Pempelfort : Geisel spricht in seinem Veedel

Zum 16. OB-Dialog in der Clara-Schumann-Musikschule an der Prinz-Georg-Straße hatte es Thomas Geisel gestern nicht weit. Der Oberbürgermeister wohnt selbst in Pempelfort. Heiß diskutiert wurde über die Parkplatzproblematik.

Selten hat man Oberbürgermeister Thomas Geisel beim OB-Dialog so gelöst gesehen wie gestern, als die 16. Ausgabe des offenen Gesprächsangebots mit dem Bürger quasi vor seiner Haustür stattfand. In Pempelfort kennt sich das Stadtoberhaupt aus, hier ist die Familie Geisel, die an der Münsterstraße wohnt, seit 2003 zu Hause. Dementsprechend kann man dem 53-Jährigen in seinem Veedel auch nicht viel vormachen.

In der Clara-Schumann-Musikschule war der Udo-van-Meeteren-Saal nur halb gefüllt. Das mag am miesen Wetter gelegen haben, aber auch daran, dass der Stadtteil so viele krasse Probleme nicht kennt. Pempelfort ist eher ziemlich im Kommen, viele inhabergeführte Läden lassen sich in der Peripherie der Nordstraße nieder, Wohnraum ist zwar nur schwer zu bekommen, dafür boomt die Kneipenszene, wird der Stadtteil zunehmend zu einem Ausgehviertel. Was viele Bewohner selbst nicht so genau eingrenzen können, ist die enorme Ausdehnung von Pempelfort, das auf der Landkarte sehr viel größer ist, als mancher denkt. Im Westen zählen zum Beispiel Teile von Hofgarten und Rheinpark dazu, im Osten Bezirke des Neubaugebiets Le Flair an der Toulouser Allee.

Und genau hier setzte auch die geäußerte Kritik der erschienen Bürger an. Der Stadtteil verliere durch die anonymen Hochbauten immer mehr an Charakter, Frischluftschneisen würden zudem versperrt. Doch Geisel plädiert bei wachsenden Bevölkerungszahlen und mehr Arbeitsplätzen in der Stadt für eine "behutsame Innenraumverdichtung. Und die Wohnungen gehen dort weg wie geschnitten Brot, so falsch kann diese Entscheidung also nicht sein".

Sie führt aber auch zu einem weiteren Problem in Pempelfort, das viele Einwohner ärgert: der Parkplatznot (aus Sicht der Autofahrer) auf der einen und das ausufernde Falschparken (aus Sicht der Anwohner) auf der anderen Seite, auch bedingt durch die viele Gastronomie in Pempelfort. "Die Übergänge an den Gehwegen sind jeden Tag komplett zugeparkt", klagte eine Anwohnerin der Schinkelstraße, eine weitere habe an dem kleinen Platz an Schinkel- und Düsselthaler Straße nachts schon 14 falsch geparkte Autos gezählt. Andere der Anwesenden berichteten von ähnlichen Problemen, etwa an der Tussmann-, Lenné- oder Mauerstraße. Geisel konnte es gestern auf die Schnelle nicht belegen, "aber ich höre immer wieder, dass die gebauten Tiefgaragen gerade in dem neuen Wohngebiet am alten Güterbahnhof nicht voll sind. Die Leute parken lieber auf der Straße, weil es billiger ist." Dagegen helfe nur konsequentes Verteilen von Knöllchen. Das sei nachts vielleicht schwierig, "aber Falschparker müssen früh aufstehen. Ab 7.30 Uhr wird aufgeschrieben."

Mehrfach wurden darüber hinaus konkrete Häuser im Stadtgebiet benannt, die verfallen würden - an der Vagedes-, der Bagel- oder auch der Augustastraße (letztere eine städtische Immobilie). Geisel seien da in den meisten Fällen die Hände gebunden. "Wir können Hausbesitzern nicht vorschreiben, dass sie sich um ihre Immobilien zu kümmern haben. Da muss schon der Putz von der Fassade bröckeln." Anders sehe es bei dem Beispiel Auguststraße aus: "Ich kenne diese Immobilie nicht, aber ich bin bisweilen selbst überrascht, wie die Stadt mit ihren eigenen Immobilien umgeht." Nicht nachvollziehen konnte er die Kritik eines Mannes, der mit Freunden eine Baugemeinschaft gebildet hat. Er fühlte sich von der Stadt nicht gut beraten. "Aber da haben wir mittlerweile beim Wohnungsamt eine Stelle geschaffen und vielfach im Stadtgebiet auch ungewöhnliche Wohnprojekte auf den Weg gebracht", so Geisel.

So ganz kam der OB am Ende auch nicht um das bei ihm so verhasste Thema Gaslaternen vorbei. Aber in Pempelfort wurde die Kritik von einer Frau so unaufgeregt vorgetragen, dass Geisel fast dahinschmolz. Es ist halt sein Stadtteil.

(RP)