Hassels: Ohne Sammler stirbt der Martinszug

Hassels : Ohne Sammler stirbt der Martinszug

Sabine Selge fordert vor allem Eltern mit kleinen Kindern auf, sich für das Martinsfest zu engagieren.

Wer erinnert sich nicht an die Zeit, als man eingemummelt in eine dicke Winterjacke, Schal und Mütze an einem meist kalten Novembertag die Nacht unsicher machte. Wochenlanges Kleben, Schneiden, Basteln und Liedtexte lernen nur für diesen einen Abend. St. Martin war früher schon etwas ganz Besonderes, wenn ein Bischof oder Soldat am großen Feuer den Mantel teilte und die Kinder mit ihren selbst gemachten Laternen durch die Straßen zogen. Auch heute leuchten die Kinderaugen noch, wenn sie ans Trällern und "Gribschen" denken, "nur die Eltern wollen leider nicht mehr so wie einst", sagt Sabine Selge, Kopf der Hasselser Martinsfreunde. Sie kümmert sich schon seit drei Jahren um die Organisation des Martinszugs und muss feststellen, dass die Eltern früher engagierter waren. "Viele Helfer und Spendensammler, die auch 2012 wieder im Einsatz sind, haben gar keine Kinder mehr im Martins-Alter", weiß die 44-Jährige, deren Sohn inzwischen die 9. Klasse besucht. Einen fliegenden Wechsel gebe es schon lange nicht mehr, vielmehr müssen sich die Martinsfreunde schriftlich an Schulen und Kindergärten wenden, damit sich überhaupt Helfer finden. "Meistens haben wir aber keinen Erfolg", sagt Selge. Warum Spenden überhaupt notwendig sind, erklärt die engagierte Mutter und Martinsfreundin: "Wir müssen unter anderem den Zug versichern, Pferde und Musikkapellen bezahlen und Tüten für die Kinder füllen." 5000 bis 7000 Euro müssen pro Zug gesammelt werden, damit die Tradition nicht ausstirbt. Und die Arbeit sei für die Sammler gar nicht so zeitaufwendig, versichert Sabine Selge. "Wir haben einen Zeitraum von vier Wochen und jeder Sammler bekommt eine Straße zugeteilt", erklärt Selge, die selbst auch von Tür zu Tür zieht und um Spenden bittet. "Ich habe in diesem Jahr vier Stunden gebraucht", verrät die Hasselserin. Natürlich könne es passieren, dass Menschen einem die Tür vor der Nase zuknallten oder man beleidigt werde, viele warteten aber auf den Besuch der Martinsfreunde, sagt die 44-Jährige.

"In diesem Jahr wird es bunt", weiß Sabine Selge, die schon ein paar Laternen-Ausstellungen besucht hat. Heute läuten die Hasselser Kinder mit ihrem Lampenzug die Martinszeit ein, Treffpunkt ist 16.30 Uhr in der St.-Antonius-Kirche. Morgen folgt das Hellerhofer Kinderhaus von St. Antonius, das um 16.30 Uhr zu einem Gottesdienst an der Carlo-Schmid-Straße einlädt.

(RP)
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