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Die Geschichte der vier Kinos in Düsseldorf Rath.

Serie Kinos in den Stadtteilen : Als Rath noch vier Kinos hatte

Eine richtig lohnende Geschäftsidee waren sie nicht wirklich, wie die zahlreichen Pächterwechsel belegen.

Die Rather waren anscheinend sehr filmbegeistert. Jedenfalls begann die Kinogeschichte im Stadtteil schon 1913 und im Laufe der Zeit wurden in Rath insgesamt vier Kinos betrieben. Das erste Kino, die Rather Lichtspiele, wurde 1913, in einem Wohnhaus an der Ecke Rotdornstraße/Westfalenstraße eingerichtet und besaß 200 Plätze. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete vorerst den Kinobetrieb, der 1921 von einem neuen Pächter aufgenommen wurde. Mehrere Betreiber wechselten sich in den folgenden Jahren ab, was darauf hinweist, dass die Geschäfte durch die Nachkriegswirren nicht gut liefen. Ein weiteres Indiz dafür sind die zahlreichen, immer wieder von der Baupolizei beanstandeten Mängel. Diese wurden wohl nur provisorisch behoben, denn 1927 schloss die Baupolizei das Kino für einige Wochen, da die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet war, schreibt Sabine Lenk in ihrem Buch zur Kinogeschichte Düsseldorfs. Immer wieder standen danach die Projektoren still und im November 1936 kam es dann tatsächlich zu einem Unfall. Eine ein Quadratmeter große Platte fiel von der Decke und verletzte fünf Zuschauer, einen davon schwer. Neue Pächter haben dann wahrscheinlich alle Mängel behoben, denn bis 1942, als ein Bombenangriff das Wohnhaus und Kino völlig zerstörte, gab es keine weiteren Beanstandungen mehr.

Ein neues Kino wurde an der Rotdornstraße nicht mehr errichtet. Dafür wurde von der letzten Betreiberin, Martha Schmidt, 1946 ein Antrag für die Einrichtung eines Kinos an der Oberrather Straße 57 gestellt. Für die Stadtwald-Lichtspiele wurde der Tanzsaal der Gaststätte Nickel umgebaut und erhielt rund 500 Plätze. Schmidt kümmerte sich erst alleine und dann später mit Wilhelm Wöbel, der bereits die Pfalzlichtspiele in Kaiserswerth betrieb, um das Kino. Der Eintritt kostete in den 1950er Jahren auf den preiswertesten Plätzen 75 Pfennig, wie sich die Ratherin Inge Zinnenlauf erinnert. Sie verdiente sich als junges Mädchen ein Taschengeld, indem sie Socken stopfte. „Einen Film, ich weiß gar nicht mehr, welcher das war, wollte ich unbedingt sehen. Mir fehlten aber noch 15 Pfennig. Ich habe mir deshalb die Socken mit den kleinsten Löchern ausgesucht, so schnell wie möglich gearbeitet und bin dann zum Kino gerannt.“ Gesessen hat sie dann in der ersten Reihe. „Das waren die sogenannten Rasiersessel, da man den Kopf wie beim Rasieren weit in den Nacken legen musste.“

Im Laufe der Zeit übernehmen weitere Pächter das Kino. In den 1960er Jahren erhalten die Lichtspiele aber als Bezirkskino nur die Filme, die bereits in den großen Innenstadthäusern gelaufen waren. Das Publikum blieb, auch wegen der Konkurrenz durch das Fernsehen, immer mehr aus, so dass das Kino im Oktober 1966 schloss. Das Gebäude wurde zunächst in einen Supermarkt umgebaut, später waren dort andere Betriebe wie ein Markisengeschäft untergebracht. Letztes Jahr wurden der Komplex und die Gaststätte abgerissen. Dort wird zurzeit eine Baugrube für ein Mehrfamilienhaus ausgehoben.

In dem Jahr, als die Stadtwald-Lichtspiele aufgaben, wurde das Stern-Theater an der Westfalenstraße 88 nach sieben Jahren Spielpause eröffnet. An diesem Standort hatten bereits 1929 die Schauburg-Lichtspiele mit 490 Sitzen den Betrieb aufgenommen. Dafür wurde ein Tanzsaal umgebaut. 1944 wird das Kino durch Artilleriebeschuss leicht beschädigt und konnte erst 1947 wieder Gäste empfangen. Durch einen Pächterwechsel und Geldmangel ruhte der Filmbetrieb zwischen 1959 und 1966. Dann wird das Kino von Walter Camp übernommen. Dieser hatte bereits 1956 das vierte jemals in Rath existierende Kino, das Stern-Theater an der Ecke Münsterstraße/Rather Kreuzweg, mit mehr als 600 Sitzen errichtet und zehn Jahre lang betrieben. Als das Kino einem Supermarkt weichen musste, übernahm Camp das Kino an der Westfalenstraße, verkleinerte dieses und nannte es in Stern-Theater um. Der ehemalige Unterrather Roger Eisert wollte dort Ende der 1960er Jahre unbedingt „Spiel mir das Lied vom Tod“ sehen und schlich sich mit einem Freund über den Notausgang in den Filmsaal. „Der Film war für damalige Verhältnisse ziemlich brutal, und uns war gar nicht wohl in unserer Haut, aber wir hielten durch und konnten bei unseren Freunden damit ziemlich angeben.“ Auch beim Stern-Theater folgten viele Pächterwechsel, das dennoch erstaunlich lange bis 1985 durchhielt. Danach wurde ein Fitness-Studio eingerichtet, das zurzeit in einen Box-Club umgebaut wird.