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Jugendverkehrsschule in Düsseldorf ist total veraltet

Jugendverkehrsschule in Rath : Schüler meiden die Jugendverkehrsschule

Der Platz am Rather Broich ist in einem schlechten Zustand: Theorieraum und Übungsplatz bieten keine optimalen Lernbedingungen. Ein Ortstermin.

Feiernde Schützen und lernende Schüler – das trifft in der Jugendverkehrsschule am Rather Broich gelegentlich aufeinander. Auf dem Platz des Bürgerschützenvereins Düsseldorf-Rath wurde 1989 ein Provisorium errichtet, da die eigentliche Jugendverkehrsschule in Wersten geschlossen werden musste. Seitdem werden Viertklässler und Schüler weiterführender Schulen mit Blick auf den Festsaal im Fahrrad- und Mofafahren unterrichtet. Eine Begehung macht deutlich: Der Übungsplatz im Freien hat schon deutlich bessere Zeiten erlebt.

Kaum zu übersehen ist das Gelände des Bürgerschützenvereins am Rather Broich. Eine weitläufige Fläche mit durchaus hübschen großen Bäumen und in der Mitte des Platzes vier Ampeln. Weiter hinten entdeckt man drei Container und zwei Garagen neben einem kleinen flachen Bau. Der eine ist mit bunten Graffiti geschmückt. Was wird hier denn gebaut?, fragt man sich unweigerlich. „Herzlich willkommen in der Jugendverkehrsschule“, sagt Simon Höhner von der Verkehrswacht und beginnt mit der Führung durch den Theorieraum. Besonders groß ist der Raum nicht, eine Schulklasse von bis zu 30 Kindern soll hier Platz finden, sagt Höhner. Tische gibt es nicht, sie seien für eine vernünftige Lernatmosphäre allerdings wichtig. „Wenn es eine große Klasse ist, müssen manche schon fast in der Toilette sitzen“, sagt Höhner.

 Wilhelm Mertins repariert seit 13 Jahren Fahrräder am Rather Broich.
Wilhelm Mertins repariert seit 13 Jahren Fahrräder am Rather Broich. Foto: Julia Schüßler
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Die Nähe zu den Sanitäranlagen erklärt auch den strengen Geruch, der einem in die Nase steigt – eine Mischung aus nassen Bierdeckeln und Toiletten eben. Dank eines Fensters in der Wand haben die Schüler auch einen perfekten Ausblick auf den Festsaal der Schützen, der wiederum den Geruch von nassen Bierdeckeln erklärt. „Die Theorie wird schnell durchgezogen, es riecht einfach zu streng. Das vermindert allerdings natürlich die Qualität“, erklärt Höhner.

Seit mehreren Jahren ist die marode Jugendverkehrsschule ein Thema, sagt Höhner. „Es wurden schon etliche Gespräche mit der Stadt und der Politik geführt.“ Denn die Schule ist ein Kooperationsprojekt aus mehreren Trägern: Laut Höhner gewährleistet die Stadt die Fläche und deren Unterhaltung, die Polizei stellt das Personal, um die Schulklassen zu unterrichten, und die Verkehrswacht sorgt für Fahrräder, Helme und entsprechende Unterrichtsmaterialien. „Sowohl die Radstation, die den Hausmeister beschäftigt, als auch die Polizei haben klar gemacht, dass es für sie bald nicht mehr tragbar ist, dort jemanden hinzuschicken“, sagt Höhner.

Der Hausmeister Wilhelm Mertins hat Büro und Werkstatt in einem der drei Container. Auch die Polizei ist, wenn sie unterrichtet, in dem Provisorium untergebracht. Fax und Telefon sind der einzige Kontakt zur Außenwelt, einen Internetanschluss und einen Computer gibt es nicht. Seit 2005 repariert Mertins am Rather Broich Fahrräder und Mofas für die Schüler der weiterführenden Schulen, denn einen Mofaführerschein kann man dort auch machen. „Ich würde mir wünschen, dass hier mal etwas Neues kommt. Wenn es besser aussehen würde, hätten die Kinder auch wieder mehr Interesse“, sagt der 65-Jährige. Vor 13 Jahren seien 18 Schulen für den Mofa-Führerschein dorthin gekommen, heute sei es nur noch die Hälfte.

Und schaut man sich den weitläufigen Platz einmal genauer an, weiß man auch, was Mertins meint: Der Asphalt ist marode, Markierungen bröckeln ab und ein Bürgersteig fehlt gänzlich. „Erwachsene können sich einen Bürgersteig vorstellen, für eine Übungssituation wäre es für Kinder einfacher, einen solchen Bürgersteig tatsächlich zu haben“, sagt Höhner. Die Verhältnisse in der Jugendverkehrsschule würden nicht mehr den aktuellen Standards entsprechen.

Er wisse nicht, an welcher Stelle es hakt. „Es wird einfach nicht an der richtigen Stelle vorgelegt“, sagt Höhner. „Ein Lernort ist aber einfach mehr als nur Asphalt.“ Und selbst der sei nicht „up to date“. Ein Ort des Lernens müsse anregen, und wenn er das nicht tue, „hat man verloren“. Besonders tragisch wäre es, wenn Polizei und Radstation irgendwann tatsächlich sagen würden, dass es so nicht mehr weitergehe. Deshalb müsse möglichst schnell eine Lösung gefunden werden. „Es geht hier nicht um ein Vereinsheim der Verkehrswacht, sondern um die Jugendverkehrsschule und die Radfahrausbildung in Klasse vier“, sagt Höhner.