Hassels : Qualität aus Hassels

Vossloh Kiepe ist Hersteller der neuen Wuppertaler Schwebebahn. Kaum jemand vermutet hinter dem Werk an der Bahnlinie ein international agierendes Unternehmen – dabei lieferte es schon 700 Trolleybusse nach Buenos Aires.

Die Straßenbahn in Lissabon, die Regionalbahn in den Niederlanden, Trolleybusse in Buenos Aires – fast überall auf der Welt steckt in den Straßen- und Schienenfahrzeugen die Technik der Firma Vossloh Kiepe. Einen seiner größten Aufträge hat das Unternehmen Ende 2011 erhalten: den Bau des neuesten Modells der Wuppertaler Schwebebahn. 122 Millionen Euro Volumen hat das Projekt. Und auch sonst spielt Vossloh Kiepe in der ersten Liga mit, aber ihre Bodenständigkeit hat sich die Firma bewahrt: Sie pflegt noch immer die Strukturen eines Familienbetriebes und ist seit rund 90 Jahren ihrem Standort in Hassels treu geblieben.

Die Schwebebahn ist Wuppertals Wahrzeichen und einmalig in der Welt. Schon am Bau der alten Hochbahn aus den 70er Jahren war Vossloh Kiepe beteiligt. Jetzt soll die Firma 31 Schwebebahnen liefern, die ab Mitte 2014 in Betrieb genommen werden. Von Hassels aus wird das Projekt koordiniert, auch alle elektrischen Komponenten entstehen dort. Die österreichische Firma Hai liefert den Kasten, vergleichbar mit einer Karosserie. Zusammengebaut werden alle Teile in einem Vossloh-Werk in Valencia. Die Schweißarbeiten sollen Mitte nächsten Jahres beginnen. Die letzten Wagen werden Ende 2015 ausgeliefert.

Unterstützung bei der Konstruktion erhält Vossloh Kiepe von den Ingenieuren der Firma Brose, die den Transrapid mit entwickelte. "Die Schwebebahn ist wie eine Straßenbahn, nur dass sie auf dem Kopf steht", sagt Vossloh-Geschäftsführer Oliver Völlinger. Das elektrische System und die Steuerungstechnik seien ähnlich, nur statt der Zugbelastung gelte es, die Druckbelastung zu beachten. Leer wiegt eine der 24 Meter langen Schwebebahnen 25,6 Tonnen. Sie bietet Platz für 132 Fahrgäste und erhält Panoramascheiben mit Ausblick. 25,6 Stundenkilometer beträgt die Reisegeschwindigkeit. "Sie würde aber auch 60 km/h schaffen", sagt Vize-Präsident und Konstrukteur Manfred Seibert. Die Steuerung betätigen die Hochbahnfahrer per Touchscreen, "das Bedienkonzept wird mit ihnen zusammen ausgetüftelt", sagt Völlinger. Wie das Interieur der Bahnen aussehen soll, wird in Abstimmung mit den Wuppertaler Stadtwerken erarbeitet. Geplant sind eine dynamische Fahrgastinformation sowie eine LED-Innenbeleuchtung.

Außerdem sollen die Bahnen leiser sein als ihre Vorgänger; und Energie, die beim Bremsen entsteht, wird wieder ins Netz zurückfließen, um Strom zu sparen. Angefangen hat der Spezialist für umweltfreundliche Antriebstechnologien 1906 mit einer kleinen Reparaturwerkstatt für Bogenlampen. Die teuren Vorläufer der Neonröhre setzte Theodor Kiepe in der Steinstraße wieder instand. Sechs Jahre später zog er an die Ellerstraße, bevor er sich 1922 an der Thorner Straße, dem heutigen Kiepe-Platz, ansiedelte. Zwei der ursprünglichen Gebäude im Industriegebiet stehen noch. In Gebäude 3 "hatte Theodor Kiepe im Erdgeschoss sein Büro, in der ersten Etage sein Wohnzimmer, und im zweiten Stock waren Schlaf- und Kinderzimmer", erzählt Produktionsleiter Karl-Heinz Dost. Seitdem ist der Standort gewachsen. Dost: "Wir haben das Glück, dass wir hier Platz zum Vergrößern haben." 550 Mitarbeiter sind im Werk beschäftigt. "Viele davon mit einer langen Zugehörigkeit", sagt Völlinger. Zwar ist Vossloh Kiepe seit 1973 nicht mehr in Familienbesitz, "hat aber immer noch die Strukturen eines Familienbetriebs." Ihre Zukunft sieht die Firma auch weiterhin im Süden. Völlinger: "Das Unternehmen ist mit der Region verwurzelt. Es gibt keinen Grund, hier wegzugehen."

(emy)
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