Düsseldorf Oberkassel : Die guten Geister der Kleiderkammer

Die Kleiderkammer St. Antonius kann auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Zehn Frauen führen sie ehrenamtlich.

Die caritative Kleiderkammer St. Antonius liegt tief im Keller des Canisiushauses und ist erst zu erreichen, wenn die Pfarrbücherei durchschritten ist. Dann aber öffnet sich ein lichter Raum, in dem Kleidung in Hülle und Fülle den Ton angibt. Es handelt sich nicht etwa um eine Boutique, sondern vielmehr um einen Umschlagplatz für getragene Garderobe. Die einen spenden gepflegte und gereinigte Kleidung, die anderen erwerben sie zu kleinen Preisen, wobei alle ein gutes Gefühl haben, etwas für Bedürftige getan zu haben. Denn der Erlös aus dem Verkauf leitet die Pfarrei weiter an Projekte in Afrika, Südamerika und Indien. „Wir haben aber auch schon für Düsseldorfer Projekte wie die Obdachlosenhilfe, Armenküche oder den Knackpunkt gespendet“, sagt Christine Schwöbel, ehrenamtliche Leiterin der Kleiderkammer. „Wir springen dort ein, wo es brennt.“

Jetzt rückt die Kleiderkammer wieder einmal in den Mittelpunkt, denn nun kann sie auf 30 Jahre soziales Wirken zurückblicken. Mehr noch, ist sie doch in drei Jahrzehnten so gewachsen, dass das zehnköpfige ehrenamtliche Team, gemeinsam mit Pfarrer Michael Dederichs dabei ist, einen Verein zu gründen. „Aus steuerlichen Gründen“, wie es heißt.

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Neben Christine Schwöbel sind auch Christa Stausberg, Marlies Pfeifer und Paula Pünder von Anfang an dabei und freuen sich über die Entwicklung der Benefiz-Secondhand-Einrichtung. Angefangen haben wir mit der Altkleidersammlung auf der Straße“, erinnern sie sich. „Wir haben sie in der Wohnung von Heidi Helm in Bananenkartons gepackt und nach Polen und Rumänien geschickt.“ Doch dann kamen ihnen Zweifel über den Sinn ihres Engagements. „Plötzlich hörten wir, dass die vielen Kleidersendungen die heimische Infrastruktur in Afrika beeinträchtigen“, so Christine Schwöbel. Und in Polen habe man auf einmal Desinfektionsbescheinigungen verlangt. So kamen die Frauen überein, die Kleidung an Ort und Stelle zu verkaufen und mit dem Erlös die sozialen Projekte der Kirchengemeinde zu unterstützen. Das war zuvor mit Bedacht getestet worden. „Wir haben auf einem Pfarrfest Kleidung zu kleinen Preisen angeboten“, erinnert sich Christine Schwöbel. „Das wurde überraschend gut angenommen.“

Der Erfolg ermutigte, die Kleiderkammer professioneller auszustatten. Kleiderständer wurden angeschafft, Regale bestückt, Spiegel aufgehängt, Preislisten gedruckt und weitere Mitstreiterinnen gesucht. Und Pfarrer Friedrich Vater stellte Räume im Keller des ehemaligen Klosters (heute Canisiushaus) zur Verfügung. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass es an der Friesenstraße hochwertige Kleidung zum Schnäppchenpreis gab.

2001 wurde dann der Name „Kleiderkammer St. Antonius“ offiziell. 2010 konnte sie ins Souterrain des neuen Canisiushauses, Friesenstraße 77, einziehen. Auch dort ging’s auf der Erfolgsleiter weiter nach oben. Zumal das Team durch Secondhand-Modenschauen auf Luegallee- und Seniorenfesten weitere Kunden gewann. So konnte bisher ein sechsstelliger Betrag gespendet werden, denn auch Verwaltungskosten fallen nicht an.

Wertgeschätzt wird die Kleiderkammer über ihren Spendenauftrag hinaus aber nicht nur, weil sie gemeinnützig arbeitet, sondern weil das Team stets gesprächsbereit ist. Christine Schwöbel: „Auch in Oberkassel gibt es Bedürftige und Einsame, die gern zum Stöbern und Plauschen zu uns kommen.“