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Pempelfort: Frauen trainieren an der Ballettstange

Pempelfort : Frauen trainieren an der Ballettstange

Cornelia Dingendorf hat an der Jülicher Straße ihr zweites Youpila-Studio eröffnet. Die ehemalige Werberin hat mit ihrem speziellen Trainings-Konzept alles auf eine Karte gesetzt und den Job gekündigt. Der Trend kommt an.

Rückbildung, wie das schon klingt. Nach Pflicht-Leibesübungen für Bauch und Beckenboden in einer sterilen Praxis. Bei Cornelia Dingendorf gewinnt der Beobachter dagegen den Eindruck, dass sogar das dröge Training nach einer Schwangerschaft irgendwie sexy ist. Das liegt an ihrem extrovertierten, einnehmenden Charakter. Aber vor allem auch am Ambiente: Ihr neues Studio im Untergeschoss eines Hinterhof-Hauses an der Jülicher Straße wirkt hell und einladend, hat aber durch das integrierte offene Mauerwerk ebenso einen gewissen rustikalen Charme.

Das zentrale Element in dem ehemaligen Lager eines Fotografen im Haus: die durchgängige Ballettstange im Raum. Denn Dingendorf repräsentiert das international bereits sehr erfolgreiche "Barre Workout" in Düsseldorf. Ein Trainingskonzept aus den USA und Australien, bei dem Elemente von Ballett, Pilates und Ausdauertraining zusammengeführt werden. "Muskeln werden aufgebaut, Fett wird verbrannt, das Training definiert, strafft und formt den gesamten Körper", erklärt die 38-Jährige, der außerdem eines aufgefallen ist: "Jeder, der das Training zum ersten Mal ausprobiert, hat automatisch eine vorbildliche aufrechte Haltung, auch wenn er vorher noch nie in seinem Leben Ballett gemacht hat."

Youpila hat sie ihr Studio genannt, es ist bereits das zweite. Das erste hat die Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes im Januar 2016 an der Kölner Straße eröffnet. Das Start-up war prompt ein Erfolg: "Ich bin jetzt an beiden Standorten ausgebucht", sagt sie. Fünf Trainerinnen beschäftigt Dingendorf für Barre, Pilates und Rückbildung, zwei weitere kommen bald hinzu, um den Andrang zu bewältigen.

16 Jahre lang hat Cornelia Dingendorf in der Werbung gearbeitet. zuletzt bei Grey als Management Supervisor. Sportlich war sie schon immer, hat Leichtathletik betrieben (Kurz- und Mittelstrecke, Hoch- und Weitsprung) sowie seit mehr als zehn Jahren Pilates. In der Elternzeit reifte bei ihr der Wunsch, sich zu verändern, und irgendwie spielte dabei stets dieses Ding mit der Ballettstange eine entscheidende Rolle. Nachdem sich der Sprung ins kalte Wasser an der Kölner Straße schnell als Erfolg herausstellte, machte sie Anfang des Jahres Nägel mit Köpfen: "Ich habe meinen Job gekündigt", sagt Dingendorf. Und sie hat es nicht bereut.

Einen Schwerpunkt legt sie auf den Sport rund um die Schwangerschaft. Bei ihr können Frauen auch mit Baby im Bauch oder später in einer speziellen Tragevorrichtung vor dem Bauch an die Stange. "Feminin und Mama zu sein, ist kein Gegensatz", versucht sie, eben selbst Mutter und ausgebildete Postnataltrainerin, den Teilnehmerinnen ihrer Kurse vor Augen zu führen.

Natürlich ist es ein ganz bestimmter Frauenkreis, aus dem sich die Kundinnen von Cornelia Dingendorf zusammensetzen. Ein Workout bei Youpila ist für die Teilnehmerinnen nicht zuletzt eine Frage des hippen Lebensgefühls, ohne dass der Faktor Gesundheit außer Acht gelassen wird.

Die 38-Jährige hat nichts gegen Yoga, "aber das ist mir zu sehr nach innen, wir gehen hier nach außen, aus uns raus, sind exzentrisch - und manchmal sogar bewusst ein wenig arrogant." Das meint sie natürlich gar nicht so, wie sie es sagt, es soll nur die innere Haltung widerspiegeln, das Selbstbewusste herausstreichen.

Beim einstündigen Training läuft Club-Musik, laut, es sei denn, es sind Babys im Raum. Cornelia Dingendorf ist glücklich mit ihrer Entscheidung, nur eines beschäftigt sie: "Fange ich jetzt an, Frauen abzusagen, oder mache ich bald noch ein weiteres Studio auf?"

(RP)