten, nur weil du jetzt in Rente bist“, eröffnet eine Frau, die mit zwei Gläsern Sekt und in Dessous zur Tür eilt, weil der Briefträger geklingelt, ihrem Zeitung lesenden Gatten.

Geöffnet Die Ausstellung ist bis 20. August mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags jeweils  von 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0173-5230540 zu sehen.

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