Neuer Hochbahnsteig der Rheinbahn in Düsseldorf-Oberkassel ist umstritten

Nahverkehrsdebatte in Oberkassel : Rund um die Luegallee ist der Hochbahnsteig das Hauptthema

Viele Oberkasseler äußern bei der Mobilen Redaktion ihre Sorgen über den Rheinbahn-Plan. Die Hansaallee ist der Alternativstandort. Dort ist aber noch eine Herausforderung zu meistern.

Oberkassel ist ein Traum. Schöne Häuser, viele hübsche Nebenstraßen, der Rhein vor der Tür. Christa Engelhardt und Renate Schwarz leben seit 25 beziehungsweise 40 Jahren im Stadtteil und wissen die Vorteile ebenso zu schätzen wie Elisabeth Gentz, deren Familie seit sieben Generationen im Linksrheinischen ansässig ist. Aber die Kehrseite ist nicht nur für die Alteingesessenen der starke Zuzug und das Wachstum der Pendler. „Damit muss Schluss sein“, sagt Gentz, die sich sogar ein Einfahrverbot für Auswärtige vorstellen kann. Das finden Martina und Klaus Domke etwas drastisch. Das Paar ist 2011 nach Oberkassel gezogen, hat die Veränderungen aber auch in dieser relativ kurzen Zeitspanne bemerkt. „Wir sind hergezogen, weil es hier so ruhig war. Das ist nicht mehr so.“

Die Domkes und auch viele andere Oberkasseler sind wegen der Rheinbahn-Pläne für die Luegallee zur Mobilen Redaktion der RP an den Barbarossaplatz gekommen. Die Proteste der Geschäftsleute wegen der fehlenden Querungsmöglichkeit der Straßenseiten beim Bau des Hochbahnsteigs Luegplatz sind angesichts der weit fortgeschrittenen Bauarbeiten verebbt. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Hochbahnsteig, der für mehr als 20.000 Fahrgäste im Schnittpunkt Luegallee und Belsenplatz geplant ist. Die Oberkasseler fühlen sich durch den Bau von immer mehr barrierefreien Haltestellen im Stadtbezirk zwar privilegiert, lehnen den Standort am Ende der Luegallee aber ab. Allen voran die Anwohner der Quirinstraße. Ulla Lützeler will sie „auf keinen Fall auf der Luegallee haben“. Eva Schreier hat eher die Quirinstraße im Sinn, die eine zusätzliche Bushaltestelle bekommen soll. „Zuviel für uns und unsere Straße, denn eine Endhaltestelle (833) haben wir schon und allein fünf Busse verkehren vor unseren Häusern.“

Dass die beiden Haltestellen auf dem Belsenplatz, jeweils Richtung Heerdt und Lörick, durch einen Hochbahnsteig an einem Ort gebündelt werden sollen, wurde allgemein begrüßt, aber: „Die gesamte Planung ist nicht optimal gelaufen“, sagt Joachim Siefert, und Rosi Apitz fügt hinzu: „Es gibt kein städtebauliches Konzept, schließlich handelt es sich um eine der wichtigsten Umsteigehaltestellen nach dem Hauptbahnhof.“ Zudem seien Fußgänger und Radfahrer bis jetzt nicht berücksichtigt. Georg Eiker, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, ist ebenfalls davon überzeugt, dass das gesamte Umfeld in den Blick genommen werden müsse, um die Auswirkungen auf umliegende Straßen zu prüfen.

Er schlägt vor, den Hochbahnsteig Belsenplatz analog zum Luegplatz zu bauen und den Verlust der Bäume durch Neupflanzungen, ähnlich wie auf dem Luegplatz, auszugleichen. „Wir sehen doch dort, was möglich ist“. Georg Eichenauer will unbedingt einen Hochbahnsteig, denn: „Es ist eine Zumutung, in die Bahnen mit ihren hohen und teils klapprigen Stufen ein- und auszusteigen.“ Marion Lenze stimmt ihm zu. „Es wird langsam Zeit, dass etwas getan wird. Was haben die Menschen früher bloß ohne Hochbahnsteige gemacht?“ Es werde gebaut und gebaut, aber die Infrastruktur komme zu kurz.

Gerhard Feldman strebt eine radikale Lösung an. „Bahnen und Haltestellen vom Luegplatz bis einschließlich Belsenplatz unter die Erde legen.“ Ist das eher eine Utopie, so gibt es bereits konkrete Anregungen von zwei Bürgerinitiativen: „Rettet die Luegallee“ heißt eine, die andere besteht aus einem Zusammenschluss von Keyworkern Oberkassel, Verkehrs- und Verschönerungsverein, Bund Deutscher Architekten (BDA), Hans Rainer Runge (Verkehrsplaner) und Landschaftsarchitekt Markus Loh. Hiltrud Lintel, ebenfalls Landschaftsarchitektin, macht in beiden Initiativen mit. Kürzlich hatte sie in einem offenen Brief an die Beigeordnete Cornelia Zuschke die Hansaallee als Standort vorgeschlagen und um ein Gespräch gebeten. Markus Loh: „Trotz mehrfachen Nachfragens haben wir keine Antwort bekommen, nicht einmal eine Eingangsbestätigung.“ Der Ruf nach einem „Workshop“, bei dem die Bürger mitplanen können, wurde laut. Tim Bäumken, Abteilungsleiter Verkehrsplanung der Rheinbahn, versicherte im Beisein von Rheinbahn-Vorstandschef Klaus Klar, dass es nach den Sommerferien einen Workshop geben werde.

 Bezirksbürgermeister Rolf Tups (CDU) sprach erstmals von seiner Idee, den für alle Bahnen gebündelten Hochbahnsteig ab Höhe Lanker Straße auf die Hansaallee zu setzen, entlang der Geschäftszeile. „Dort ist wesentlich mehr Platz als auf der Luegallee.“ Die habe sonst bald auf einem Kilometer Hochbahnsteige von insgesamt 300 Meter Länge.

Allerdings müsste dazu die Linie U75 anders geführt und die Haltestelle Drususstraße zum neuen Hallenbad Pariser Straße verlegt werden. Von dort könnte die U75 unter der aufgeständerten Brüsseler Straße (B7) hindurch und vorbei am Vodafone-Campus zur Hansaallee geführt und weiter zum neuen Hochbahnsteig fahren. „Eine Idee“, sagte Tups, der nichts überstürzen will. „Bevor wir aber Fakten schaffen, sollten wir uns ruhig zwei, drei Jahre Zeit zum Nachdenken lassen und den Austausch mit den Bürgern nicht vernachlässigen.“

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