Metalldiebe stehlen Kupferrohre und Blitzableiter an Kirchen

Diebstahl : Plötzlich fehlt das Regenrohr 

An zwei katholischen Kirchen wurden mehrfach Blitzableiter und Regenrohre gestohlen.

Als Sabine Juraschek, Leiterin der katholischen Kita St. Adolphus an der Cordoba­straße in Pempelfort, am vergangenen Montag zur Arbeit kam, traute sie ihren Augen nicht. Erneut hatten Diebe an mehreren Stellen der Einrichtung wie auch an der sich anschließenden Kirche an der Kaiserswerther Straße Regenfallrohre und Blitzableiter aus Kupfer abgerissen oder -geschnitten und dann gestohlen. „Dabei wurde gerade erst alles neu gemacht, denn über den Jahreswechsel ist uns das Gleiche schon einmal passiert“, klagt die Kita-Leiterin. „Es hat mal einen Ehrenkodex unter Dieben gegeben, dass Gotteshäuser und Einrichtungen für Kinder verschont werden. Aber das gilt heutzutage offenbar nicht mehr“, sagt Juraschek.

Natürlich hat die Gemeinde den Diebstahl zur Anzeige gebracht, die Hoffnung, dass man die Täter überführt, tendiert aber gegen Null. „Irgendwann kommt ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft, das Verfahren sei eingestellt, das war’s. Die Anzeige müssen wir aber natürlich schon allein wegen der Versicherung machen“, sagt Peter Schmitz vom Kirchenvorstand. Allerdings reguliere die den Schaden wegen des Selbstbehalts erst ab einer Summe von 2500 Euro, in Fällen wie diesem Fall bleibt die Kirchengemeinde dann zwangsläufig auf den Instandsetzungskosten sitzen.

Und die beiden beschriebenen Fälle sind beileibe nicht die einzigen. Drei Mal wurden zusätzlich Regenrohre und Blitzableiter aus Kupfer an der Herz-Jesu-Kirche an der Roßstraße im vergangenen Jahr gestohlen. „Der Metallwert dürfte verschwindend gering sein, der Aufwand und die Kosten sind für uns im Vergleich umso größer“, erklärt Schmitz. Zeugen gibt es jeweils keine, was insbesondere an der Herz-Jesu-Kirche verwundert. Zwar steht das alte Pfarrhaus an der rückwärtigen Seite von Kirche und Kita leer, so dass die Diebe dort relativ unbehelligt durch den Garten auf das Grundstück gelangen konnten. An der Seite hin zur Cordobastraße liegen jedoch dutzende Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit großen Fenstern.

Die eigentliche Tat ist für die Diebe relativ schnell erledigt, räumt Schmitz ein: „Die Blitzableiter werden bis zu einer gewissen Höhe einfach mit einem Seitenschneider abgeknipst. Und für die Regenfallrohre muss man eigentlich auch nur eine Öse lösen, um an den unteren Teil zu kommen, das genügt den Tätern offenbar.“ Die durchaus vorhandenen Bewegungsmelder werden kurzerhand mit Socken oder einem Tuch abgedeckt, Kameras gibt es nicht. Zumindest für die Blitzableiter hat die Gemeinde jetzt eine Lösung gefunden, sie sollen in ein Edelstahl-Bandeisen eingehaust werden. „Das kostet natürlich wieder zusätzliches Geld, schreckt die Diebe dann aber vielleicht auch ab, wenn sie merken, hier ist weniger zu holen“, hofft das Mitglied des Kirchenvorstandes.

Laut Polizei habe es in den vergangenen Monaten keine signifikante Zunahme an Metalldiebstählen gegeben. Auch dass Kirchen zum Ziel werden, sei eher ungewöhnlich, sagt Sprecher Marcel Fiebig: „Da haben wir es schon eher mit Einbrüchen zu tun, dass von innen wertvolle Dinge gestohlen werden.“ Wenn sich Metalldiebstählen häufen, würde die Polizei durchaus den einen oder anderen Schrottplatz schon mal in Augenschein nehmen, ob dort womöglich Diebesgut angekauft worden sei. Bei den Taten an den katholischen Kirchen in Derendorf und Pempelfort sei das aber nicht der Fall gewesen.

Für die allermeisten in der Gemeinde bedeutet der Diebstahl natürlich ein großes Ärgernis. Für die Kinder der Kita war das ganze Drumherum aber auch ein kleines Abenteuer. „Eines der Regenrohre hing an dem Morgen quer über dem Außengelände. Da vermuteten die Kinder direkt ein Verbrechen und riefen aufgeregt, das müsse man unbedingt zur Anzeige bringen“, berichtet Sabine Juraschek.

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