Mosaike aus Düsseldorf-Pempelfort von einer echten Mosaicista

Handwerk in Düsseldorf : Mosaike von einer echten Mosaicista

Miriam Bastisch hat jetzt ein eigenes Atelier, in dem sie Platz hat für ihr Handwerk. Dort gibt sie auch Kurse und Workshops. Ihre Ausbildung hat die 36-Jährige in Italien gemacht, an der traditionsreichen Scuola Mosaicisti del Friuli.

Dutzende Einmachgläser stehen in Miriam Bastischs Regalen, ordentlich aufgereiht, darin kleine Glassteine, Keramik- und Marmor-Scherben, Holzsplitter, Kiesel. In allen Formen, in allen Farbe, in allen Variationen. „Ich habe sicher 50 verschiedene Grüntöne“, sagt die 36-Jährige, die mindestens genauso viele Rot- und Blautöne hat. „Eine Mosaicista kann nie genug Material haben“, sagt Bastisch, die daraus Mosaike macht – Wandbilder und Tische, Lampen und Skulpturen. Miriam Bastisch ist die einzige Mosaicista in Düsseldorf, die das Handwerk in Italien gelernt hat, an der traditionsreichen Scuola Mosaicisti del Friuli. In ihrem Auslandssemester in Neapel hat sie ihre Leidenschaft für Mosaike entdeckt, hat die Zelte in Deutschland abgebrochen und ging nach Italien. Ein paar Jahre arbeitet die 36-Jährige schon als Künstlerin, seit Kurzem in ihrem eigenen Atelier in Pempelfort.

Klassische Mosaike macht Bastisch, hat zum Beispiel an Kirchen auf Sardinien mitgewirkt. Am liebsten aber gestaltet sie Mosaike mit Naturmaterialien, mit Pistazienschalen oder Muscheln, Kirschkernen oder Naturstein. „Es gibt ganz traditionelle Vertreter des Handwerks, die sagen, dass Pistazien nichts mit echten Mosaiken zu tun haben“, sagt die 36-Jährige, die auch gar nicht darauf besteht, dass ihre Pistazien- und Kirschkernkreationen echte Mosaike sind. Für sie lebt das 2000 Jahre alte Handwerk aber gerade durch solche Synergien. „Wer denkt, dass man Stein weben kann?“, fragt Bastisch, ohne eine Antwort darauf haben zu wollen, während sie auf ein Bild an der Wand zeigt, das genauso entstanden ist: ein Mosaik aus verwobenen Steinen.

In ihrem Atelier „Mused Mosaik“ an der Schloßstraße will Miriam Bastisch ihre Kunst sichtbar machen, sie will dem Handwerk Raum geben, „einem fast vergessenen Handwerk“, sagt Bastisch, die auch sich selbst Raum geben wollte. Sie war es leid, ständig ihre Sachen von A nach B zu schleppen, ihre Weckgläser voller Steine, ihr Werkzeug. Workshops bietet sie im Atelier an und Kurse, sie lehrt, Farben zu mischen und wie Linien verlaufen müssen. „Andamenti“, sagt Bastisch, so heißt das auf Italienisch. „Ich möchte das Handwerk weitergeben und Menschen zusammenbringen.“ Ein interkultureller Ort soll entstehen in Pempelfort, an der Schloßstraße, die in Miriam Bastischs Augen noch ein bisschen aufblühen kann, „vielleicht mache ich ja den Anfang“. Junge Menschen können kommen und alte, Einheimische und Geflüchtete. Im Augenblick macht die 36-Jährige mit italienischen Wurzeln eine Weiterbildung zum interkulturellen Berater und Integrations-Coach, weil das so gut passt zum Mosaik, „Mosaik ist Teamwork“, sagt sie, die Menschen verschmelzen, so wie die Mosaike. Außerdem hat Miriam Bastisch noch eine Teilzeitanstellung im Pressebereich am Institut für Weiterbildung in Bonn – es fügt sich irgendwie alles zusammen, so wie bei ihrer Kunst. Nebenbei arbeitet die 36-Jährige an ihrer Seminati-Sammlung, abgeleitet vom Wort „seminato“, was so viel heißt wie „übersät“.

Ihr Material bekommt Bastisch von Freunden, ein Fliesenleger hat ihr alte, zerbrochene Fliesen mitgebracht. „Ich freue mich über alles“, sagt die Mosaicista, solange es besonders ist, es nicht die Kacheln aus dem Baumarkt sind. Meistens geht sie selbst auf die Suche: „Ich habe diesen Blick“, sagt Miriam Bastisch, die tolle Sachen am Atlantik gefunden hat oder in Asien, wo sie das nicht erwartet hätte. „Je natürlicher die Natur ist, umso besser.“ Zum Glück hat sie ihren Freund, der schon säckeweise Steine schleppen musste, und einen Koffer, der 40 Kilo wog, den sie mit nach Spanien genommen hat zu einem Workshop.

Die Schneeeule besteht aus Marmor, Porzellan, Keramik und Holz. Foto: Miriam Bastisch
Bastisch macht Mosaike aus Pistazienschalen und Kirschkernen. Foto: Miriam Bastisch

Mused Mosaik, Schloßstraße 17, geöffnet Mo+Fr, 10-19 Uhr, Di 14-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr, www.mused-mosaik.de

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