Düsseldorf-Pempelfort : Ein weihnachtliches Stadtteil-Phänomen

Als hätten sie in Pempelfort und Derendorf nur darauf gewartet: Kaum hat der Glühweinstand an der Nordstraße geöffnet, versammeln sich allabendlich die Stadtteilbewohner mit Kind und Kegel an der Ecke zur Schwerinstraße.

Es ist jedes Jahr dasselbe Bild: Wenn der Weihnachtsmarkt an der Nordstraße öffnet, ist vor allem ein Standort ab dem späteren Nachmittag dicht umlagert: die Ecke an der Nord- und Schwerinstraße, wo nebeneinander Glühweinstand, Imbissbude und Kinderkarussell - wie praktisch - aufgebaut sind. Zum abendlichen Absacker kommen bis Heiligabend regelmäßig Familien mit Kindern, die ihre Sprösslinge beschäftigt wissen, während sie selbst sich das ein oder andere alkoholische Heißgetränk gönnen. Freunde verabreden sich an der "Neuen Meyerei", auch Alleinstehende scheuen das oft dichte Gedränge nicht, können sie doch darauf bauen, hier Anschluss zu finden.

"Das war natürlich nicht von heute auf morgen so, diese Entwicklung hat viele Jahre gedauert", sagt Jürgen Meyer, dessen Familie schon seit 25 Jahren an diesem Standort vor Weihnachten Gäste bewirtet. "Es herrscht hier einfach eine sehr familiäre Atmosphäre, was selbstverständlich nicht zuletzt auf das Karussell zurückzuführen ist, so dass Eltern gerne ihre Kinder mitbringen", erzählt der Chef, der seiner Bude nicht umsonst den Namen "Zur neuen Meyerei" verliehen hat. "Der alte Pavillon war stark renovierungsbedürftig, und wir standen vor der Wahl, noch einmal viel Geld reinzustecken, um ihn aufzumöbeln, oder gleich etwas ganz Neues zu kaufen." Meyer hat sich für Letzteres entschieden. Bereits im vergangenen Jahr hat er die Ecke um ein nicht unwesentliches Detail aufgestockt: Es gibt jetzt einen Toilettenwagen. "Wir hatten vorher eine Vereinbarung mit dem Eiscafé Da Forno und dem Florian. Aber jetzt ist es natürlich besser", erzählt der Schausteller, der sich jedes Jahr auf den Weihnachtsmarkt freut. "Von einer Kirmes zur nächsten zu tingeln, ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Hier stellt man seine Sachen hin, und für vier Wochen ist gut." Ohnehin würden die Weihnachtsmärkte für seine Branche stets wichtiger - zumal viele Stadtteilfeste kleiner, einige sogar ganz wegfallen würden.

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FOTO: RUTH KLAPPROTH
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An der Nordstraße ist - wenn das Wetter halbwegs mitspielt - eigentlich die ganze Woche etwas los, "wir sind nicht so abhängig vom Wochenende", bestätigt Meyer. Vier Mitarbeiter versuchen zwischen 12 und 21 Uhr den Ansturm am Glühweinstand zu bewältigen, nebenan brutzeln weitere Angestellte außer Würstchen auch Cheeseburger mit Bacon. Bei den Heißgetränken, so der Gastronom, sei der weiße Glühwein im Kommen, auch Schoko-Baileys werde gerne gewählt. "Ich bin natürlich froh, dass Feedback und Resonanz der Kunden insgesamt so gut sind, da lohnt sich der Stress wenigstens", sagt Meyer. Die Thesen des Schaustellers, warum es eben genau an dieser Glühweinbude immer so gut läuft, können die abendlichen Besucher des Weihnachtsmarktes nur bestätigen. "Es ist zwar meist sehr voll, aber man findet immer ein Plätzchen und trifft zudem Bekannte, die man das gesamte Jahr nicht mehr gesehen hat", erklärt Miriam Schnell. Die 28-Jährige komme jedes Jahr mindestens einmal die Woche, dieses Mal habe sie trotz miesen Wetters plötzlich einer ehemaligen Kommilitonin gegenüber gestanden, die sie ewig lang nicht mehr gesehen hat. Manfred Meuter (77) nennt einen ganz anderen Grund, warum er regelmäßig kommt: "Ist doch besser als im Altenheim, oder?"

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(RP)