Pempelfort: "Jacke wie Hose" feiert Zehnjähriges

Pempelfort : "Jacke wie Hose" feiert Zehnjähriges

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer St. Rochus bieten jeden dritten Freitag im Monat Kleidung aus zweiter Hand an. Der Erlös geht an Projekte im Ausland. Der Jubiläumsverkauf heute kommt den Philippinen zugute.

Bis unter die Decke gefüllt ist der Raum im katholischen Pfarrhaus am Rochusmarkt: Kartons stapeln sich dort, auf denen fein säuberlich Größenangaben verzeichnet sind. An Kleiderstangen hängt Damenoberbekleidung, ebenfalls gewissenhaft nach Größen sortiert. Handtaschen aller Modestile, neue Modelle wie auch betagte Liebhaberstücke, Schuhe, Haushaltswäsche, sogar Lampen und Deko-Artikel finden sich dort: Über einen Mangel an Ware kann sich die Kleiderkammer von St. Rochus nicht beklagen.

Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage sind nach zehn Jahren ungebrochen groß. Was die Kleiderkammer mit dem treffenden Namen "Jacke wie Hose" von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie regelmäßig jeden dritten Freitag im Monat von 9 bis 12 Uhr geöffnet ist. Ein fester Stamm von vier Frauen hält den "Laden am Laufen", und das ehrenamtlich. Sie sorgen auch dafür, dass die kompletten Einnahmen — im Schnitt rund 5000 Euro pro Jahr — über die Gemeinde an karitative Zwecke in Chile, dem Sudan, Weißrussland und Indonesien geht. Diese Projekte werden ebenfalls bereits von Anfang an bedacht.

Begonnen hat alles mit einer regelmäßigen Papiersammlung, für die das Team 1980 und 1988 jeweils den Düsseldorfer Umweltpreis erhalten hat. "Damals dachte ja noch keiner ans Sortieren", berichtet Annette Szczygielski. Seit 1991 wurden dann auch Altkleider gesammelt, die ins östliche Ausland geliefert wurden, auch für einen guten Zweck. "Bis wir dann festgestellt haben, dass auch bei den Menschen hier im Viertel ein großer Bedarf an preiswerter Kleidung aus zweiter Hand besteht. Auch hier können sich nicht alle neue Kleidung kaufen", sagt Szczygielski.

Die Gemeinde stellte daraufhin der Kleiderkammer einen Lager- und Verkaufsraum zur Verfügung. Verkauft wird dort, aber auch im Hausflur und bei schönem Wetter sogar draußen vor dem Haus. Manchmal gibt es kaum noch ein Durchkommen beim Kleidermarkt. Kein Wunder: Im Sortiment ist auch immer wieder Kleidung namhafter Marken wie Joop, Max Mara, Hilfiger, Esprit und anderer. "Es ist überraschend, was bei uns alles abgegeben wird", sagt Szczygielski. Klar, dass diese guten Stücke etwas teurer über die Theke gehen als der übrige Bestand. Die Preisspanne reicht von 50 Cent bis zu 30 Euro. "Manche bringen auch nicht mehr Benötigtes und gehen ihrerseits mit einem Stück von dannen, das ihnen gefällt."

Der Besucherquerschnitt ist groß: "Zu uns kommen alle möglichen Leute, vom Obdachlosen bis zu Leuten, die auf der Suche nach Raritäten sind. Und sie kommen nicht nur aus dem Stadtteil, sondern aus Hassels, Wersten und sogar Krefeld", erzählt Mitarbeiterin Hedwig von Boeselager. Einen Sozialausweis, wie andere Anbieter, verlangen die Damen von der Kleiderkammer nicht. Aber sie merken schon, wenn ihr Angebot ausgenutzt wird: "Es kommen auch schon mal Leute, von denen wir wissen, dass sie die Ware weiter verkaufen wollen. Die müssen dann eben mehr bezahlen, denn das ist ja eigentlich nicht Sinn der Sache."

Bemerken die Mitarbeiterinnen dagegen, dass jemand gar kein Geld hat, geben sie das Gewünschte auch ohne Bezahlung ab — diskret natürlich. "Diese Leute wollen sich doch auch mal etwas Schönes gönnen." Auf jeden Besucher wartet heute übrigens eine kleine Überraschung.

(RP)