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Düsseldorf: Eine Karnevalssession ohne Höhepunkte

Quatschkopp Melanie Meurer bleibt eine weitere Session im Amt : Eine Karnevalssession ohne Höhepunkte

Die Reisholzer Quatschköpp müssen im neuen Jahr schon wieder aus ihrer eben erst bezogenen Wagenhalle ausziehen. Die IDR hatte die lange Zeit leerstehende Gewerbeimmobilie plötzlich vermieten können.

Das wird ein Novum: Wenn die Karnevalssession 2022 mit dem Aschermittwoch beendet werden wird, dann wird Melanie Meurer die Karnevalsgesellschaft Reisholzer Quatschköpp im dritten Jahr hintereinander repräsentiert haben. Aber nicht etwa, weil dem Verein nichts Neues mehr einfällt oder den Posten als närrisches Oberhaupt des Karnevalsvereins niemand übernehmen möchte, sondern weil es in der Amtszeit von Melanie Meurer gleich mehrere nicht zu planende Einschränkungen gab. Die erste ist noch aus der Session 2019/2020. Da verlief die jecke Zeit eigentlich ganz normal, bis auf den Karnevalssonntag, an dem wegen eines Sturmtiefs alle Veedelszüge, und damit auch jener durch Hassels und Reisholz, abgesagt werden mussten. Der toll gestaltete Mottowagen von Quatschkopp Melanie Meurer musste im Depot bleiben.

Noch am gleichen Abend war allen klar, dass Melanie Meurer eine zweite Chance bekommen sollte und ihre Amtszeit um ein Jahr verlängert wird. Doch die fiel und fällt ja wegen Corona komplett ins Wasser. Quatschkopp-Präsident Thomas Krohnen: „Wir haben ebenso wie das Festkomittee Düsseldorfer Carneval alle Veranstaltungen für den Rest der Session abgesagt.“

Damit kann Meurers Wagen schon wieder nicht durch die Straßen in Reisholz und Hassels ziehen. Und weil ja ein Sprichwort heißt, aller guten Dinge sind drei, lag die Lösung nah: Meurer verlängert um ein weiteres Jahr. Das hat es bei den Quatschköppen, die sich 1982 gründeten, noch nie gegeben. Ein Quatschkopp hatte es schon zweimal in die Ahnengalerie geschafft. In den Sessionen 1990/91 und 1991/92 war das Karl „Kalli“ Knopp. Wegen des Golfkriegs fiel der Rosenmontagszug 1991 aus. Knopps Amtszeit wurde um ein Jahr verlängert.

Noch hat den Amtsnachfolger von Albert Brüntrup als Quatschköpp-Präsident das Karnevalsfieber nicht gepackt, obwohl seine Frau Claudia inzwischen den Vereinsvorsitz übernommen hat und die beiden die jecke Doppelspitze bilden. „Das geht bei uns normalerweise so Anfang Januar los, also eigentlich jetzt.“ Doch auch das wird in diesem Jahr anders. „Im November 2020 haben wir gedacht, dass wir vielleicht eine Open-Air-Matinee veranstalten können. Aber spätestens, als der zweite Lockdown kam, war uns allen klar, dass wir keine Energie mehr in eine Veranstaltung stecken wollen, von der wir nicht wissen, ob wir sie guten Gewissens hätten durchführen können“, berichtet Thomas Krohnen.

Das Schöne am Karneval sei für ihn das gemeinsame Feiern, dazu gehöre einfach Nähe, etwa beim Singen und Schunkeln, sagt er. Alles das, was wegen der Pandemie aktuell nicht geht. Der Elferrat der Quatschköpp hofft nun, dass immerhin die nächste Session eine normale werden kann. „Wir haben für unsere Sitzungen der Session 2021/2022 so gut wie alle Künstler wieder engagieren können“, sagt Krohnen. Vielleicht, so sinniert er, würden einige Vereinsmitglieder an einer der geplanten virtuellen Karnevalsveranstaltungen teilnehmen. Aber dass er da so richtig in Stimmung kommt, das glaubt Krohnen nicht. Bei der Vorstellung des designierten Düsseldorfer Prinzenpaares im Autokino an der Messe waren auch die Quatschköpp mit einer größeren Abordnung dabei.

Durch die Pandemie habe der Elferrat, der 20 Frauen und Männer zählt, den Kontakt untereinander verloren, erzählt Thomas Krohnen. „Es gibt einige Mitglieder, mit denen ich mich regelmäßig austausche, aber nicht mit allen.“ Um das zu kompensieren sollen nun virtuelle Meetings durchgeführt werden.

Trotz der ins Wasser fallenden Session hat der Verein einen Ansteckpin und ein Jahresheft aufgelegt, beides hat Thomas Krohnen an die Mitglieder verteilt. Die Gastronomen aus den beiden Stadtteilen, in denen die Quatschköpp zu Hause sind, konnten in dem Heft eine kostenlose Anzeige schalten. Krohnen: „Als Dank für die langjährige Unterstützung.“

Unterstützung benötigt der Verein erneut bei der Suche nach einer Wagenhalle. Die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) hatte im vergangenen Jahr mit einem überdachten Abstellstandort in Hellerhof ausgeholfen, als die Quatschköpp aus der Vallourec-Halle ausziehen mussten. Doch jetzt ist die Immobilie nach jahrelangem Leerstand neu vermietet. Neben den Quatschköpp mit ihren beiden Karnevalswagen verlieren damit auch die Räbbelche aus Holthausen schon in den nächsten Wochen ihre Unterstellmöglichkeit. „Zudem hatten da auch noch die Aufbauten von den Gruppen abgestellt werden können, die immer in unserem Veedelszug mitfahren“, sagt Thomas Krohnen und freut sich über Hinweise, wo die Karnevalisten eine neue Unetrstellmöglichkeit finden könnten.