Düsseldorf Oberkassel : Ein historisches Häuschen für die Heiligen

Das „Heiligenhäuschen“ spiegelt die mehr als 200-jährige Geschichte Oberkassels. Es ist eng verbunden mit der Familie Vossen.

Das älteste noch erhaltene Gebäude in Oberkassel ist das Heiligenhäuschen. Es ist in einem Top-Zustand, nachdem die Schäden durch den Orkan Ela behoben wurden – ein Baum war auf das Dach gestürzt. Dass es so gut den Zeiten trotzen kann, ist auch Spendern und Ehrenamtlichen zu verdanken. Zum Beispiel dem Oberkasseler Schützenverein, der Pflege und Betreuung nach Auflösung des örtlichen Heimatvereins, der sich von 1958 bis 2016 um das Kapellchen gekümmert hatte, übernahm. Frank Russeck, 2. Chef, und Geschäftsführer Alexander Wohlfromm sehen regelmäßig nach dem Rechten, kümmern sich um frische Blumen, die übrigens der Heerdter Gartenbaubetrieb Günther Vishers regelmäßig spendet. Und an Weihnachten stellen sie die Krippe auf, die auf einem Brett unter dem Dach gelagert wird. „Wir wohnen in Oberkassel und machen das gern“, sagen sie, während sie alles für Ostern auf den wenigen Quadratmetern zurechtrücken. Zuvor hatten sie, wie immer, den Boden gekehrt. Auf die Frage, warum denn der Fahnenmast vor dem Kapellchen leer sei, antworten sie: „Die Fahne mit dem Heiligenhäuschen und dem Emblem des Schützenvereins ist völlig zerschlissen, muss erneuert werden.“

Wer nun einen Blick in die kleine Kapelle werfen will, den Altar mit dem Fresko „Maria mit dem Kind“, die Heiligenfiguren und die Steinfigur „Christus im Grabe“ betrachten will, muss einige Stufen hinabsteigen. Erst dann steht er auf dem ursprünglichen Grund und Boden Oberkassels und setzt so auch gleich einen Fuß in die Vergangenheit. Denn nach dem Bau der Oberkasseler Brücke (1898) und des neuen Deiches wurde der Stadtteil um etwa einen Meter aufgeschüttet und auf diese Weise in die Höhe gehoben.

Zu der Zeit gab es die kleine Kapelle längst. Niemand weiß aber so ganz genau, wann ihre Geburtsstunde geschlagen hat. Jedenfalls existiert sie rund 250 Jahre, wie einer Landkarte aus dem Jahr 1772 zu entnehmen ist. Damals stand sie noch allein auf weiter Flur eines bäuerlich geprägten Landes, wie einige Zeichnungen beweisen. Etwa in Höhe des Düsseldorfer Schlosses auf der anderen Rheinseite.

Überliefert ist, dass das Schicksal des Heiligenhäuschens eng verknüpft ist mit dem Schürmannshof und der Familie Vossen. Die Historie besagt, dass der Niederkasseler Johann Vossen 1768 als 24-Jähriger die erst 16-jährige Erbin des Schürmannhofes Anna Christina heiratete. Das Ehepaar baute den Gutshof zu einer Gastwirtschaft aus, die im Volksmund „Vossen links“ hieß. Heute ist eine Straße nach ihr benannt. Auf dem Grundstück der bäuerlichen Familie befand sich das Heiligenhäuschen, das auch „Vossens Kapellchen“ genannt wurde. So wundert es nicht, dass sich Johann Vossen verantwortlich fühlte und die Aufbaukosten nach dem Jahrhunderthochwassers 1784 übernahm. Denn fast der gesamte Giebel war weggeschwemmt worden. Man erkennt das heute noch an dem schrägen Ziegelansatz über der Tür. Es wird aber auch angenommen, dass sich einige Dorfbewohner an den Kosten beteiligt haben. Dafür spricht, dass die Kapelle die einzige Andachtsstelle weit und breit war. Denn die Heerdter Kirche St. Benediktus lag eine beachtliche Wegstrecke entfernt.

Eine weitere Geschichte hält sich über Jahrzehnte hartnäckig. Diesmal geht es um Anton, Sohn von Christine und Johann. 1805 wurde er Soldat in Napoleons Armee und musste in den Russlandfeldzug ziehen. Seine Mutter gelobte, bei seiner glücklichen Heimkehr eine Kirche bauen zu lassen. Als sie dann aber nach neun Jahren den Sohn, der sich lediglich ein Ohr abgefroren hatte, heil in ihre Arme schließen konnte, kam sie zu dem Schluss, dass eine Kapelle auch reichen würde. Daraus wurde dann ein Kapellchen und am Ende beließ sie es bei der Renovierung des vorhandenen Heiligenhäuschens das die Kosaken verwüstet hatten.

Heute ist die Kapelle ein Denkmal und liegt von einem eisernen Zaun geschützt an der gleichnamigen Straße zwischen Düsseldorfer Straße und Rheinallee und ist von Wohngebäuden umgeben. Links von der vergitterten Pforte ist eine Gedenktafel aus Bronze angebracht, die in einem Auszug die Geschichte erzählt. Die Tafel wurde 1979 vom Heimatdichter Carl Vossen (1915-2002) in Gedenken an seine Vorfahren gestiftet.

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