Pempelfort: An Heiligabend bei kranken Menschen

Pempelfort : An Heiligabend bei kranken Menschen

Roswitha und Horst Strack spenden Patienten im Marienhospital die Krankenkommunion und beten mit den Menschen. Regelmäßig gehen sie auch auf die Palliativstation für Schwerstkranke.

Heute Vormittag gehen Roswitha und Horst Strack ins Marienhospital, um dort Patienten zu besuchen. An Weihnachten zu kranken Angehörigen zu gehen, mag nichts Besonderes sein. Aber die Stracks kennen die Patienten, die sie aufsuchen, gar nicht. Die beiden sind im Dienst der katholischen Krankenseelsorge des Hauses unterwegs. Sie bringen bettlägerigen Menschen die heilige Kommunion. Auch auf der Palliativstation, wo Kranke betreut werden, die in der Regel keine Chance auf Heilung mehr haben.

Dieser ehrenamtliche Einsatz ist den Stracks so wichtig, dass sie sich auch am Heiligen Abend dafür Zeit nehmen. "Das Schöne daran ist, dass nicht nur wir den Patienten etwas geben können", sagt Horst Strack. "Es kommt auch sehr viel zurück, und das geht schon zu Herzen."

Roswitha Strack lag selbst im Marienhospital, als sie das erste Mal mit der Krankenseelsorge in Kontakt kam. "Vor rund 20 Jahren lernte ich den Krankenseelsorger Hubert Doods kennen. Der war und ist der Meinung, dass es nicht nur geweihten Menschen vorbehalten ist, sich seelsorgerisch zu engagieren. Sondern dass das auch Laien können." Die Rentnerin, die sich schon seit langem in ihrer Gemeinde engagiert hatte, fühlte sich davon gleich angesprochen und wurde Kommunionhelferin. Zehn Jahre später schloss sich auch ihr Mann dem zwölfköpfigen Kreis an. In einer Schulung durch das Erzbistum wurden sie auf ihren Einsatz vorbereitet. Einmal im Monat treffen sie sich seither mit den anderen zum Bibelkreis, um sich auf ihre Besuche vorzubereiten.

Denn über das Austeilen der Krankenkommunion hinaus wird auch über das Evangelium gesprochen — sofern die Patienten das wünschen. "Manchmal beten wir einfach nur miteinander. Oft kommen wir aber auch über die Bibel in ein intensives Gespräch", berichtet Horst Strack. "Viele Menschen im Krankenhaus haben ein großes Mitteilungsbedürfnis. Sie lassen uns ganz offen teilhaben an dem, was sie erlebt haben. Durch ihre Krankheit kommen manche erstmals wieder mit der Kirche und dem Glauben in Berührung."

Dann passiert es auch schon mal, dass vom Nachbarbett aus plötzlich leise mitgebetet wird. "Es ist schön zu erleben, wie wir mit unserem Besuch die Hemmschwelle gegenüber der Kirche senken können, wie manche wieder einen neuen Zugang finden", erzählt Roswitha Strack. Keine Probleme haben die beiden bislang mit Muslimen gehabt, auch wenn diese durch die Enge der Krankenzimmer der fremden Zeremonie zwangsläufig beiwohnen müssen. "Unsere Erfahrung ist, dass gerade Muslime meist viel Respekt gegenüber unserer Religion zeigen. Sie sind sehr rücksichtsvoll, auf jeden Fall mehr als Menschen, denen die Kirche nichts mehr sagt oder die sie gar ablehnen."

Was sich etwa darin zeige, dass während der Spende der Kommunion auf dem Zimmerfernseher ein Fußballspiel geschaut wird. "Dann bitte ich höflich aber bestimmt darum, das Gerät leiser zu stellen." Vor acht Jahren eröffnete das Marienhospital die Palliativstation für Menschen ohne Chancen auf Heilung. Die Krankenseelsorger beider Konfessionen im Haus sprachen die Stracks an, ob sie nicht auch zu diesen schwerstkranken Menschen gehen möchten. "Da haben wir uns schon gefragt, ob wir diesem Anspruch gerecht werden können." Inzwischen haben die Stracks die Erfahrung gemacht, dass sich — anders als befürchtet — längst nicht alle Gespräche dort um das Thema Tod drehen. "Viele sind medikamentös so eingestellt, dass sie ganz bewusst ihren letzten Weg gehen", sagt Roswitha Strack. Mitunter ist ja auch keine Kommunikation mehr möglich. "Dann sitzt man einfach ruhig daneben."

(RP)