Wohnen in Düsseldorf-Oberkassel: Ein Traum aus Art Déco und Dunkelblau

Serie „So wohnt Düsseldorf“ : Dieses Haus in Oberkassel ist ein Traum aus Art Déco und Dunkelblau

Hinter einer schlichten Backsteinfassade in Düsseldorf-Oberkassel hat ein Paar mit großem Aufwand und Liebe zum Detail seinen Wohntraum verwirklicht – auf fünf Etagen.

Man glaubt es nicht, wenn man vor der Backsteinfassade steht: dass außen und innen zwei so unterschiedliche Seiten einer Medaille seien können. Denn von außen betrachtet wirkt dieses Haus schlicht, eher bescheiden, nicht sehr groß. Hinter den Mauern aber ist eine Art Raumwunder – mit fünf (!) Wohnebenen. Mit viel Platz für ein intensives Familienleben. Und für das Aufeinandertreffen von modernem Design und einzelnen Prachtstücken mit der Patina vergangener Jahrhunderte.

Im Sommer sitzen Christina und Nikolaus P. gern auf dem Mäuerchen vor ihrem Haus zum Sonnenuntergang – mit einem Glas Wein in der Hand. Ihre beiden Jungs (sieben und acht Jahre alt) fahren dann Fahrrad auf dem Bürgersteig, die Nachbarn gehen vorüber, bleiben auf einen kurzen Plausch stehen: Kiez als Oberkassel-Variante. Auch ein Grund, warum sie 2010 dieses Haus auf einer Seitenstraße der Luegallee erworben haben. „Obwohl es total verschachtelt war, mit vielen kleinen Büroräumen“, erinnert sich Christina.

Sie haben sich dann für die große Lösung entschieden: das Haus aus den 1920er Jahren, das mit seiner Nachbarschaft zum Ensemble verschmelzt, völlig zu entkernen. „Und sehr viel Aufwand, Liebe zum Detail, Herzblut und Geld zu investieren“, so die Düsseldorfer Architektin Christine Pannen-Vulpi. Sie gefunden zu haben, erwies sich als ideale Lösung für das Bauherrn-Paar. Denn man war sich schnell einig, dass die 20er Jahre und deren gestalterische Elemente wieder lebendig werden sollten. „Wir haben über jedes Detail intensiv nachgedacht und viel recherchiert“, sagt Nikolaus. Eine Herausforderung, zuweilen auch an die Handwerkskunst. Da wurden die historischen Holzprofile der Fenster exakt nachgebaut und mit modernen, einbruchsicheren Glasscheiben kombiniert, Stuckbänder, Heizungsverkleidungen und das weiße Treppenhaus im Stil des Art Déco rekonstruiert – und mit einem schwarzen Handlauf ergänzt. Die Wirkung? Als ob es nie anders gewesen wäre.

Die kleinen Räume wurden mit Durchbrüchen zu einem offenen Erdgeschoss verwandelt, Platz für eine Küche, einen großen Esstisch aus Nussbaum, eine Sitzgruppe vor dem offenen Kamin. Und für die Farbe Blau, die sich in einem satten dunklen Ton an einer Wand, dem Teppich, den Sofapolstern wiederholt – bis zu den chinesischen Vasen mit ihren Glückssymbolen auf einem englischen Kabinettschrank aus dem 18. Jahrhundert, der ein geheimnisvolles Innenleben offenbart: Öffnet man seine Türen, verbergen sich dahinter viele weitere Türen. Ein einzigartiges Objekt, wie auch die geschnitzte Kaminumrandung aus der Gründerzeit oder eine Hochzeitstruhe von 1695 – wie viele Bräute mögen darin ihre Aussteuer sortiert haben?

Das Souterrain ist für Gäste reserviert und hat einen ganz eigenen Charakter, der geprägt ist durch einen Fußboden aus außergewöhnlich großen schwarz-weißen Fliesen. Für Christina eine Erinnerung an ihre Wurzeln, kam doch der Marmor, der für die weißen Kacheln verwendet wurde, von der griechischen Insel Thassos, von der ihre Familie stammt. Mit dem schwarzen afrikanischen Granit fügt sich der weiße Marmor zu einem Schachbrettmuster.

In der ersten Etage ist der Ort fürs Alltagsleben der Familie mit einem großen Arbeitstisch, an dem auch die Kinder ihre Schularbeiten erledigen, einem zweiten Wohnzimmer zum Lesen und Fernsehen und einer kleinen, intimen Bibliothek, in der man auf der Stelle zu den bibliophilen Büchern greifen möchte, um damit in einem weinroten Ledersessel zu versinken. Bewacht wird die Szenerie von Kultgefäßen aus Südamerika, die der Großvater des Hausherrn von seinen Reisen mitbrachte. Auch die Liebe zu historischen Möbeln wurde Nikolaus vererbt, seine Eltern haben mit Antiquitäten gehandelt – und mit Leidenschaft gesammelt.

In der zweiten Etage ist Platz für die Schlafräume, für Ankleide und Bad, in dem sich das Schwarz-Weiß vom Souterrain wiederholt. Und darüber, unterm Spitzboden, können die beiden Söhne ungestört spielen und auch mal Freunde übernachten lassen. Von ganz oben geht‘s wieder viele Stufen hinunter zurück zum Hauseingang. Vorbei an einer alten Heizung mit einer Art Haube, einem Schränkchen, in dem früher in der Küche die Teller vorgewärmt wurden. Heute liegen Mützen und Handschuhe darin – griffbereit für kalte Wintertage.

Wie wohnen Sie? Zeigen Sie uns Ihr Zuhause für unsere Serie – schreiben Sie an duesseldorf@rheinische-post.de.

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