Pempelfort : Als es Bomben hagelte

Um der vielen Toten zu gedenken, die am 23. Januar 1945 im Keller der Franklinschule starben, wurde jetzt eine Gedenktafel aufgestellt.

Um der vielen Menschen zu gedenken, die am 23. Januar 1945 im Keller der Franklinschule starben, wurde eine Gedenktafel aufgestellt.

Was genau am 23. Januar 1945 in der Franklinstraße geschah - das wissen wohl nur noch die mächtigen Platanen vor dem Eingang der ehemaligen Volkshochschule. Die über hundert Jahre alten Bäume standen schon, als mit dem Bau des Hauptgebäudes begonnen wurde und waren auch noch, nachdem die Alliierten am besagten Tag zum letzten Mal großflächig Bomben über Pempelfort abwarfen. Eine Luftmine traf auch den Luftschutzkeller der Franklinschule, der damals nicht nur der Zivilbevölkerung Schutz bieten sollte, sondern auch den Insassen des auf den Schulhof befindlichen Zwangsarbeiterlagers.

Zwar blieb das Gebäude stehen, doch die 135 Anwohner und Zwangsarbeiter aus insgesamt sieben Nationen kamen im Keller durch die Druckwelle der Detonation um. Darunter waren mehrere Kinder des nahe gelegenen Kindergartens, die über einen Verbindungstunnel Schutz im Keller der Franklinschule suchten. Die darauffolgenden Bergungsarbeiten kosteten weiteren 15 Zwangsarbeiter das Leben. Eine schlimme Tragödie, die alle Anwohner erschütterte, erinnert sich Annemarie Bluhm zurück. "Es gab kaum eine Familie aus der Nachbarschaft, die dort nicht jemanden verloren hatte", erzählt die 91-Jährige. Bluhm hatte Glück, war zum Zeitpunkt der Bombardierung nicht zu Hause. Betroffen aber war die Familie von Angelika Rattenhuber. Ihre zwei und drei Jahre alten Geschwister hat sie niemals kennengelernt, da diese an jenem Tag zur Betreuung im Kindergarten untergebracht waren. "Es ist ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, wie die Mutter das alles miterlebt haben muss", sagt sie.

Um der vielen Toten zu gedenken und die Erinnerung an die dramatischen Erlebnisse dieses Tages aufrecht zu erhalten, wurde jetzt im Beisein vieler Anwohner und Zeitzeugen wie Annemarie Bluhm eine bronzene Gedenktafel inmitten der "grünen Oase" vor der Schule aufgestellt. Entworfen wurde die Schrifttafel von Bogomir Ecker, einem Künstler aus der Nachbarschaft. Die Bürgerinitiative ProFranklinstraße hat den Antrag zur Errichtung des Gedenksteins gestellt. Zur feierlichen Übergabe kam Bürgermeisterin Marina Spillner, deren Bezirksvertretung 1 die Errichtung maßgeblich finanzierte. "Denkmäler bringen die Spuren der Vergangenheit zum Sprechen. Dieser Stein soll Anstoß dafür sein, sich mit der eigenen Geschichte wieder zu befassen und aus der Vergangenheit zu lernen", sagte sie in ihrer Rede. Denn einigen Anwohner dürfte die tragische Bedeutung des Ortes gar nicht bewusst sein. Auch Arnold Igel, der schon 20 Jahre im Stadtteil lebt, erfuhr erst bei der Gründung der Bürgerinitiative von der Historie der Franklinschule. "Bisher hat ja auch nirgendwo etwas auf diese leidvolle Tragödie hingedeutet", sagt der Vorsitzende der Initiative. Ein Grund mehr für ihn, die Freiflächen des Standortes unbedingt zu erhalten, deren großzügigen Bemessungen noch nach dem Prinzip der "Gartenstadt" herrührten und den Anwohner einen grünen Naherholungsbereich bieten sollte. Diese begrünte Fläche ist erst 2015 für circa 500.000 Euro nach langem Kampf der Bürgerinitiative gegen eine geplante, fünfstöckige Wohnbebauung fertig gestellt worden. Nach dem Umzug der VHS an den Bertha-von-Suttner-Platz befürchtet die Initiative einmal mehr, dass die "grüne Oase" samt Platanen weichen muss, denn der Franklinhof ist Teil des verkauften Geländes. Zwar wird das Gebäude vom Investor zunächst zur Weiternutzung an die Hochschule Fresenius vermietet - genug Stellplätze für ein- bis zweitausend Studierende müssten aber noch geschaffen werden. Zumindest diese Bedenken konnte Spillner ausräumen, die der Genehmigung eines solchen Bauvorhabens keinerlei Erfolgsaussichten attestierte.

Um das Bewusstsein für die Geschichte der Franklinstraße weiter zu stärken, soll im Herbst eine Dokumentation der Ereignisse von 1945 in Buchform vom Stadtarchiv herausgegeben werden. Maßgeblich verantwortlich dafür ist Dagmar Gutheil, die als ehemalige Geschichtslehrerin eine persönliche Verbindung zur Franklinschule hat. Während eines Schulprojektes forschten Schüler und Lehrer in den Archiven der Stadt und der Mahn- und Gedenkstätte nach dem Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager. Stattdessen stießen sie in den Unterlagen auf die Bombennacht des 23. Januars.

(RP)