Oberkassel: Provozieren mit Bleistift und Tusche

Oberkassel: Provozieren mit Bleistift und Tusche

Bernd A. Skott äußert seine Meinung zu Politik und Wirtschaft durch Karikaturen. Unter dem Titel "Mit spitzer Feder" zeigt die Fiftyfifty-Galerie zurzeit 70 Werke des Oberkasseler Künstlers.

Wer eine Zeitung aufschlägt, kann in dieser nicht nur Artikel lesen und die passenden Fotos sehen. Auch Karikaturen gehören zur Tagespresse. Diese gezeichneten Bilder stellen gesellschaftliche Zustände dar, übertreiben diese dabei bewusst und verzerren charakteristische Züge einer Person. In der Fitftyfifty-Galerie sind zurzeit 70 Karikaturen zu sehen. Gezeichnet hat sie Berndt A. Skott.

Bis zu drei Karikaturen bringt Skott pro Tag zu Papier. Die Themen bekommt er von seinen Auftraggebern, den verschiedenen Zeitungsredaktionen. "Die Redakteure besprechen morgens bei Konferenzen, was am nächsten Tag in der Zeitung stehen wird", berichtet Skott. "Passend dazu brauchen sie Karikaturen, und dann mache ich mich an die Arbeit." Ob Sport, Kultur oder Wirtschaft – Skott muss sich schnell auf seine Aufgabe einstellen und den Hintergrund recherchieren. "Ich bin Generalist und im Geiste überall dort, wo sich etwas Interessantes und Wichtiges entwickeln kann", sagt er. Dass Politik ihm aber am wichtigsten ist, habe er schon als Jugendlicher gemerkt.

Skott wurde 1943 in Königsberg, Ostpreußen, geboren und zeigte schon früh sein Zeichentalent. "Mein Vater zog mir oft die Ohren lang, weil ich seine Bauzeichnungen bekritzelte", erzählt der heute 70-Jährige. Die Familie floh am Kriegsende nach Bayern. "In dieser unruhigen Zeit wurde mir klar, dass Politik nicht ganz unwichtig ist." Aber erst um 1990 machte Skott das Zeichnen zum Beruf. Zuvor hatte er als Maurer und in anderen Berufen gearbeitet, unter anderem mehrere Jahre in Griechenland. "Aber ich wollte mal etwas anderes machen – zum Beispiel Karikaturen zeichnen", sagt er gelassen. Er schickte sein erstes Werk an das Nachrichtenmagazin Newsweek. Skizziert hatte er einen serbischen Panzer, um dessen Kanonenrohr die Sterne der Europäischen Union flatterten. "Mir war klar, dass es auf dem Balkan kriselte und sich die EU nicht aus einem Krieg heraushalten würde." Nach der Veröffentlichung dieses Bildes meldeten sich andere Auftraggeber, und Skotts Karriere als Karikaturist nahm ihren Lauf. Nun lebt er als freiberuflicher Künstler in Oberkassel.

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Skott zeichnet erst mit Bleistift und Tusche, dann digitalisiert er die Bilder mit einem Scanner. Am Computer bekommen die Karikaturen teils noch Farben, anschließend schickt er die Bilder an die Redaktionen. Damit ist sein Arbeitstag manchmal nicht beendet. "Ab und zu lehnen die Zeitungen meine Arbeit ab, weil sie ihnen zu provokativ erscheint", sagt er. So sei eine Zeichnung von Angela Merkel, die als Domina in Südeuropa einmarschiert, zurückgewiesen worden, erzählt er.

Änderungen aber lehne er ab, er verzichte eher auf den Auftrag. "Eine Karikatur äußert eine Meinung – und zwar mein eigene", sagt er bestimmt. "Ich kann nicht die Vorstellungen anderer bedienen und bin nicht der verlängerte Pinsel eines Redakteurs."

Skotts Provokationen kommen gut an, auch wenn sie nicht in Zeitungen erscheinen. Die Ausstellung "Mit spitzer Feder" in der Fiftyfifty-Galerie stößt auf großes Interesse. "Die Vernissage war sensationell. In der Galerie waren selten so viele Besucher", sagt Hubert Ostendorf von Fiftyfifty. Die ausgestellten Drucke stehen zum Verkauf, der Erlös geht an die Obdachlosenorganisation Fiftyfifty.

(lod)
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