Rath/Gerresheim: Die Kröten sind unterwegs

Rath/Gerresheim: Die Kröten sind unterwegs

Wenn es im Frühjahr wärmer wird, wandern die Amphibien zu ihren Laichplätzen. Damit sie dabei nicht unter die Räder kommen, werden Straßen gesperrt und Fangzäune errichtet.

In der letzten Woche war es einfach zu kalt. Erdkröten, Frösche, Teichmolche und andere Amphibien haben deshalb ihre mühsame Wanderung zu ihren angestammten Laichgewässern unterbrochen und unter Laub, Baumstämmen und kleinen Erdlöchern wie Mäusehöhlen Schutz gesucht. Ein Hauch von Frühling ist so langsam zu spüren, die Temperaturen steigen an und die Tiere setzen gemächlich ihre Wanderung fort. Und die ist nicht ungefährlich, denn vielfach müssen dafür Straßen überquert werden. "Und wenn der Asphalt sich erwärmt hat, verharren die Kröten auch dort ausgerechnet noch gerne", sagt Roger Bähr, Leiter der Landschaftspflegestation Hexhof.

Seit 32 Jahren versucht die Stadt Düsseldorf durch Straßensperrungen, Hinweisschilder und Fangzäune die Tiere zu schützen. Bähr war dabei, als die ersten Zäune errichtet wurden. "Die engen Maschen damals ermöglichten aber Molchen das Hindernis zu überklettern und Frösche konnten darüber hüpfen. Heute bestehen die Zäune deshalb aus Folien und sind kniehoch", sagt Bähr. Mehrere 100 Meter lang sind die Zäune, die dort aufgebaut werden, wo Straßen nicht gesperrt werden können.

Alle zehn Meter sind daran Eimer eingegraben, in die die Tiere hineinfallen sollen. Jeden Morgen laufen Mitarbeiter des Hexhofes an den Zäunen entlang, um die so eingefangenen Amphibien einzusammeln und auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder auszusetzen, damit sie ihre Wanderung fortsetzen können.

Allein an den Fangzäunen Am Bauenhaus im Aaper Wald konnten seit 1987 jährlich zwischen 566 und 4617 Amphibien - davon ein Großteil Erdkröten - gerettet werden. In diesem Zusammenhang weist die Verwaltung darauf hin, dass Privatpersonen die Tiere nicht fangen oder ihren Laich mitnehmen dürfen. "Das sind Ordnungswidrigkeiten und kann mit Geldbußen geahndet werden", heißt es.

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Bis zu fünf Kilometer legen die Tiere auf ihrer Wanderung zurück. "Frösche hüpfen relativ schnell über die Fahrbahn, aber Kröten krabbeln nur langsam vorwärts und sind in der Dämmerung und in der Nacht nur schwer zu erkennen", sagt Bähr. Erschwerend kommt für die weiblichen Kröten hinzu, dass sich paarungswillige Männchen auf ihren Rücken festklammern, um die Braut nicht mehr zu verlieren.

Kröten sind zudem Gewohnheitstiere, beratungsresistent und auch ein bisschen stur, benutzen immer dieselben Wege, da sie das Gewässer aufsuchen, in dem sie selbst aufgewachsen sind. Bähr und sein Team versuchen aber, die Wanderrouten der Tiere auf ungefährliches Gebiet umzulenken. Dafür werden beispielsweise Teiche angelegt, für die die Kröten nicht die Straße überqueren müssen. Da Kröten aber in freier Natur bis zu zwölf Jahre alt werden, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die meisten Tiere umgestellt haben.

Die Amphibien setzen ihren Laich im Wasser flacher Teiche, Tümpel und Gräben ab. Nach einiger Zeit schlüpfen daraus kiemenatmende Kaulquappen, die bis zur Umwandlung im Wasser leben. Danach verlassen sie als Jungtiere ihre Geburtsstätte und führen im Sommer ein verborgenes Leben auf dem Land, wo sie sich von Insekten, Schnecken, Würmern und Spinnen ernähren. "Insgesamt können wir mit unserer Arbeit zufrieden sein, denn wir haben eine stabile Population in Düsseldorf erreicht", sagt Roger Bähr.

(brab)
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