1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Oberkassel

Heerdt: Photostübchen schließt Ende des Jahres

Geschäftsaufgabe : „Photostübchen“ schließt am Jahresende

Brigitte Mockel ist Inhaberin des kleinen Fotoladens.Jetzt gibt sie ihn aus gesundheitlichen Gründen auf.

Die Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Es wird eng im heimeligen „Photostübchen“ am Nikolaus-Knopp-Platz, zwischen Fotozubehör und einem Sammelsurium an liebenswerten Kleinigkeiten. Der einzige Stuhl ist schnell besetzt – mehr würden auch nicht ins „Stübchen“ passen. An den Wänden Fotografien von Heerdt, wie es einmal war. Inhaberin Brigitte Mockel hat zu tun, denn neben dem Verkauf macht sie auch biometrische Fotos für Pass oder Personalausweis. „Mir haben sie in Paris die Handtasche mit Geld und allen Papieren geklaut“, berichtet eine Kundin seufzend und nimmt in der Fotokabine Platz. „Jetzt muss ich mich für eine Ausweise fotografieren lassen.“

Was aber an diesem trüben Morgen alle aufbringt, ist der Einbruch am „helllichten Tag“ in eine Wohnung ein paar Straßen weiter. Und geradezu entsetzt reagieren sie auf die Nachricht, dass eine bekannte Heerdterin mit nur 51 Jahren gestorben ist. Fast scheint es so, als suchten die Kunden Trost im „Stübchen“ mit den antiken Buchstaben über der Tür – als Hommage an die gotische Benediktuskirche gegenüber.

  • Heerdt : Bauarbeiten auf dem Knopp-Platz beendet
  • Ein Polizeiwagen im Einsatz (Symbolbild).
    In Düsseldorf-Oberkassel : Betrunkener randaliert im Supermarkt – Festnahme
  • Stephan Kaluza steht in seinem Atelier
    Düsseldorfer „Grenzgänger“ gründet Kunstverein : Stephan Kaluza hat große Pläne
  • Gudrun Hock gewann den Prozess, den
    Klage gegen Düsseldorfer Ex-Bürgermeisterin gescheitert : Gudrun Hocks Hund darf Aufzug fahren
  • Für Vielfalt und Respekt : Christopher Street Day - Demonstration in Düsseldorf am Samstag
  • Verleger Manfred Droste in seinem Büro
    Nachruf auf Manfred Droste : Ein freier Geist

Brigitte Mockel hört zu, trauert mit, strahlt Geborgenheit aus. „Ich habe eher ein Seelsorge-Stübchen“, sagt sie und freut sich, auch ein wenig „Dorfgemeinschaft“ bieten zu können. Es wundert dann auch nicht, den aufmunternden Hinweis „Oh, wie schön, Ihr seid alle hier“ auf einem Tischchen zu entdecken. Doch damit ist in absehbarer Zeit Schluss. „Ich höre am 31. Dezember auf“, erklärt die 60-Jährige und sorgt prompt für großes Staunen. „Aus gesundheitlichen Gründen“, fügt sie schnell hinzu. Alles habe sie versucht, um einen Nachfolger zu finden, aber keiner wolle mehr ein Fotogeschäft führen. Jetzt gehe es ihr nur noch darum, jemanden zu finden, der in den Mietvertrag einsteige. „Wenn das auch nicht gelingen sollte, kann ich erst Ende März endgültig den Laden schließen.“ Ein Problem habe sie noch mit der Abwicklung ihres Telefonvertrages. „Ich wurde in einen neuen Vertrag gedrängt und soll jetzt noch ein Jahr Gebühren zahlen“, sagt sie genervt.

13 Jahre lang bietet die Heerdterin, die übrigens heute Abend als Schauspielerin im Stück „Geronimo“ auf der Bühne im Heerdter Pfarrzentrum stehen wird, alles rund ums Fotografieren an. Begonnen hat sie 2005 als Aushilfe bei Jörg Marx, dem das Fotogeschäft gehörte. Als er es schließen wollte, habe ihr Mann gesagt: „Ich schenke es Dir zur Silberhochzeit, dann kannst Du so arbeiten, wie du willst“, gibt Brigitte Mockel lächelnd preis. „Ich habe dann meine ganze Liebe investiert.“ Schließlich sei ihre Familie seit sieben Generationen mit Heerdt verbunden. „Schon als Kind habe ich den kleinen Laden ins Herz geschlossen. Damals gab es dort Kurzwaren und Reinigung.“

Damit hatte Brigitte Mockel aber nichts im Sinn, absolvierte sie doch eine Ausbildung als Fotolaborantin für Repro- und Fotografie. Anschließend arbeitete sie in einem Düsseldorfer Fachlabor und gründete dann eine Familie. Als die Kinder größer waren, nahm sie ihren Beruf wieder auf. Vielleicht ist sie dem einen oder anderen noch bekannt aus der Zeit in Oberkassel. Dort hat sie „Charlys Foto-Service“ am Belsenplatz geführt. „Wir waren die einzigen am Markt, die entwickelte Fotos am nächsten Tag liefern konnten.“ Trotzdem sei die Pleite nicht abzuwenden gewesen.

Die Liebe zum Verkauf und zu den Menschen führte sie schließlich in ihren Heimatort zurück und in ihr Traum-Lädchen am Nikolaus-Knopp-Platz.