Kreativ-Kurs im Rahter Familienzentrum

Freizeit: Matschen im Rather Familienzentrum

Bei einem Kreativkurs können die Kinder eigene Ideen umsetzen und ihre Umwelt so selber erfahren. Viele verschiedene Materialien können dabei ausprobiert werden. Und schmutzig machen darf man sich auch.

Stolz präsentiert der dreijährige Liam ein braunes Gemisch aus roter, gelber und blauer Farbe. „Gut gemacht“, antwortet seine Mutter Natalie Reinert. Anderswo würde er unter Umständen für sein Experiment gerügt, doch hier bekommt er für seinen Tatendrang Lob und Bestätigung. Denn in dem Kursus „Malen, Basteln, Matschen“ der Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung (ASG) gibt es weder richtig noch falsch. Statt starren Bastelanleitungen zu folgen, sollen sich die Kinder im Beisein ihrer Eltern ausprobieren.

Seit sieben Jahren wird der Eltern-Kind-Kursus in den Räumen des Rather Familienzentrums bereits angeboten. Wöchentlich treffen sich dabei Kinder ab drei Jahren mit ihren Müttern oder Vätern, um gemeinsam zu basteln. Ziel ist es, die Kinder selbstständig ihre Umwelt entdecken zu lassen. Das heißt, sich beim Herummatschen auch einmal dreckig zu machen. „Die Kinder machen dabei viele wertvolle haptische Erfahrungen“, sagt Monika Reckmann von der ASG. Während die meisten Alltagsgegenstände eine feste Funktion haben, wie beispielsweise ein Stift zum Schreiben oder ein Glas zum Trinken da ist, lassen sich Dinge wie beispielsweise Knete vielfältig und beliebig verwenden.

Im Gegensatz zum Schulunterricht, wo häufig beim Malen und Basteln ein bestimmtes Ergebnis erreicht werden soll, sind die Kinder des Kursus in ihrer Gestaltung frei. Zwar bereitet die Leiterin Angelika Radtke jede Woche einen Grundstock an Materialien vor und gibt Eltern und Kindern Ideen, doch wenn sich diese wie der knapp dreijährige Jad stattdessen dazu entscheiden, einen Stein auf dem Spielzeugherd in der Ecke des Raumes zu kochen, dann ist das nicht nur in Ordnung, sondern erwünscht. „Das Tun der Kinder ist das Wichtige, nicht das Endprodukt, das dabei am Ende herauskommt“, sagt Monika Reckmann. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass die Kinder in grenzenloser Anarchie herumtollen. Statt Unterricht heißt das prägende Stichwort Begleitung. Die Kinder bekommen Vorschläge und Ideen, die sie dann auf ihre Art und Weise umsetzen können. „Die Kinder prägen dadurch ihren eigenen Willen aus“, sagt Monika Reckmann. Und das ist auch ein Lernwille, denn die Kinder sind durchaus daran interessiert, eigene Werke zu basteln und zu malen.

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Die Rolle der Eltern in dem Prozess ist die eines passiven Begleiters. Sie unterstützen ihre Kinder, wenn es notwendig ist, aber halten sich dennoch im Hintergrund. „Viele Eltern sind überrascht zu sehen, was ihr Kind schon alles kann“, sagt Reckmann. Gleichzeitig ermöglicht die unverkrampfte Atmosphäre den Eltern, entspannt Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, was die Teilnehmer sehr schätzen. „Mir gefällt, dass es hier keinen Zwang gibt“, sagt Mareen Spoo. Bei anderen Angeboten ergebe sich oft schnell eine gewisse Erwartungshaltung, die die Teilnehmer unter Druck setze. Und auch ihrem Sohn gefällt das Basteln und Matschen, denn der dreijährige Linus ist bereits seit einem Jahr dabei und immer noch mit großem Tatendrang bei der Sache. Susan Ismaeel schätzt vor allem die vielfältigen Möglichkeiten, die der Kursus ihren beiden Kindern bietet. „Das könnten wir so zu Hause nicht umsetzen“, sagt sie. Denn nicht jeder hat den Platz und die Möglichkeiten, seine Kinder zu Hause herummatschen zu lassen. Das regelmäßige Experimentieren beeinflusst die Kinder auch außerhalb des Kurses. „Mein Sohn wollte unbedingt einen eigenen Basteltisch für zu Hause“, erzählt Natalie Reinert. Auch sie war sofort von dem Konzept überzeugt. Besonders gefallen ihr die vielfältigen Ideen und Angebote von Kursusleiterin Angelika Radtke.

Das erfolgreiche Konzept hat sich mittlerweile herumgesprochen, was auch einen Nachteil hat: Plätze in dem Kursus sind mitunter schwer zu ergattern, da die Teilnehmerzahl auf elf Elternteile begrenzt ist.

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