Pempelfort : Eine "Huta" in Pempelfort

Nicole Ackermann und Laura Kles haben die Hundetagesstätte "City Dogs" eröffnet. Ein Angebot für Menschen, die tageweise oder die ganze Woche ihren Hund beaufsichtigen lassen wollen.

Miro ist ein bisschen stur geworden, das liegt am Alter. So richtig sehen kann er nicht mehr, oft erschrickt er, wenn jemand neben ihm steht. Dafür funktionieren seine Stimmbänder noch ganz prima - bellen kann Miro kräftig und tief. Viel Ähnlichkeit hat er mit einem Schnauzer, Frauchen Nicole Ackermann korrigiert aber: "Miro ist ein zu klein geratener russischer Terrier."

Zur Arbeit darf der Senior, der schon ein paar graue Schnauzhaare hat, jeden Tag mit. Und seit dieser Woche ist Miro sozusagen der Chef und Rudelführer, denn Nicole Ackermann (48) hat mit Geschäftspartnerin Laura Kles (27) eine Hunde-Kita eröffnet. In einem Hinterhof in Pempelfort, zwischen einer großen Weide und einem Dachdeckermeister-Betrieb, hängt das Logo über der Eingangstür, "ganz frisch", sagt Kles, der die letzten Monate noch in den Knochen stecken. Alles haben die beiden Frauen selbst renoviert, Wände mussten sie rausreißen, andere verputzen, Bodenplatten verlegen.

Seit Februar haben sie jede freie Minute in ihren Traum investiert, die Hunde-Kita "City Dogs" aufgebaut, in der sie bis zu 20 Hunde am Tag aufnehmen dürfen. Bevor sie aber mit dem Umbau loslegen konnten, wurden Ackermann und Kles geprüft. Intensiv. Ob sie mit Hunden umgehen können und die Transportbestimmungen erfüllen. Das Veterinäramt hat Auflagen gemacht, das Bauaufsichtsamt auch. Viel Papierkram, der zwischen der Hunde-Kita-Idee und dem ersten offiziellen City-Dog-Spaziergang lagen, den die Kolleginnen in dieser Woche endlich unternehmen konnten.

Ein guter Gastgeber ist Miro trotz seines Bellens durchaus, und seine Gäste, als wäre es geplant gewesen, haben sich farblich angepasst - alle in Schwarz. Pudeldame Klara wird betreut, und die beiden kleinen Mischlinge Isa und Timon. "Morgen kommt ein Beagle zum Probetag, dann wird es ein bisschen farbenfroher hier", sagt Laura Kles, die eigentlich Immobilienkauffrau ist. Irgendwann hatte sie die Büroarbeit satt, ließ sich zur Hundetherapeutin ausbilden und kam mit Hundetrainerin Nicole Ackermann auf die Idee, die Kita zu eröffnen. "Der Bedarf ist da, gerade hier in der Innenstadt", sagt die 27-Jährige.

Wenn alle angemeldeten Hunde da sind, steht am Morgen dann erstmal eine große Runde draußen an. Nach Knittkuhl, Ratingen oder Tiefenbroich fährt die Truppe, wenn es mehr Hunde werden in den nächsten Tagen und Wochen, dann fahren Ackermann und Kles einen großen VW-Bulli. Damit auch alle Boxen im Auto Platz finden. "Dort dürfen die Hunde frei laufen", sagt die 48-Jährige, dort sind um die Uhrzeit nicht viele Menschen unterwegs. Bevor ein Hund aber von der Leine darf, muss er sich erstmal beweisen. Wichtig ist, dass er auf das Kommando hört und kein Rowdy ist. "Wir können uns auch trennen, wenn die Gruppe nicht homogen ist", erzählt Laura Kles, schließlich müssen junge Hunde viel mehr toben und spielen als die Senioren, wie Miro zum Beispiel einer ist.

Zum Probetag darf jeder Hund kommen, vorausgesetzt er ist kein Welpe mehr. Die sind zu pflegeintensiv, zu wild. "Jeder hat eine Chance verdient", findet Kles. Sollte ein Tier überhaupt nicht erzogen, vielleicht sogar nicht stubenrein sein, dann gibt es ein Gespräch mit den Besitzern. "Und wenn es gar nicht funktioniert, dann werden wir das auch sagen", meint Ackermann.

In der Kita selbst sollen die Hunde zur Ruhe kommen, Spielsachen gibt es keine. Dafür jede Menge Streicheleinheiten, Näpfe mit Wasser und Futter. Eine Kuschelecke haben die Hunde dort und eine Rotlicht-Heizung, die gleichzeitig für Frischluft sorgt. Ein paar Bilder fehlen noch, und das Internet ist noch nicht eingerichtet. Kleinigkeiten, die vermutlich Nicole Ackermann und Laura Kles mehr stören als die Hunde, die sich jetzt schon ziemlich fühlen.

(RP)
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