Gedicht über Düsseldorf: Julia Hohmanns Liebeserklärung

Gedicht über Düsseldorf: Ode einer 14-Jährigen an ihre Heimatstadt

In Düsseldorf ist Julia geboren, hier will sie alt werden. Jetzt hat die 14-Jährige ein Gedicht über Düsseldorf geschrieben. Es ist eine Liebeserklärung geworden - dabei sollte sie eigentlich etwas Negatives schreiben.

Ihr Handy, das in einer lilafarbenen Hülle mit langen Hasenohren steckt, hat Julia Hohmann immer in der Tasche, manchmal kommen ihr Geistesblitze, die sie dann ganz schnell eintippt, damit sie sie nicht vergisst. Ein Moment, eine Begegnung - Inspiration findet die 14-Jährige überall. Wenn sie in der Stadt unterwegs ist, auf dem Weg zur Schule, in der Straßenbahn, beim Eislaufen. Julia Hohmann schreibt Gedichte. Eines hat sie jetzt ihrer Heimat gewidmet, "denn Düsseldorf, oh glaubt mir, denn Düsseldorf ist selber die Magie", heißt es in einer Strophe.

In Düsseldorf ist Julia geboren, in Düsseldorf will Julia alt werden. Sie besucht die achte Klasse des Görres-Gymnasiums - was für andere der Sonntagsspaziergang ist, "habe ich jeden Tag", sagt Julia. Damit meint sie ihren Schulweg: durch den Hofgarten, vorbei an schönen Schaufenstern der Prachtmeile, entlang der Düssel mit ihrer Baumallee, die mal grün ist, mal mit Lämpchen geschmückt. Sie ist Fan der DEG, schaut mit ihrem Papa die Spiele im ISS Dome, sie mag die Toten Hosen und den Karneval. "Ich bin stolz, Düsseldorferin zu sein", sagt die Schülerin, die auch die Leistungen der Fortuna würdigt, auch wenn Fußball eigentlich nicht ihr Ding ist.

Foto: Ferl

Beim Schreiben kann sich Julia entspannen, an einem Abend hatte sie die elf Strophen über ihre Heimat fertig, aus dem Handgelenk, wie sie sagt, "das war keine besondere Arbeit". Eine Schulaufgabe ist das Gedicht gewesen, eigentlich sollten Julia und ihre Klassenkameraden etwas Negatives schreiben über die Stadt. Das aber konnte Julia nicht. Zu schön ist die Altstadt, zu einladend die Kö. Eine Liebeserklärung an Düsseldorf hat Julia geschrieben. Und obwohl sie die Aufgabe nicht erfüllte, stand ein Kommentar des Lehrers unter der Arbeit, "dass ich das sehr gut gemacht habe".

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Am liebsten mag die 14-Jährige den Winter, Weihnachten, die Adventsmärkte, die Dekoration. Die vielen Konzerte zu Neujahr, denn Julia kann nicht nur schreiben, sie singt auch - im Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchor. Klassisch sind die Lieder im Chor, die Julia Hohmann singt, Pop, wenn sie allein ist. Oft schaut sich die 14-Jährige Casting-Shows an, will selbst einmal daran teilnehmen. Erstmal aber ist die Schule dran.

Drei Berufswünsche hat die Jugendliche: Psychologin, Musikerin oder Lehrerin für die Fächer Deutsch, Englisch und Russisch. Fließend spricht sie Russisch, ihre Mutter kommt dorther. Gedichte schreibt die 14-Jährige auch auf Russisch, viele große Dichter hat das Land. Ein oder zwei Mal im Jahr besucht sie die Großeltern in Jaroslawl, freundlich sind die Menschen an der Wolga, "die Kultur ist schön", sagt Julia. "Lehrerin ist aber nur der Plan B", erzählt sie, lieber würde sie auf der großen Bühne stehen, irgendwann eigene Songs singen, aus Gedichten vielleicht Texte machen, für die sie keine Geheimtipps hat, die bei ihr "Gefühlssache sind", sagt Julia. Notizen aus ihrem Handy bringt sie zu Hause auf Papier, vier dicke Blöcke hat sie sicher schon vollgeschrieben mit Gedichten, die sie mal für sich behält, mal verschenkt.

Den typischen Mädchenkram macht Julia natürlich auch, sie fotografiert, hat einen Instagram-Account mit 1500 Followern, berichtet sie stolz. Schöne Schuhe und Kleider zieht sie an, "der Schrank ist voll", erzählt Julia, ihren Glücksbringer - ein silberner Notenschlüssel an einer Kette, den sie um den Hals trägt - legt sie so gut wie nie ab. Bei Konzerten und Klassenarbeiten gibt er ihr Kraft, vor allem beim Kopfrechnen kann Julia das gebrauchen. Rechnen nämlich liegt ihr gar nicht, oft lernt der Papa mit ihr für Mathe, "er ist Banker", sagt Julia. "Manchmal verdreht er die Augen. Dafür kann er keine Gedichte schreiben", sagt sie und lacht.

(RP)