Rath: Helmut-Gollwitzer-Haus hat sich in Rath etabliert

Rath : Helmut-Gollwitzer-Haus hat sich in Rath etabliert

Seit zehn Jahren gibt es an der Bochumer Straße das Helmut-Gollwitzer-Haus für Suchtkranke, die auch noch unter einer psychischen Erkrankung wie Depressionen oder Psychosen leiden. Als die Diakonie vor zwölf Jahren dafür die Pläne vorstellte, stieß sie bei den Rathern auf eine große Ablehnung. Im ohnehin belasteten Stadtteil wolle man nicht eine weitere problematische Einrichtung, wurde angeführt. Von diesen Vorbehalten ist heute nichts mehr geblieben. Das Haus und seine Bewohner werden kaum, und dann auch nicht negativ, wahrgenommen. "In der Regel leben hier eher zurückgezogene Menschen, die eine schwierige Lebensgeschichte zum Beispiel mit einer Alkoholsucht und einer psychischen Erkrankung hinter sich haben", sagt Sieglinde Wohlleben, die die Einrichtung leitet.

Dazu gehört beispielsweise Florian, der seit September 2016 in Rath wohnt. "Als ich hier ankam, war ich ein Wrack. Ich hatte gerade den Entzug hinter mir und suchte dringend ein Dach über dem Kopf", sagt der 34-Jährige. Wer heute den gepflegten und gesund aussehenden Mann sieht, der sogar in einer Staffel am Düsseldorf Marathon erfolgreich mitgelaufen ist, mag das kaum glauben. Dennoch hat Florian noch einen weiten Weg vor sich, bevor er den nächsten Schritt - in einer ambulant betreuten Wohngruppe zu leben - wagen wird.

Die Prognosen sind dafür aber positiv. Zwei Drittel der 112 Bewohner, die in den letzten Jahren das Helmut-Gollwitzer-Haus verlassen haben, schaffen mit viel Hilfe diesen nächsten Schritt in Richtung Selbstständigkeit zu gehen, nachdem sie vielleicht Jahre dort gelebt haben. "Das ist angesichts der Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen, eine sehr gute Quote", sagt Wohlleben. Vorher müssen die Bewohner einen harten Weg auf sich nehmen. Sie arbeiten in Einzel- und Gruppengesprächen ihre Geschichten auf, lernen Strategien kennen, wie mit dem Suchtdruck umgegangen werden kann und trainieren, selbstständig den Alltag zu bewältigen. Dafür übernehmen sie Aufgaben, bereiten etwa Mahlzeiten zu oder führen Reparaturen durch.

"Diese tägliche Struktur empfinde ich nicht als Zwang, sondern als Angebot", sagt Florian. Er sei in dem Haus, das mit der Betreuung von chronischen Doppelerkrankungen einmalig in Düsseldorf ist, zur Ruhe gekommen und empfindet es als Sicherheit, dass es für seinen individuellen Weg keinen Zeitdruck gibt. "Ich versuche, Schritt für Schritt zu gehen."

(brab)
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