Eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Betreuungsbedarf

Wohnen : Eine Wohnung für Lea und ihre Freunde

Am Rather Kreuzweg wird ein Haus für eine besondere Wohngemeinschaft gebaut. Junge Menschen mit Behinderungen sollen dort einziehen und bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet werden.

Lea ist eine lebhafte junge Frau. Die 21-Jährige geht täglich zur Arbeit, trifft sich gerne mit ihren Freunden und wohnt noch zu Hause. Das soll sich aber bald ändern, denn Lea will mit ihren Freunden zusammenziehen. Aber einfach eine Wohnung anmieten und eine Wohngemeinschaft gründen, wie das andere Menschen in Leas Alter tun, ist nicht ohne Weiteres möglich, denn Lea und ihre Freunde haben das Down Syndrom, sind deshalb im Alltag auf Begleitung angewiesen.

„Ich habe vor zwei Jahren angefangen, nach einer Wohnform für meine Tochter zu suchen. Mir ist es ein Anliegen, dass meine Tochter selbstbestimmt und selbständig leben kann“, sagt Elke da Silva Barroca. Unabhängig davon kam zu dieser Zeit bei Leas Eltern die Frage auf, was mit einer Bauruine geschehen soll, die ihnen und ihrem Neffen Tobias Schiefer gehört. Dabei handelt es sich um die ehemalige Bäckerei Piscoping am Rather Kreuzweg, die im Krieg zerbombt wurde. Nur das Erdgeschoss blieb verschont und wurde nach Aufgabe der Backstube1995 auf vielfältige Weise, etwa als Motorradwerkstatt und Atelier, genutzt.

„Um das Haus wieder aufzubauen, fehlte uns das eigene Kapital. So entstand die Idee, gefördert zu bauen und damit gleichzeitig das Wohnproblem für Lea zu lösen“, sagt Tobias Schiefer. Seit zwei Jahren wird nun das Projekt geplant und vor allen Dingen viel Papierkram erledigt. „Die Fördervorgaben sind recht kompliziert und deren Erfüllung nachzuweisen ist mit einem hohen Bürokratismus verbunden“, sagt Schiefer. Er lobt aber das Düsseldorfer Wohnungsamt, das sich sehr für die Umsetzung des Wohnprojektes engagieren würde.

Dieses soll bald ausgeschrieben werden. Der Bezug soll möglichst schon 2020 sein. Geplant ist, die Bauruine abzureißen und einen fünfgeschossigen Neubau mit neun behindertengerechten, 50 Quadratmeter großen Appartements mit Balkonen, Gemeinschaftsräumen und einer Betreuerwohnung zu errichten. „Jeder Bewohner wird mit uns einen eigenen Mietvertrag und mit der Hephata einen Betreuungsvertrag abschließen. Das ist eine evangelische, in der Behindertenarbeit tätige Stiftung“, sagt Schiefer.

Unterstützung werden die Bewohner immer benötigen, um selbständig ihr Leben zu meistern. Jeder Bewohner hat seine eigene abgeschlossene Wohnung, kann aber auch die Gemeinschaftsräume, die auch als Therapiezimmer dienen können, mitbenutzen. „Das ist wichtig, damit niemand vereinsamt.“ Bislang wollen vier Freunde von Lea mit einziehen. „Das war einer der Gründe für dieses Wohnprojekt. Für fünf Freunde gleichzeitig ist es wohl kaum möglich, eine Wohnung zu finden.“ Einmal im Monat treffen sich die zukünftigen Nachbarn, dann kommen auch andere Interessenten zum Kennenlernen dazu. Denn dass die Hausgemeinschaft sehr gut zusammenpasst, ist wichtig. „Wir gehen davon aus, dass die Mieter viele Jahre, beziehungsweise bis zu ihrem Lebensende wohnen bleiben werden.“

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