Oberkassel: Fernwerk für die Orgel in St. Antonius

Kirche St. Antonius in Düsseldorf-Oberkassel: Himmlische Klänge mit Orgel-Fernwerk

Vor fünf Jahren begann die katholische Kirchengemeinde in Düsseldorf-Oberkassel mit den Planungen für das „Gesamtkunstwerk Orgel“. Jetzt steht mit dem Fernwerk der dritte Bauteil kurz vor dem Abschluss. Es verstärkt den Klang.

Es gleicht einem Abenteuer: Mit dem offenen Lastenaufzug, geführt von Dachdecker Felix Menke, geht es am riesigen Gerüst entlang fast bis zur Kirchturms-Spitze von St. Antonius hinauf. „Der Tüv hat alles gesichert“, beruhigt er. Oben angekommen ist erstmal der Blick über Oberkassel zu genießen, dann aber muss ein Plateau aus Gitter-Rosten überquert werden, bei dem man lieber nicht nach unten blickt (nichts für Menschen mit Höhenangst). Weiter geht es durch eine Turmöffnung direkt zur Baustelle. Auf einem Gerüstbrett stehend, sagen Pfarrer Michael Dederichs und Gregor Bender, Vorsitzender der „Pastoralen und Kirchenmusikstiftung“, warum seit Wochen ein Gerüst seitlich der Pfarrkirche aufgebaut ist und was sich hoch oben über der Kuppel abspielt. Bender: „Hier wird das Fernwerk für die Orgel installiert, eine technische Herausforderung“.

Das kann nur erahnt werden, denn viel zu beobachten gibt es eigentlich nicht. Beeindruckend ist, die Kirchturmspitzen von Innen zu sehen, mit ihren, das Schieferdach stützenden Balken – und irgendwo hinter Absperrgittern und Gerüsten wird gearbeitet. In der Mitte prangt die Wölbung der mächtigen Vierungskuppel, die in der Mitte eine Öffnung hat. Allerdings ist sie derzeit abgedeckt, ein Blick in den Kirchenraum nicht möglich. Neben der Kuppel wird das Pfeifenwerk aufgebaut, so dass noch in diesem Jahr „die Musik vom Himmel in die Kirche getragen wird“, wie Kantor Markus Hinz einst bemerkte. Bevor es mit dem Aufzug hinunter geht, nutzt Bender die Gelegenheit, sich an Ort und Stelle über den Fortschritt der Bauarbeiten zu informieren, denn er organisiert ehrenamtlich den Aufbau des Fernwerks des „Gesamtkunstwerks Orgel“.

„Finanziert wurde das Bauwerk nur durch die Kirchenmusikstiftung und Spenden. „Ohne Steuergelder“, betont Pfarrer Dederichs. „Wir tun etwas für die Liturgie, vergessen aber die soziale Komponente nicht.“ So werde etwa Jugendreferentin Sandra Heinz von der Stiftung finanziert. Ziel ist auch, eine rege Musikszene im Stadtteil zu etablieren. Wegen ihrer außergewöhnlichen Klangfarben sei die Orgel ein Gewinn für Düsseldorf, ist der Pfarrer überzeugt. „Bedeutende Organisten sind bereits eingeladen, bei uns zu konzertieren.“ Mit im Boot ist Michael Becker, Intendant der Tonhalle. Bender: „Wir streben eine Kooperation mit der Düsseldorfer Musikszene an.“

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2012 begann die katholische Oberkasseler Gemeinde die Orgelanlage ihres Gotteshauses umfassend zu renovieren und zu erweitern. Den Anfang machte die Chororgel, die sich nahe dem Seitenaltar befindet und aus Teilen der der ehemaligen Orgel aus der stillgelegten Christus-König-Kirche stammt. Sie wird für Werktagsmessen und zur Begleitung des Chores genutzt. Seit 2016 begleitet die neue Emporen-Orgel Gebet und Gesang. Sie besteht auch aus restaurierten Teilen ihrer Vorgängerin. Als Besonderheit kommt nun das Fernwerk oberhalb der Kuppel hinzu. Hinz: „Die beiden vorhandenen Spieltische in der Kirche werden mit allen Werken verbunden. So können die Besucher künftig nicht nur von hinten beschallt werden, sondern hören auch, wie sich der Klang im Raum ,bewegt‘.“

Für den Kirchenmusiker geht ein Traum in Erfüllung. Seit 2001, als Hinz das Amt des Kantors antrat, habe man ihn gefragt, ob er den Bau einer neuen Orgel begleiten wolle. Der Neubau des Canisiushauses aber verschob die Orgelplanung.

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