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Düsseldorf: Evangelische Kirche muss umdenken

Düsseldorf : Evangelische Kirche muss umdenken

Die Feierlichkeiten für 100 Jahre Auferstehungskirche, 50 Jahre Philippuskirche und zehn Jahre Europa-Orgel fallen in eine schwierige Zeit. Die Gemeinden müssen sparen und haben die Auflage, neue Strukturen zu entwickeln.

Die Evangelische Kirchengemeinde Oberkassel feiert in diesem Jahr gleich drei runde Geburtstage: 100 Jahre Auferstehungskirche, zehn Jahre Europa-Orgel Felix Mendelssohn-Bartoldy und 50 Jahre Philippuskirche. Bis zum Sommer steht die Auferstehungskirche im Mittelpunkt. Höhepunkt ist ein Festgottesdienst um 11 Uhr am Himmelfahrtstag, der diesmal auf den 29. Mai fällt.

Das Gotteshaus Ecke Arnulf-, Quirinstraße wurde am 21. Mai 1914 eingeweiht. Vorausgegangen war ein Architektenwettbewerb, den Rudolf Wilhelm Verheyen und Julius Stobbe gewannen. Nach ihren Plänen entstand die eigenwillige Silhouette der durch Neubarock und späten Jugendstil geprägten Auferstehungskirche mit ihrem achteckigen Kuppelturm. Das einst grüne, durch Kriegsschäden zerstörte Dach wurde zunächst durch ein rotes ersetzt und zum 75. Geburtstag des Gotteshauses in ursprünglicher Farbgebung wiederhergestellt.

Jetzt zum 100. Jahrestag wird der sanierungsbedürftige Gemeindesaal überholt. Sozusagen als Jubiläumsgeschenk, auch wenn die Arbeiten voraussichtlich erst im Herbst beginnen. Pfarrer Debrand-Passard: "Ich hätte es gern gehabt, wenn er zum Jubiläum fertig geworden wäre." Den Umbau finanziere der Kirchenkreis. Die Kosten für die Stühle müsse die Gemeinde tragen. Denn die finanzielle Situation habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Neben sinkender Gemeindegliederzahlen trage auch der geringe Zinsertrag dazu bei. "Deshalb hat das evangelische Düsseldorf die Aufgabe, sich mit neuen Strukturen den Herausforderungen der Zeit zu stellen." Pfarrer Debrand-Passard: "Die Auferstehungskirche soll unter anderem als Schwerpunkt für Gottesdienste, Kirchenmusik und Jugendarbeit genutzt werden. Der Standort an der Philippuskirche soll erhalten bleiben, beispielsweise für jene, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

"Kein Grund über die Veränderungen zu klagen", macht der Pfarrer Mut. "Vielmehr müssen wir uns mit dem Thema auseinandersetzen und das Potenzial, das wir haben, nutzen." Geld sei "noch" da, es müsse nur klug eingesetzt werden. Besonders wichtig sei ihm neben der Seelsorge die Bildungsarbeit. Das gelte vor allem für die Kinder der evangelischen Kitas in Trägerschaft der Diakonie. "Das läuft fantastisch", sagt der Pfarrer. Bildungsarbeit für Kinder sei für ihn existenziell. "Wenn ich über den Kirchplatz gehe und kein Kind grüßt mich, fehlt etwas in unserer Gemeinde."

Der Pfarrer ist überzeugt, dass die Zukunft der Kirche nicht an Immobilien hängt. Dennoch spielen sie vordergründung eine große Rolle. Beispielsweise der Umbau der Kita Wettinerstraße. Mit dem Gebäude sei kein Staat mehr zu machen. "Wir planen intensiv einen Neubau, ein Bauantrag ist aber noch nicht gestellt." Vielleicht biete sich auch die Gelegenheit, auf dem Gemeindegrundstück ein zusätzliches Mehrfamilienhaus zu errichten. Das werde zurzeit geprüft. Auch der Zusammenschluss mit benachbarten evangelischen Gemeinden steht in Oberkassel auf der Agenda. So wurde schon Kontakt zur den Gemeinden Heerdt und der evangelischen Tersteegen-Gemeinde Golzheim geknüpft. Inzwischen gab es mehrere Treffen, haben sich bereits Ausschüsse gebildet. "Der Prozess wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen", ist Pfarrerin Stefanie Bühne überzeugt. Die Gemeinden würden dabei von einer externen Beraterfirma unterstützt.

(RP)