Pempelfort: Das bunte Leben des Herrn Müller-Rau

Pempelfort: Das bunte Leben des Herrn Müller-Rau

Der Fotograf hat an der Münsterstraße jetzt einen kleinen Laden, in dem er vor allem Panorama-Fotos von Düsseldorf verkauft.

Mit 13 Jahren hatte Gerhard Müller-Rau das erste Mal eine Kamera in der Hand - und legte sie fortan nicht mehr weg. Zumindest nicht in seiner Freizeit, denn beruflich schlug der junge Mann zunächst andere Wege ein. Er lernte Maschinenschlosser, war auf dem Bau tätig, studierte vier Semester Innenarchitektur, machte eine zusätzliche Ausbildung zum Bauzeichner, wurde Architekt, arbeitete über viele Jahre für große Büros. "Die Kamera hatte ich aber irgendwie stets dabei", sagt Müller-Rau, der in den 1970er Jahren unter anderem auch nebenberuflich die Fortuna-Spiele im alten Rheinstadion für die Rheinische Post fotografierte.

Die Düsseldorfer Skyline von linksrheinischer Seite aus bei Hochwasser fotografiert: Gerhard Müller-Rau liebt diese Aufnahme wegen des Farbenspiels. Foto: Gerhard Müller-Rau

Diese "Nebentätigkeit" nahm immer größeren Raum in seinen vielfältigen Beschäftigungen ein. Er fotografierte für die Werbung, erhielt als Industrie- und Architektur-Fotograf lukrative Aufträge, die ihn bis nach Paris, London oder New York führten. Zwischenzeitlich entwickelte er anspruchsvolle Deckensysteme für Großraumbüros: "Licht, Klima, Design, Planung, Verkauf, teilweise auch Ausführung - alles aus einer, nämlich meiner Hand", erklärt der umtriebige 74-Jährige. Die Vermarktung übernahm er ebenfalls selbst, fertigte Kataloge an - natürlich mit seinen Fotos.

Alles schön und gut, "aber irgendwann schlich sich bei allem ein Stück weit Langeweile ein", so der Single, der mehrmals verheiratet war. Nur seine große Liebe, die Fotografie, die blieb. Einzige Nebenbuhlerin: seine Heimatstadt Düsseldorf. Das Rentenalter vor Augen konzentrierte er sich vor 15 Jahren ganz auf das, was ihm Spaß macht. Sein erstes Atelier hatte Müller-Rau an der Ackerstraße, es folgten Studios an der Karl- und der Stresemannstraße, heute sitzt er an der Münsterstraße und verkauft vor allem Fotos von Düsseldorf, von Orten, die jeder kennt, aber so noch nie gesehen hat - mehr als zwei Meter lange, flache Panorama-Aufnahmen von der Stadt-Skyline ("die habe ich früher noch als Kitsch empfunden"), malerische Impressionen von der Kö, die problemlos auch als Gemälde durchgehen würden, geschickt eingefangene Spiegelungen am Medienhafen, an der Geometrie ausgerichtete Fotos vom Flughafen.

Lange fotografierte er noch analog mit einer Pentax 67, macht er auch heute noch, gegen die digitale Fotografie wehrt er sich aber trotzdem nicht. "Es geht schneller, ist erheblich preiswerter, und natürlich lassen sich Fehler auch leichter beheben." Wenn sich Kunden nun womöglich beschweren, das Bild sei doch bearbeitet, sagt er ihnen nur: "Wer das perfekte Bild erwartet, der muss auch damit leben, dass Makel technisch behoben werden."

In seinem Studio an der Münsterstraße ist es relativ ruhig, "an der Stresemannstraße war mehr los", sagt Müller-Rau. An diesem relativ toten Stück quer gegenüber der Feuerwache auf der sonst sehr belebten Straße gebe es wenig Laufkundschaft. "Aber ich muss wahrscheinlich Geduld haben", erklärt der Fotograf. Feste Öffnungszeiten hat er nicht, telefonisch ist er immer erreichbar, aber kommen Auftragsarbeiten rein, arbeitet er sie ab und macht den Laden dicht. "Sonst sitze ich hier manchmal nur den ganzen Tag rum." Er will sich nicht beklagen, eigentlich sei er ja ohnehin Ruheständler, betont Müller-Rau. "Aber zu Hause rumsitzen, ist auch nichts für mich." Dann doch lieber weiter fotografieren.

(RP)