Oberkassel: Keyworker und die 1968er Jahre

Ausstellung: Keyworker schauen auf die ’68er

Nach der erfolgreichen Ausstellung „Sammelsurium“ widmen sich die „Keyworker Oberkasselplus“ nun den Protestaktionen der 1960er Jahre. Im Herbst wird das Ergebnis im Gerhart-Hauptmann-Haus vorgestellt.

Die Ideen gehen den „Keyworkern Oberkasselplus“ nicht aus. Nach der Ausstellung „Sammelsurium“ im vergangenen Jahr richten sie nun den Blick auf die 1960er Jahre. Unter der Überschrift „Rebellion im Dorf – Düsseldorf ’68“ sind Rosi Apitz, Annette Klotz und Joachim Siefert dabei, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, die im Herbst im Gerhart-Hauptmann-Haus eröffnet werden soll.

„Eigentlich wollten wir uns dem Thema ,Fremd in der Stadt’ widmen und erkunden, wie Neuankömmlinge, in ihrer neuen Heimat zurechtkommen“, sagt Rosi Apitz. „Aber dann haben wir das Kapitel 1968 mit seinen Protesten vorgezogen, weil es sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt.“ Auch wenn Berlin und Frankfurt die Protest-Zentren gewesen seien, habe Düsseldorf diese Zeit nicht verschlafen. „Hier gab es ebenfalls Unruhe und folgenreiche Umbrüche.“ Gewalttätige Krawalle mit verletzten Demonstranten oder Polizisten habe es aber nicht gegeben, wenn auch schon mal eine Stinkbombe in Richtung Ministerium geflogen sei oder ein schrottreifes Autos auf der Kö in Flammen aufging.

Worum ging es: Auslöser waren die „Notstandsgesetze“ (Die Handlungsfähigkeit des Staates sollte bei Krisensituationen gesichert werden). Massive Proteste der Außerparlamentarischen Opposition (APO) folgten, wobei die Sorge um den Verlust von Grundrechten im Vordergrund stand. Dazu kamen die Attentate auf Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke. In Düsseldorf geriet die Kunstakademie in die Schlagzeilen. Nicht etwa seitens der Studenten, sondern der Professoren. „Joseph Beuys zum Beispiel gründete als Reaktion auf den Tod von Ohnesorg die ,Deutsche Studentenpartei’, so Rosi Apitz. Dem nicht genug, er habe demokratische Strukturen für die Akademie gefordert und den Numerus Clausus ignoriert, in dem er abgelehnte Studenten aufnahm. „Letztlich hat ihm das die Kündigung eingebracht.“ Seine Visionen einer idealen Akademie hätten die ’68er Zeit in Düsseldorf geprägt.

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Auch die Jugend wurde aufmüpfig. Große Teile der Schülerschaft des Comenius-Gymnasiums solidarisierte sich mit „’68er Bewegung“. „Sie verlangten demokratische Reformen in Schule und Gesellschaft.“ Die mitunter chaotischen Schulverhältnisse am Comenius haben in jener Zeit eine überregionale Aufmerksamkeit erlangt.

War in den Schulen und der Kunstszene einiges los, so gab es auch in den Familien Umbrüche. In den Wohnzimmern wurden Initiativen gegründet, die teils heute noch bestehen. Weil Kita-Plätze rar waren, gründeten engagierte Eltern vor 45 Jahren das „Kinderforum“, das sich heute an der Löricker Straße 31 befindet. Fast zeitgleich ergriffen Mütter in Ober- und Niederkassel die Initiative und gründeten die Kita „Mütter helfen Kindern“ (heute Buntstiftekindergarten) an der Niederkasseler Straße 18. In Heerdt legten die Eltern, die sich zur Spielplatzinitiative zusammengeschlossen hatten, die Basis für den Freizeitpark und schließlich das Ökotop Heerdt.

In drei Chroniken erzählen die Keyworker die 50-jährige Geschichte: Zu Beginn erfährt der Ausstellungs-Besucher alles, was in der Welt von 1965 bis 1975 geschah, dann in Deutschland und schließlich in Düsseldorf. Darüber hinaus bieten sie ein anspruchsvolles Begleitprogramm wie eine Podiumsdiskussion und ein Erzählcafé. „Die Besucher können Stellung beziehen“, sagt Rosi Apitz. Dabei gehe es auch um die Frage. „Brauchen wir vielleicht ein neues 1968?“

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