Religion : Jetzt kommt der Imam in die Kita

Um die Akzeptanz zu verbessern, wird in der Kita Steubenstraße ein Imam die Religionspädagogik unterstützen.

Warum trägst du ein Kopftuch? Darf ich diese Süßigkeiten essen? Warum isst du kein Schweinefleisch? In seiner jahrzehntelangen Religionsarbeit sind Pfarrer Hartmut Wölk in der evangelischen Tageseinrichtung Steubenstraße unzählige dieser Fragen begegnet. Um Akzeptanz und Toleranz zwischen Islam und Christentum zu stärken, startet die Kita nun ein besonderes Projekt. Die Diakonie Düsseldorf wird gemeinsam mit dem Kreis der Düsseldorfer Muslime die evangelische Religionspädagogik durch Besuche eines Imams ergänzen.

„Ich habe immer versucht, den Islam so gut wie möglich zu erklären, aber mir fehlt natürlich das Hintergrundwissen“, erklärt Pfarrer Wölk. Knapp die Hälfte der 41 Kinder in der Kita sind muslimisch. Gerade bei gemeinsamen Essen und Festen tauchen daher viele Fragen auf, erklärt die Leiterin der Kita, Isabell Faßbender. Dabei stoße man oft an seine Wissensgrenzen.

Im Zuge der Zusammenarbeit wollen die Tageseinrichtung und der Kreis der Muslime daher den meist sehr lebenspraktischen Fragen der Kinder Antwort geben. So wird ein Imam in regelmäßigen Abständen die Kinder der Kita besuchen und ihnen wichtige Feste, Symbole und Bräuche der Muslime näher bringen. Bilderbücher über den Islam gibt es in der Kita neben der Bibel und dem Kreuz schon seit Längerem. „Neu werden ein Gebetsteppich und eine Gebetskette sein“, erklärt Faßbender. Angedacht ist auch, gemeinsame Feste zu feiern. „Die Verabschiedung der älteren Kinder und das Sommerfest werden der Imam und ich voraussichtlich gemeinsam begleiten“, freut sich Wölk auf Unterstützung.

Mit dem Projekt solle keine Religion gelehrt werden, sondern nur plastischer und verständlicher werden, so Wölk. In gar keinem Fall wolle man Religionserziehung betreiben, sagt Dalinc Dereköy, Vorsitzender des Kreises der Düsseldorfer Muslime. „Wir wollen die gegenseitige Akzeptanz erhöhen, indem wir Gemeinsamkeiten herausstellen und Unterschiede erklären“, so Dereköy. „Die Kinder sollen lernen, sich zu akzeptieren.“ Der erste Besuch des Imam ist im April zum Beginn des Ramadan geplant.

Von der Elternschaft, die bereits im Voraus eingebunden wurde, sei das Projekt durchweg positiv aufgenommen worden, berichtet Faßbender. Um den Informationsfluss zwischen Eltern und den Religionsvertretern zu erleichtern, seien in Zukunft auch gemeinsame Elterncafés denkbar. Begleitet wird das Projekt außerdem von einem christlich-muslimischen Beirat, dem auch Eltern angehören. Die Einbindung der Eltern sei sehr wichtig, „schließlich gibt es natürlich auch Ängste, da es das erste derartige Kooperationsprojekt ist“, erklärt Wölk. Auch der evangelische Kirchenkreis habe dem Projekt ausdrücklich zugestimmt.

Die Einbindung sei ein großer Vertrauensbeweis, findet Dereköy. Durch den Austausch könne ein Zeichen gegen Vorbehalte gesetzt und die Beziehung vertieft werden, ist er sich sicher. Auch Wölk ist überzeugt: „Die Kinder sollen sich mit beiden Religionen auseinandersetzen, um gegenseitig Rücksicht zu erlernen.“ So könnte es auf viele bisher nur knapp beantwortete Fragen in der Kita Steubenstraße in Zukunft eine bessere Antwort geben.

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