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Oberkassel Interview mit Kirchenmusiker Markus Hinz

Düsseldorf Oberkassel : Die Kuppel wird zum Lautsprecher

Mit dem Einbau des Fernwerks ist das dreiteilige Orgelbauprojekt für die St. Antoniuskirche nach mehr als zehn Jahren abgeschlossen.

Kirchenmusiker Markus Hinz ist glücklich. Denn mit dem Einbau des Fernwerks in den Vierungsturm von St. Antonius ist nun seine „Traumorgel“ perfekt. Eingeweiht wurde sie von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp Ende November. Am gleichen Tag startete Hinz eine Konzertreihe mit namhaften Organisten, die im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Mit Begeisterung spricht er über das „Kunstwerk Orgel“.

Herr Hinz, Sie haben das Eröffnungskonzert für das Fernwerk einem Gast-Organisten überlassen. Warum haben Sie es nicht selbst übernommen?

Markus Hinz Ich bin stolz, dass wir den Titular-Organisten von „Notre Dame de Paris“, Oliver Latry, für das Eröffnungskonzert gewinnen konnten. Danach hatten wir Stefan Engels zu Gast, der in den USA Orgel studiert und dort auch einen Lehrstuhl in Dallas innehat. Das Abschlusskonzert habe ich selbst gegeben und beispielsweise Liszts „Vogelpredigt“ interpretiert. Dabei geht es um den musikalischen Dialog zwischen Franziskus und den Vögeln des Himmels, wobei alle drei Teile – Emporen-, Chororgel und Fernwerk – zum Einsatz kamen und die Orgelanlage auf diese Weise als raumgreifendes Instrument dargestellt werden konnte.

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Emporen- und Chororgel (Christus König) sind sichtbar. Wo versteckt sich denn das Fernwerk?

Hinz Von unten ist nur eine kleine kreisförmige Öffnung zu sehen, das Fernwerk selbst kann man nur hören. Es befindet sich im Vierungsturm oberhalb der Kuppel in einem Holzhaus, das eigens für die 700 Holzpfeifen gebaut wurde.

Wie kam das Haus denn in den Kirchturm?

Hinz Die Teile wurden per Aufzug nach oben befördert und dort aufgebaut. Zunächst wurde ein Stahlträger um die Kuppelwölbung gebaut, damit diese selbst nicht belastet wird. Das Haus ist nun so auf der Kuppel platziert, dass der Klang durch die Öffnung nach unten dringt und die Kuppel quasi zum Lautsprecher wird.

Was hat Ihren Wunsch nach einem Fernwerk ausgelöst?

Hinz Als die Fenster im Seitenflügel von St. Antonius vor einigen Jahren neu verglast wurden, haben sich Handwerker hoch oben auf einem Gerüst unterhalten. Ich stand unten und habe, obwohl sie flüsterten, jedes Wort verstanden und war sehr verblüfft über die Akustik der Kirche. Ein Fernwerk ist reizvoll, weil es insbesondere in der romantischen Orgelliteratur beliebt war und unsere Kirchenarchitektur dafür geeignet ist.

Was ist denn das Besondere am Fernwerk?

Hinz Das Fernwerk besteht aus zehn Pfeifen. Die dynamische Flexibilität durch extrem wirksame Schwelljalousien ist sehr erstaunlich.Bei geöffneten Schwellern umschmeichelt der Klang den Zuhörer von oben, bei geschlossenen Schwellern können besonders leise, sphärische Töne bis zur Hörgrenze produziert werden. Wie schon bei der Emporenorgel hat die Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Firma Sinua eine computergesteuerte Einzelton­ansteuerung realisiert. In Verbindung mit anderen Teilorgeln lassen sich einzigartige Echo-Effekte realisieren. Außerdem hat der Instrumentenbauer Gerhard Kern mit der Celesta (aus dem französischen „céleste“ für himmlisch) ein weiteres ungewöhnliches Schlagwerkregister für das Fernwerk gebaut. Bildlich gesprochen wird auf diese Weise die Musik vom Himmel nach unten getragen.

Wie reagiert die Gemeinde auf das Gesamtkunstwerk Orgel?

Hinz Wir haben positive Rückmeldungen. Die Zuhörer sind von der Klangfülle, der Charakteristik der Register und der Klangbewegung begeistert. Zu den Konzerten waren sogar Besucher aus Holland angereist. Die Kirchengemeinde und ihre Gremien haben das Projekt von Anfang an, seit 2006, unterstützt und an der Realisierung mitgewirkt.

Auf welche Weise?

Hinz Durch Spenden, aber auch durch tatkräftige Mitarbeit. Überzeugt hat auch der Wunsch, Pfeifenmaterial der Vorgänger-Orgeln aus der stillgelegten Christus-König-Kirche und der 1955 gebauten Seifert Orgel von St. Antonius wiederzuverwenden, um damit die Geschichte der Orgeln in der Gemeinde präsent zu halten.

Wird das Fernwerk auch zu Gottesdienstzeiten eingesetzt?

Hinz Natürlich. Für mich bedeutet das Instrument auch eine Verantwortung und Wertschätzung, und deshalb planen wir ein vielfältiges Musikprogramm für die Liturgie, um Gott erfahrbar zu machen

Geht die Reihe mit anspruchsvollen Konzerten im nächsten jahr weiter?

Hinz Ja. Im nächsten Jahr werden wir Konzerte anbieten, die von einer Orgelnacht mit zeitgenössischen Kompositionen bis zu einem Stummfilmabend und Orgelkonzerten mit renommierten Gästen wie dem Mailänder Paolo Oreni und der Echo-Klassik-Gewinnerin Ute Gremmel-Geuchen reichen. Ich hätte mir diese Möglichkeiten nicht träumen lassen.