Oberkassel : Handwerk in vierter Generation

Die Pelzmanufaktur Halfmann gibt es seit 85 Jahren in Oberkassel. Und die nächste Übergabe ist schon geplant.

Robin Halfmann ist groß geworden mit Kürschnermesser, Zweckzange und -pistole, Messingkamm und Rollholz. Denn ohne diese Werkzeuge geht in der Manufaktur seiner Eltern nichts. Und so wie schon sein Ur-Großvater, sein Opa und sein Vater hat der 21-Jährige eine Ausbildung zum Kürschner absolviert und plant dereinst in vierter Generation das 1932 gegründete Familienunternehmen zu übernehmen.

Seit 85 Jahren gibt es das Pelzatelier an gleicher Stelle - im denkmalgeschützten Haus an der Luegallee 49. Vor wenigen Jahren erst haben Kürschnermeister und Diplom-Kaufmann Guido Halfmann sowie seine Frau Anja die Räume entkernt, umgebaut und das alte Handwerk neu in Szene gesetzt. Modern und klar präsentiert sich der Laden von außen: Schaufenster sind zum Boden gezogen und geben den Blick frei von der Allee bis zum grünen Hinterhof. Innen ist alles offener und lichter: Muschelkalk aus Italien, geräucherte Kirsche und Glaskugeltapete, rundes Decken-Stuck-Dekor. LEDs und ein Kronleuchter sorgen für schmeichelndes Licht.

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Im Verkaufsraum im Erdgeschoss hat sich alles verändert: Erhalten sind nur die Grundmauern. Angefangen bei der Fassade über den Boden bis zur Decke, von der Beleuchtung bis zum ledernen Sitz-Pouf ist alles neu. "Ausstattung und Mobiliar waren in die Jahre gekommen. Wir wollten endlich ein Geschäft mit eigener Handschrift und eine perfekte Bühne für unsere Produkte", sagt Guido Halfmann. Der Kürschnermeister ist seit 1995 im Geschäft.

Im Atelier im ersten Stock scheint dagegen die Zeit stehengeblieben zu sein: Kürschnermeister Andreas Fahnenstich steht am Zuschneidetisch und spannt mit Zwecken das Fell auf die Platte. Von der Decke hängen Schnittschablonen, in den Regalen stapelt sich das Material aus Nerz, Zobel, Chinchilla, Persianer, Silber- und Blaufuchs oder Lamm. Mittendrin sitzt der Chef an der Nähmaschine. Mit einem kleinen Stab streicht der Meister seines Fachs das Fell gegen den Haarlauf ein und kann so die einzelnen Teile besser zusammennähen. Dabei ist jedes Fell anders, jedes Schnittmuster neu und jedes Stück ein handwerkliches Kunstwerk. Kombiniert aus altem und neuem Fell, ergänzt mit Stoffen, aufgepeppt mit Bändern, Knöpfen und Fransen. Aus Großmutters geerbtem Pelzmantel wird eine Tasche gemacht. Der alte Persianer wird geschoren und zur Weste umgearbeitet.

In den Atelierräumen warten zwischen Tischen, Nähmaschinen und Bügeleisen an Stangen hängende halbfertige Mäntel und Jacken auf ihre Verarbeitung. 80 Quadratmeter groß ist das Atelier an der Luegallee, in dem seit Jahrzehnten in Handwerkstradition Pelze hergestellt und umgearbeitet, repariert, gereinigt und über den Sommer aufbewahrt werden. Die Manufaktur hat sich als eine der ersten Adressen für Luxus-Pelze einen Namen gemacht. Aus ganz Nordrhein-Westfalen reisen die Kunden an - und nicht nur weibliche. "Immer mehr Männer", so Anja Halfmann, "wissen den versteckten Luxus zu schätzen und leisten sich einen Mantel oder eine Jacke mit pelzigem Innenfutter."

Die Chefin des Familienunternehmens ist in das Metier hineingewachsen. Anja Halfmann kümmert sich um Einkauf und Verkauf. Aber sie hat auch eigene Kollektionen aufgelegt: Sie entwirft Lederjacken im Jackie-O-Stil in Pink und Orange, lässt von Hand Westen, Schals und Loops stricken, die dann mit Pelz-Accessoires "veredelt" werden.

Das kreative Paar ist froh, dass mit Sohn Robin die nächste Generation in den Startlöchern steht.

(dh)