Oberkassel: Statt Früchtetee jetzt Kaffeespezialitäten

Oberkassel: Statt Früchtetee jetzt Kaffeespezialitäten

Während viele Jugendherbergen mit rückläufigen Besucherzahlen kämpfen, verzeichnet das Haus in Oberkassel ein leichtes Plus.

Beim Gedanken an Klassenfahrten in Jugendherbergen verbinden viele Menschen nicht nur Positives: Wässriger Früchtetee, Licht aus um 22 Uhr und ein aus der Zeit gefallenes Mobiliar. Ein Bild, das in der Düsseldorfer Einrichtung in Oberkassel längst nicht mehr der Realität entspricht. "Das schlechte Image verfolgt uns aber noch", erzählt Andrea Kumpfe, Leiterin der Düsseldorfer Jugendherberge. Doch seit der Wiedereröffnung des Neubaus vor zehn Jahren passt das Düsseldorfer Haus nicht mehr in die gängigen Klischees. "Viele unserer Gäste sind von uns positiv überrascht", sagt Kumpfe.

Das zeigt sich bereits im Foyer des Hauses. Dort erwartet Besucher ein großer heller Raum mit kleinem Bistro, das 24 Stunden am Tag Getränke und warme Speisen bietet. "Den größten Absatz haben wir am Wochenende ab 1 Uhr nachts, wenn unsere Gäste aus der Altstadt heimkehren und noch schnell einen Snack essen wollen", berichtet Andrea Kumpfe. Vor 20 Jahren hätte man um diese Uhrzeit vermutlich vor verschlossener Tür gestanden. Auch der Speisesaal hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten verändert. Nicht nur, weil er jetzt Restaurant genannt wird und Blumen auf den Tischen stehen, sondern in erster Linie, weil es statt Nudeln und Frikadellen ein reichhaltiges Salatbuffet und vegetarische sowie vegane Angebote gibt. Statt Tee können die Gäste zwischen verschiedenen Kaffeevariationen wählen.

Den wohl größten Unterschied machen jedoch die Zimmer aus. Schlafsäle mit zehn Betten gehören der Vergangenheit an. Stattdessen gibt es Doppel- und Vierbettzimmer, die sich in ihrer Ausstattung durchaus mit einen Drei-Sterne-Hotel vergleichen lassen.

Doch diese Modernisierungen waren bitter nötig, denn in den vergangenen Jahren ist die Konkurrenz für Jugendherbergen größer geworden. Unzählige Hostels, die ihre Betten teilweise für unter zehn Euro anbieten, haben den Markt belebt. Das günstigste Bett in der Jugendherberge kostet dagegen 26,40 Euro. "Man spürt die Konkurrenz", sagt Andrea Kumpfe.

Dennoch sind die Übernachtungszahlen der Einrichtung entgegen dem allgemeinen Trend für Jugendherbergen im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Auslastung des Hauses liegt bei 76 Prozent. Das liegt zum einen an der guten Lage des Hauses. Direkt am Oberkasseler Rheinufer gelegen bietet die Anlage sowohl eine schnelle Verbindung in die Innenstadt als auch viel Natur in direkter Umgebung durch die Rheinwiesen.

Zum anderen sieht Andrea Kumpfe den Erfolg in einem Kulturunterschied zu gängigen Hostels begründet. Statt reiner Bettengeber sei die Einrichtung auch Reiseveranstalter. "Wir stellen Reisegruppen auf Wunsch gerne Freizeitprogramme zusammen", erklärt sie. Zudem halte sie stets Kontakt zu Schulen und Vereinen, wodurch viele Gruppen gerne wiederkämen.

Zudem unterscheidet sich das Haus von Hostels auch durch seine gemischte Kundschaft. Die Jugendherberge setzt nicht nur auf junge Rucksacktouristen, sondern auch auf Familien, Vereine, Schulen oder gar Geschäftsleute. Denn in dem Gebäude findet sich auch ein Tagungscenter, dessen Räume nicht nur von Schulen, sondern auch von Unternehmen genutzt werden. "Morgens begegnet man im Restaurant sowohl Schlipsträgern als auch Kindern", sagt Andrea Kumpfe.

Um diesen Wandel stärker nach außen zu kommunizieren, veranstaltet das Haus dieses Jahr am 10. Juni einen Tag der offenen Tür, an dem gleichzeitig auch das zehnjährige Bestehen des Neubaus gefeiert werden soll. Dann haben die Düsseldorfer die Chance, selbst zu überprüfen, inwieweit die Klischees aus der Vergangenheit heute noch gültig sind.

(RP)