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Rath: Seit 90 Jahren im Einsatz für Leseratten

Rath : Seit 90 Jahren im Einsatz für Leseratten

Von Anfang an war die Zweigstelle der Stadtbücherei in Rath bei der Bevölkerung sehr beliebt. Auch unter widrigen Umständen wurde deshalb der Betrieb aufrechterhalten.

Im nächsten Jahr feiert die Zweigstelle der Stadtbücherei in Rath ihr 90-jähriges Bestehen und kann dann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Gründung damals ist mühsam verlaufen. Rund zehn Jahre waren mit dem Aufbau und der Planung der Einrichtung vergangen, bevor t das erste Werk entliehen werden konnte. Und das auch nicht am ursprünglich dafür vorgesehenen Ort.

Denn eigentlich sollte die Bibliothek eigene Räume in der Schule am Rather Kreuzweg erhalten. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte dieses Vorhaben und nach dem Krieg war die Schule durch französische Truppen besetzt. Um nicht völlig die Pläne für eine Bücherei aufgeben zu müssen, wurden in der Hausmeisterwohnung im früheren Rather Rathaus am Rather Markt Räume zur Verfügung gestellt.

"Von Anfang an hat die Rather Bevölkerung die Errichtung der Bücherei begrüßt und die neue Einrichtung trotz wenig zentraler Lage gut besucht", heißt es in der Chronik zum 50-Jährigen Bestehen der Zweigstelle. Damals wies die Bücherei einen Bestand von 8000 Werken auf und wurde von der im Stadtteil angesiedelten Großindustrie unterstützt, die deshalb auf eigene Werksbüchereien verzichtete.

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1925 konnte die Einrichtung dann endlich an den Rather Kreuzweg umsiedeln. Damals war es üblich, die Bücher nur über Kataloge auszuwählen. Die Bibliothekarin suchte dann die Werke aus einem Magazin heraus, die mit nach Hause genommen werden durften oder oft auch nur im Lesesaal verschlungen wurden. Dieser diente auch als Veranstaltungsraum und, heutigen Veranstaltungen nicht unähnlich, zur Leseförderung. So gab es gut besuchte Kinder-Lesenachmittage. "Zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit wurde die Bücherei außerordentlich stark benutzt. In diesen Jahren entwickelte sie sich zur größten Ausleihbücherei neben der Bücherei Stadtmitte", berichtet die Chronik. Damals standen die Leser oft bis auf die Straße an.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Räume schwer beschädigt. Der Ausleihbetrieb wurde dennoch teilweise und auch an anderen Orten fortgesetzt. "Für uns Lehrer war die Bücherei eine wichtige Einrichtung. Wir konnten Schüler dorthin schicken, um ihre Lesefähigkeit zu fördern. Ich kann mich noch gut an das erste kleine türkische Mädchen erinnern, die sehr wissbegierig war und die ich deshalb der Bibliothekarin vorgestellt habe", sagt Hanne-Lore Brandenburg. Sie war seit 1952 Lehrerin am Rather Kreuzweg und später die Leiterin der dortigen Gemeinschaftsgrundschule.

Erst 1973 wurde das Ausleihsystem der Bücherei komplett umgestellt, die Besucher konnten nun selber die Bücher heraussuchen. 1986 zog die Bibliothek dann an den heutigen Standort, die Westfalenstraße 24 und war damals die erste Düsseldorfer Zweigstelle, die Videos auslieh. 2005 wurde die Zweigstelle grundsaniert und beherbergt heute ein kleines Lesecafé und über 26 000 Medien. Und diese sind nicht nur frei zugänglich, sondern werden inzwischen von den Kunden selber an einem Computer verbucht.

(RP)